Umschlagplatz: Warum jener Dax hinaus jener Stelle tritt

Die Stimmung an den Börsen bleibt gedämpft. Nach leichtem Minus kehrte der Dax im Laufe des Dienstags wieder auf das Vortagesniveau von 24.800 Punkten zurück. Die Futures für die wichtigsten US-Indizes lagen im Minus. Auf die Aktienmärkte drückt seit einiger Zeit unter anderem das Rätselraten über die Chancen und Risiken im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz. „Die Märkte nehmen derzeit Branche für Branche unter die Lupe und prüfen, wie widerstandsfähig die Geschäftsmodelle gegenüber KI-getriebenen Veränderungen sind“, sagte Axel Botte, Chefstratege beim Vermögensverwalter Ostrum.

Für zusätzliche Nervosität sorgten uneinheitlich ausgefallene Konjunkturdaten. Das ZEW-Stimmungsbarometer fiel gegenüber dem Vormonat um 1,3 Punkte auf 58,3 Punkte, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung mitteilte. Volkswirte hatten im Schnitt hingegen mit einem Anstieg auf 65,2 Punkte gerechnet.

Analysten äußern Verdrängungsrisiken durch KI

Die Sorgen über die Widerstandsfähigkeit von Branchen durch Künstliche Intelligenz belasteten am Dienstag auch die Aktienkurse des Anbieters von Fernwartungssoftware Teamviewer und des Autozulieferers Aumovio – beide Werte rutschten um mehrere Prozent ab. Die Analysten von Bernstein Research hatten die Anleger nach Betrachtung der Verdrängungsrisiken durch Künstliche Intelligenz auf noch mehr Ungemach eingestellt. Sie zählten neben Teamviewer und Aumovio auch Atos, Ocado und Quadient zu den Werten, denen das dicke Ende erst noch drohe.

„Sie werden behandelt, als ob die Verwerfungen durch KI das Problem von anderen sind“, schrieben die Analysten zu dieser Liste. Dabei seien hier die Verdrängungsrisiken durch Automatisierung besonders hoch. Bei Teamviewer nannten sie insbesondere die traditionelle, personalintensive Fernwartung.

Aktienkurs von Teamview sinkt auf Rekordtief

Der Markt reagierte darauf. Der Aktienkurs von Teamviewer erreichte am Dienstag sogar zwischenzeitlich ein Rekordtief mit 4,71 Euro und weitete den Jahresverlust auf rund ein Fünftel aus.

Das Softwareunternehmen aus Göppingen kämpft mit schwachem Wachstum: Anfang Februar hatte Teamviewer einen vorsichtigen Jahresausblick präsentiert. Für 2026 erwartet das Management ein Umsatzwachstum von lediglich 0 bis 3 Prozent. Noch die Zahlen für das vierte Quartal des vergangenen Jahres hatten die Erwartungen übertroffen mit einem Pro-forma-Umsatz mit 194,6 Millionen Euro über dem Analystenkonsens von 192,6 Millionen Euro.

Die Analystenmeinungen bleiben gespalten. Während Bernstein die Aktie mit „Market-perform“ neutral bewertet, halten Häuser wie Morningstar und Barclays an ihrer Kaufempfehlung fest. Von insgesamt 17 Analysten, deren Urteile von Bloomberg gesammelt werden, raten acht zum Kaufen und neun zum Halten des Wertpapiers.

Auch Aumovio steht vor Schwierigkeiten durch KI

Mit Blick auf den Autozulieferer Aumovio bestehe das Risiko im Wandel hin zu softwaredefinierten Fahrzeugen, so die Bernstein-Fachleute. Gemeint ist damit die Weiterentwicklung von Autos, die hauptsächlich auf Mechanik und Hardwaregeräten basieren, hin zu vornehmlich elektronisch gesteuerten und dadurch von Software abhängigen Fahrzeugen. Das verschiebe die Wertschöpfung hin zu den Autoherstellern, die selbst Software entwickelten, sowie zu neuen Wettbewerbern aus dem Technikbereich.

Der Aktienkurs von Aumovio sank am Dienstag um mehr als sieben Prozent auf ein Jahrestief von unter 40 Euro. Damit wird die negative Tendenz der vergangenen Tage fortgesetzt. Doch der im Oktober gestartete Aufwärtstrend der Continental-Abspaltung hält noch an. Aktionäre profitieren in den vergangenen drei Monaten von einem Gewinn von etwa zehn Prozent. Bernstein bewertet die Papiere weiterhin mit „Market-perform“. Analysten von der UBS und der Deutschen Bank belassen die Aktie auf Kaufen, wie weitere vier Kollegen. Fünf Händler raten zum Halten des Papiers.

Source: faz.net