Zwei Wildtiere beschäftigten die Öffentlichkeit in den vergangenen Tagen, und die Ereignisse beleuchten das ambivalente Verhältnis des Menschen zur ihn umgebenden Natur. Denn der Wal vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns und der Wolf in Hamburg stehen für die Sehnsucht vieler Leute, mit Tieren in einer gelingenden Beziehung zu stehen, sie als Mitgeschöpfe (Gottes) zu sehen und zu helfen, wenn sie in Not sind – ob nun verirrt in seichten Gewässern oder zwischen den Glasfronten eines Einkaufszentrums.
Programmatisch passt dazu der Titel einer Ausstellung in der Frankfurter Skulpturensammlung Liebieghaus: „Tiere sind auch nur Menschen“. Wer ein Haustier hat, seiner Katze ins empörte Gesicht blickt oder dem treuäugigen Hund abends sanft den Nacken krault, der hat diesen Gedanken womöglich auch schon das ein oder andere Mal gehabt.
Doch Wal und Wolf stehen auch für die Entfremdung des Menschen von der Natur: Der gestrandete Wal ist vermutlich nur krank und schwach, und der Wolf ist und bleibt: gefährlich. Daran gibt es wenig zu romantisieren.
Noch unromantischer aber ist die Kehrseite des Verhältnisses des Menschen zum Tier: da, wo es nicht als Mitgeschöpf, sondern nur als Nutz- und Schlachtvieh betrachtet und oft entsprechend schlecht behandelt wird. Irgendwo dazwischen muss es einen Mittelweg geben.
Source: faz.net