Die Bürger reagieren zunehmend abwehrend, wenn sie den Eindruck haben, Umweltaktivisten wollten ihnen Verhaltensänderungen aufzwingen. Das zeigen neue Studienergebnisse des Umweltbundesamtes, die am Donnerstagabend veröffentlicht wurden. Knapp zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) bestätigten „voll und ganz“, sie ärgerten sich, wenn „Umweltschützer mir vorschreiben wollen, wie ich leben soll“.
Besonders allergisch reagierten mit einem Anteil von 80 Prozent junge Leute im Alter von 18 bis 22 Jahren. Das ist auch deswegen bemerkenswert, da sich im Jahr 2020 nur eine Minderheit der Jüngeren (33 Prozent) über Bevormundung durch Umwelt- und Klimaschützer beschwerte. Über alle Altersgruppen hinweg waren es damals 52 Prozent.
Geringes Engagement für Umwelt und Klima
Die Erkenntnisse gehören zur „Umweltbewusstseinsstudie 2024“, die auf einer repräsentativen Hauptbefragung im Herbst 2024 und ergänzenden Analysen beruht. Demnach verlieren Umwelt- und Klimaschutz gerade in der jüngeren Generation an Bedeutung. Hier zeige sich eine „starke Abnahme im Umweltbewusstsein, in der Relevanz des Umwelt- und Klimaschutzes und im eigenen zivilgesellschaftlichen Engagement“, schreiben die Autoren. Verglichen mit anderen Altersgruppen engagierten sich die Achtzehn- bis Zweiundzwanzigjährigen am wenigsten für den Umwelt- und Naturschutz.
Im Jahr 2024 gaben insgesamt 15 Prozent der Befragten an, sich aktiv für den Schutz von Klima und Umwelt einzusetzen. In der Altersgruppe 18 bis 22 Jahre waren es mit sechs Prozent nicht einmal halb so viele. Auffällig ist auch, wie stark das Engagement der Jüngeren innerhalb relativ kurzer Zeit abgenommen hat: Im Jahr 2022 hatten sich nach eigener Darstellung noch 23 Prozent der Achtzehn- bis Zweiundzwanzigjährigen für Umwelt und Klima eingesetzt. Damals stachen die jüngeren Umwelt- und Klimaschützer auch im Vergleich zu allen anderen Altersgruppen hervor. Der Gesamtanteil derer, die sich für Klima und Umwelt engagierten, lag im Jahr 2022 bei 17 Prozent.
38 Prozent der Jüngeren ist Umweltschutz „sehr wichtig“
Als politisches und gesellschaftliches Ziel haben Klima- und Umweltschutz der Studie zufolge aber weiterhin hohe Bedeutung. Eine weit überwiegende Mehrheit der Bürger (88 Prozent) versicherte 2024, Umwelt- und Klimaschutz sei ihnen wichtig. In der Altersgruppe der Achtzehn- bis Zweiundzwanzigjährigen waren es 81 Prozent. Aber nur noch 38 Prozent der Jüngeren sagen, Umweltschutz sei ihnen „sehr wichtig“. Im Jahr 2020 waren es noch 65 Prozent. Die Autoren der Studie geben allerdings zu bedenken, die Stichprobe zum Umweltbewusstsein der jungen Leute sei relativ klein gewesen und könnte damit anfälliger für Verzerrungen gewesen sein. Aber auch andere Untersuchungen, etwa die Shell-Jugendstudie 2024, bestätigten, dass Klimawandel und Umweltverschmutzung für junge Leute an Bedeutung verlören.
Über alle Altersgruppen hinweg verschieben sich die Einschätzungen dazu, „was für ein gutes Leben für alle besonders wichtig ist“. Öffentliche Sicherheit und Bildungschancen haben für die Bürger im Vergleich zu 2022 an Bedeutung gewonnen. Die Relevanz von Umwelt-, Natur- und Klimaschutz sank hingegen von 46 auf 38 Prozent. Dafür seien wirtschaftliche Fragen stärker in den Vordergrund gerückt, schreiben die Autoren.
Wirtschaft gerät stärker in den Fokus
Im Jahr 2024 stimmten zwar noch immer 62 Prozent der Aussage zu: „Zugunsten der Umwelt sollten wir alle bereit sein, unseren Lebensstandard einzuschränken.“ Aber 2022 waren noch 82 Prozent der Befragten zumindest theoretisch bereit, die eigenen Konsumgewohnheiten zu verändern, um die Umwelt zu schonen.
Geändert hat sich auch das Meinungsbild dazu, ob „wir in Zukunft mehr Wirtschaftswachstum brauchen, auch wenn das die Umwelt belastet“. Eine große Mehrheit der Befragten (66 Prozent) widersprach dieser Aussage zuletzt. Aber der Anteil jener, die Wirtschaftswachstum notfalls vor Umweltschutz stellen, hat sich seit 2022 um neun Prozentpunkte erhöht. Eine relative Mehrheit der Bürger (44 Prozent) sei besorgt angesichts der Klima- und Umweltkrise, befürchtete aber negative Folgen politischer Gegenmaßnahmen, schreiben die Autoren.