Zum 100. Geburtstag von Queen Elizabeth II. lässt eine ZDF-Doku ihre engsten Vertrauten zu Wort kommen – mit überraschenden Einblicken.
Zum 100. Geburtstag von Queen Elizabeth II. (1926-2022) erzählt die Dokumentation „Die Queen und ich“ (21. April, 20:15 Uhr, ZDF) die Geschichte der wohl berühmtesten Monarchin der Welt auf ungewöhnliche Weise – durch die Augen der Menschen, die ihr bei ihren repräsentativen Aufgaben am nächsten standen.
„Es ist ein unkonventioneller Ansatz, um sich dieser Frau zu nähern, von der man meint, alles zu wissen“, bestätigt Regisseurin Julia Melchior im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news. Als sie den Auftrag erhielt, habe sie zunächst gezweifelt: „Was soll ich denn da erzählen? Das wird doch dann der 100. Film über die Queen.“ Die Lösung lag schließlich in einem Perspektivwechsel: „Ich habe oft das Gefühl, dass ich bei meinen Filmen Menschen kennenlerne, die durch den üblichen Erzählansatz gar nicht richtig zur Geltung kommen. Dann erfahre ich abseits des Interviews so viel über sie, dass ich mir denke: Eigentlich sind diese Menschen selbst einen Film wert“, erklärt die Royal-Expertin und fügt hinzu: „Das war hier die Gelegenheit.“
Privatsekretärin, Modeschöpfer und mehr
Im Zentrum stehen daher Vertraute wie die frühere Privatsekretärin Samantha Cohen, die 18 Jahre lang für die Queen arbeitete. Modeschöpfer Stewart Parvin, der in den letzten 20 Jahren für den Look der Queen verantwortlich war. Oder Rennpferde-Zuchtberater und Freund John Warren, der ebenfalls mehr als zwei Jahrzehnte der Monarchin mit Rat und Tat zur Seite stand. Weitere Interviewpartner, die im Film zu Wort kommen, sind: Hugo Vickers, Historiker und Biograf, der die Königsfamilie seit über 50 Jahren begleitet. Justin Welby, damals Erzbischof von Canterbury und enger Vertrauter der Queen. Und David Brophy, Dirigent aus Dublin, der über den Staatsbesuch der Queen 2011 in der Republik Irland berichtet.
„Diese Persönlichkeiten machen den Film aus“, so Melchior. Durch ihre Erinnerungen entsteht ein vielschichtiges Bild – jenseits der bekannten öffentlichen Rolle. Besonders eindrücklich sei die enge Bindung vieler Wegbegleiter zur Monarchin gewesen. „Da war ihr Tod natürlich ein enormer Einschnitt“, so Melchior. „Man hat bei allen gespürt: Sie waren ihr sehr nah – und dennoch kam das Ende für sie überraschend.“ Die Gespräche seien teils noch immer emotional gewesen, erinnert sie sich: „Es ist auch mal ein Tränchen geflossen bei der Erinnerung an die Queen.“ Selbst der ehemalige Erzbischof von Canterbury, der „von Berufswegen viel mit dem Tod zu tun hat, gestand, dass ihm der Abschied von der Queen schwerfiel. Es war eben auch das Ende einer Ära“.
Highlights in den schottischen Highlands
Zugleich zeigt der Film eine Monarchin, die im Alltag deutlich nahbarer war als ihr Ruf vermuten lässt. Vor allem auf Schloss Balmoral in Schottland offenbart sich eine fast familiäre Atmosphäre. „Der Aufenthalt überschnitt sich mit den Schulferien. Also durften die Angestellten ihre Familie mitnehmen“, erzählt Melchior. Abseits der Arbeit habe es gemeinsame Aktivitäten gegeben: „Wenn nicht gearbeitet wurde, konnten sie gemeinsam fischen gehen oder in den Wasserfällen schwimmen.“ Außerdem habe es Mitarbeiter-Wettbewerbe in den Gärten von Balmoral gegeben und die Queen habe bei der Siegerehrung die Medaillen verteilt. „Das hätte ich nicht gedacht.“ Melchiors Fazit: „Es muss ein fröhliches Miteinander gewesen sein.“
Auch überraschende Details tragen zu diesem neuen Bild bei. Die berühmten Corgis der Queen waren weit mehr als nur Haustiere. „Ich wusste, dass sie ihre Hunde liebte. Aber dass sie auch eine Funktion hatten, war für mich neu“, sagt Melchior. „Sie waren so etwas wie Icebreaker für Gäste.“ Ob im Buckingham-Palast, in Windsor oder auf Schloss Balmoral – die Hunde seien immer dabei gewesen. „Sie nahmen den Menschen die Aufregung und Angst, der Queen zu begegnen. Darüber hinaus fanden sie durch die Hunde sofort ins Gespräch. Genial eigentlich.“
Engste Mitarbeiterin der Queen war „kein Höfling“
Ein besonders prägender Eindruck ergibt sich aus den Schilderungen von Samantha Cohen. „Sie kann herzlich lachen, strahlt viel Wärme und Charme aus, ist aber auch sehr bestimmt“, beschreibt Melchior die langjährige Vertraute. Vor allem aber widerspreche sie dem klassischen Bild eines Hofstaatsmitglieds: „Kein Höfling, sondern eher Typ Managerin.“
Die Queen und Samantha Cohen trennten über 40 Jahre. „Sie war Anfang 30, als sie im Königshaus begann zu arbeiten, und hat dann eine steile Karriere gemacht zur engsten Mitarbeiterin der Queen. Das sagt doch viel über die Queen aus: Sie hat einer jungen, offenen Frau vertraut“, so Melchior. Das passe überhaupt nicht zu dem Klischee einer alten, verschlossenen Monarchin.
Der Film zeichnet das Porträt einer Frau, die Pflichtbewusstsein und Menschlichkeit miteinander verband, die Nähe zuließ und zugleich klare Strukturen vorgab. Eine Monarchin, die als „Working Mom“ ihrer Zeit voraus war. „Genau das wollte ich“, sagt Melchior. „Nicht die reine Nacherzählung der bekannten Fakten, sondern einen Blick auf die Queen über die Menschen, die mit ihr gearbeitet und gelebt haben.“
„Die Queen und ich“ ist bereits jetzt in der Mediathek verfügbar.
SpotOnNews
Source: stern.de