Übermäßiger Medienkonsum: Wir scrollen uns ins Koma

Wenn ich realisiere, dass ich mal wieder am Handy versackt
bin, hilft mir meist nur noch eins: Drei Mal schnell hintereinander den Knopf
rechts oben am Bildrand drücken, sodass das Display in den Schwarz-Weiß-Modus
schaltet, und das Telefon zwei Meter neben mich aufs Bett werfen. Erscheinen die
Apps und Websites in Schwarz-Weiß wie eine alte Zeitung, schrumpft ihre
Anziehungskraft auf mich. Die räumliche Distanz verhindert, dass ich das Gerät
im nächsten Moment wieder in den Farbmodus stelle und mich ihm erneut hingebe.

Zu lange am Handy rumdaddeln – das heißt im Fachjargon Binge-Scrolling.
Binge spricht man ungefähr aus wie den beliebten Ostseeort Binz auf Rügen, nur
mit „sch“ statt „z“ am Ende. Das englische Wort heißt ins Deutsche übersetzt
Exzess oder Gelage. Scrolling ist das, was man üblicherweise auf einer
Internetseite oder in einer App macht, um nach oben oder unten zu navigieren;
am Computer in der Regel mit dem Mausrädchen, an Smartphones und Co. mit dem
Daumen oder dem Zeigefinger.

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