Millioneninvestitionen in Mega-Resorts: Private Inseln und Anlagen werden für Kreuzfahrtkonzerne immer wichtiger. Urlauber finden dort Entspannung und Action – aber auch das versprochene Robinson-Feeling?
Türkises Meer, weißer Strand, Liegen unter Palmen – und niemand stört die Idylle: Während manch Prominenter oder Superreicher eine Insel gepachtet oder gekauft hat, wird ein Privateiland für die meisten Menschen wohl ein Traum bleiben. Das bedeutet jedoch nicht, dass die damit verbundene Exklusivität für sie völlig ausgeschlossen wäre: Denn private Inseln oder Strände kann man etwa auf einer Kreuzfahrt erleben.
Große Reedereien wie MSC, Norwegian und Carnival haben eigene Inseln und Resorts exklusiv für die Passagiere ihrer Schiffe im Angebot. Sie befinden sich meist in der Karibik und dort insbesondere in den Bahamas. Vor allem die US-Reedereien bieten das exklusive Extra, das oft mit Robinson-Feeling beworben wird, als eine logische und von den Passagieren nachgefragte Ergänzung ihrer Schiffe, die oft genug eine Mischung aus Vergnügungspark, Hotel und Kleinstadt sind.
Teils sind die Kreuzfahrten nur wenige Tage lang, starten an einem US-Hafen, fahren zu einer Privatinsel, und dann zurück. Eine kurze All-inclusive-Auszeit mit Sonne, Drinks und Zerstreuung. Für die deutschen Reedereien Aida, Mein Schiff von Tui Cruises und Hapag-Lloyd spielen exklusive Inseln und Resorts übrigens kaum eine Rolle.
Der Besuch der Inseln ist im Kreuzfahrtpreis in der Regel enthalten. Nur Royal Caribbean verlangt für seine Strandclubs zusätzlich Eintritt. Was man auf den Inseln bekommt, sind Strände, Pools, Restaurants und oft genug auch Action in Form von Ziplines, Wasserparks und anderen Aktivitäten. Man kann schnorcheln gehen, Kajak fahren, oder einfach an einer Wasserbar hocken und Cocktails schlürfen.
Wer das versprochene Robinson-Feeling haben möchte, muss allerdings etwas nachhelfen, denn Kreuzfahrtgäste sind nicht gerade Individualurlauber und treten eher kollektiv auf – Privatinsel hin oder her: entweder, indem sie sich eine private Hütte für den Tag mieten und dorthin zurückziehen oder in ruhigere Abschnitte der Insel wandern.
Im Tenderboot ins Privatvergnügen: Carnival
Carnival, vor Royal Caribbean der weltgrößte Kreuzfahrtkonzern, hat mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar in das Resort Celebration Key auf Grand Bahama investiert, das im Sommer 2025 eröffnet wurde. Schon jetzt können am Hafen zwei große Schiffe anlegen, weitere Liegeplätze sind laut Konzern im Bau. Zunächst sollen zwei Millionen Gäste im Jahr kommen, bis 2028 dürften es bis zu vier Millionen werden.
Im Süden der Bahamas-Insel Eleuthera betreibt Carnival ein weiteres Privatresort, die Princess Cays, das bis 2028 allein von den Schiffen von Princess Cruises auf 60 Routen angefahren und auch von der Konzerntochter P&O Cruises genutzt wird. Weile es keinen Pier gibt, setzen die Passagiere von den ankernden Schiffen in kleinen Tenderbooten an Land über.
An der Baja California an Mexikos Pazifikküste soll mit dem Ensenada Bay Village am gleichnamigen Kreuzfahrtterminal in den kommenden Jahren noch ein Resort für 9000 Gäste am Tag entstehen – mit Pools, Seilrutschen und Spa. Mit der Half Moon Cay, die seit einiger Zeit den Beinamen Relax Away trägt, hat der Konzern zudem eine Privatinsel in den Bahamas in Betrieb, die vor allem von den Konzernmarken Carnival Cruise Line und Holland America Line angefahren wird. Die Insel erhält 2026 einen zweiten Pier, damit die großen Excel-Schiffe von Carnival erstmals dort anlegen können.
Infos: carnival.com
„Perfekte Tage“ versprochen: Royal Caribbean
Gegen den Trend hat auch Europa bald einen ersten Beachclub von Royal Caribbean: auf der griechischen Insel Santorin. Kurz vor Jahreswechsel wurde auf Paradise Island nahe Nassau auf den Bahamas schon ein solcher Strandclub eröffnet, ein dritter entsteht auf der mexikanischen Karibikinsel Cozumel.
Zudem baut der Konzern ein Resort an der mexikanischen Costa Maya auf, namens Perfect Day at Mexico. Vorbild ist die bereits im Portfolio vorhandene Privatinsel Coco Cay, die ebenso mit dem Label Perfect Day vermarktet wird und das überbordende Angebot, mit denen Royal Caribbean seine Schiffe stets bewirbt, an Land fortsetzt: neun Restaurants, sieben Strände, 14 Wasserrutschen, fünf Pools, 20 Bars. Häufig wird Coco Cay auch von der Konzernmarke Celebrity Cruises angefahren.
In Haiti betreibt der Konzern darüber hinaus das Privatresort Labadee, 2027 soll in der Südsee auf Vanuatu noch eines dazukommen.
Infos: royalcaribbean.com
Zugang zum Korallenriff: Norwegian
Vielfältig ist das Angebot in der Great Stirrup Cay von Norwegian, die ebenfalls ausgebaut wird – unter anderem mit einem großen Wasserpark mit 19 Rutschen. Die Bahamas-Privatinsel, seit 1977 in Benutzung, hat neben Stränden und Pools eine fast einen Kilometer lange Zipline sowie eine Aufnahmestation für Vögel.
Norwegian betreibt mit Harvest Caye vor Belize eine weitere Privatinsel mit Zugang zum Belize Barrier Reef, dem zweitgrößten Korallenriff der Welt nach dem Great Barrier Reef vor Australien.
Infos: ncl.com
Von der Brache zum Sandstrand: MSC
Korallen stehen auch im Ocean Cay MSC Marine Reserve, ebenfalls eine Privatinsel, im Zentrum. MSC Cruises, eine Gesellschaft mit Sitz in der Schweiz, deren amerikanische Niederlassung, MSC Cruises USA, sich in Fort Lauderdale, Florida, niedergelassen hat, hat die Bahamas-Insel nach eigenen Angaben langfristig gepachtet.
Sie sei vorher eine Industriebrache gewesen. Heute gibt es hier zwei Meilen Sandstrände für die Passagiere und eine Korallenforschungsstation.
Infos: msccruises.de
Alles andere als schiffbrüchig: Disney
Auch Disney Cruise Line betreibt eine Privatinsel in den Bahamas. Anders als der von Tom Hanks gespielte Chuck im Blockbuster „Castaway“ teilt man sich das vier Quadratkilometer große Eiland Castaway Cay aber nicht nur mit einem kaputten Volleyball namens Mr. Wilson. Sondern mit allen anderen Gästen an Bord des Disney-Schiffs, das dort festmacht.
Neben der Castaway Cay hat Disney Cruise Line noch den Lookout Cay at Lighthouse Point im Angebot – eine private Strandanlage mit bunten Pavillons und eigenem Anleger. Wer dort zwei Kilometer über Land auf die andere Seite der Halbinsel geht, trifft dann ziemlich sicher auf andere Kreuzfahrtgäste: Das Resort liegt ebenso an der Südspitze der Bahamas-Insel Eleuthera wie die Princess Cays von Carnival.
Infos: disneycruise.com
dpa
Source: welt.de