Türkischer Polizist stirbt nachdem Angriff in Prüfstelle – Technischer Überwachungsverein spricht von „bedauerlichem Zwischenfall“

Ein Polizeibeamter stirbt nach einer Prügelattacke in einer türkischen TÜV-Station. Kameraaufnahmen zeigen einen Angriff von über einem Dutzend Mitarbeitern. Der Fall schlägt hohe Wellen.

Die Kameras erfassen den Moment, in dem die Situation kippt. Der 44-jährige Polizeibeamte Melih K. steht in der Fahrzeughalle einer TÜVTÜRK-Prüfstelle neben seinem Wagen. Erst kommt es zu einer verbalen Auseinandersetzung mit Mitarbeitern. Im weiteren Verlauf wird er gestoßen und geschlagen. Der Beamte wehrt sich, die Auseinandersetzung verlagert sich nach draußen, weitere Personen greifen ein. Wenig später eskaliert die Situation erneut. Mehrere Mitarbeiter gehen auf den 44-Jährigen los. Melih K. wird verletzt, erleidet eine Hirnblutung und stirbt wenige Tage später im Krankenhaus.

Der Fall schlägt hohe Wellen. Zum einen landeten Aufnahmen der Attacke im Internet. Zum anderen steht hinter der Prüfstelle der türkische TÜV, an dem neben türkischen Partnern auch der TÜV Süd beteiligt ist, eine deutsche Institution mit Milliardenumsatz und Zehntausenden Mitarbeitern weltweit. Der TÜV als technische Prüforganisation steht auf der ganzen Welt für deutsche Tugenden wie Genauigkeit und Zuverlässigkeit.

Der TÜVTÜRK betreibt in der Türkei ein landesweites Netz von Prüfstellen und ist das einzige Unternehmen in der Türkei, das die verpflichtenden Fahrzeugprüfungen durchführen darf. Die Videos von dem Prügelskandal wurden tausendfach im Internet geteilt und damit auch zum Problem für das Image der deutschen TÜV-Prüfer.

TÜV Süd spricht von einem „bedauerlichen Zwischenfall“

Auf eine Anfrage von WELT erklärte TÜV Süd, man bestätige einen „bedauerlichen Zwischenfall“ an der Prüfstelle eines Franchise-Partners des TÜVTÜRK. Die Gedanken seien bei der Familie des Verstorbenen. Zugleich betont das Unternehmen seine Rolle als Minderheitsaktionär. Man habe weiterhin „volles Vertrauen in das Management von TÜVTÜRK“ und gehe davon aus, dass die Verantwortlichen vor Ort „verantwortungsbewusst und transparent“ mit dem Fall umgehen.

TÜV Süd verweist zudem auf die Zusammenarbeit mit den Behörden. Man habe sich zur „uneingeschränkten Kooperation“ verpflichtet und unterstütze die laufenden Ermittlungen. Weitergehende Angaben machte das Unternehmen nicht. Mit Verweis auf noch nicht abgeschlossene juristische und forensische Verfahren werde es derzeit keine zusätzlichen Kommentare geben.

Der TÜVTÜRK betreibt seine Prüfstellen teilweise über Franchise-Modelle. Welche Kontrollmechanismen dort greifen und wie Verantwortlichkeiten verteilt sind, teilte der TÜVTÜRK nicht mit.

„Gezielter Angriff“

Nach Angaben der türkischen Ermittlungsbehörden wird wegen eines Gewaltgeschehens ermittelt, das sich am 2. Februar 2026 in der Anlage ereignet habe. Die Staatsanwaltschaft Ankara führt ein Verfahren gegen mehrere Beschuldigte. Zwei von ihnen befinden sich in Untersuchungshaft, gegen einen weiteren wurde eine gerichtliche Auflage verhängt. Die Ermittlungen dauern an.

Auch die türkische Polizeigewerkschaft äußerte sich zu dem Fall und widersprach einer Einordnung als bloße Auseinandersetzung. In einer Stellungnahme erklärte die Gewerkschaft der Polizei, man sehe in dem Geschehen keinen zufälligen Zwischenfall, sondern einen gezielten Angriff auf einen Polizeibeamten. Vertreter der Gewerkschaft kündigten an, die juristische Aufarbeitung weiter zu begleiten. Man werde darauf dringen, dass alle Verantwortlichen identifiziert und strafrechtlich belangt werden.

Die Ehefrau des 44-jährigen Polizisten beschreibt den Ablauf gegenüber türkischen Medien deutlich ausführlicher. Ihr Mann habe ihr kurz vor seinem Tod noch schildern können, dass „20 bis 30 Personen“ auf ihn eingeschlagen haben. Er habe sich nicht aktiv beteiligt, sondern versucht, die Angriffe abzuwehren. Nach dem Vorfall habe er selbst den Notruf gewählt. Im Krankenhaus wurde bei ihm später eine Hirnblutung festgestellt. Drei Tage danach verstarb er. Die Ehefrau kritisierte zudem, dass vor Ort kein Rettungsdienst alarmiert worden sei. Sie forderte, dass alle Beteiligten identifiziert und strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden.

Wir sind das WELT-Investigativteam: Sie haben Hinweise für uns? Dann melden Sie sich gerne, auch vertraulich – per E-Mail oder über den verschlüsselten Messenger Threema (8SNK792J).

Source: welt.de

AnkaraInvestigationKriminalität (ks)PolizeiTTötungsdelikte (ks)TürkeiTÜV SüddeutschlandÜV Turk