In der Nacht zum Gründonnerstag wird im Kanzleramt das Licht nicht ausgehen. Auch in Berlin wird damit gerechnet, dass der amerikanische Präsident sich in seiner Ansprache an die Nation zu seinem Krieg gegen Iran äußert. Doch was wird er verkünden?
Dass er seine Kriegsziele erreicht habe, was er leicht tun könnte, da sie so unklar blieben wie eine Kartoffelsuppe? Dass er doch noch eine Weile weiter bomben wolle, weil das auch Netanjahu will? Dass die sehr guten Verhandlungen mit dem Teufelsregime in Teheran, das bestreitet, diese überhaupt geführt zu haben, zu einem sehr guten Ende gekommen seien? Oder dass er sogar noch die Marineinfanterie in den Kampf schicken müsse, um endlich den Friedensnobelpreis zu bekommen?
Es gibt in Trumps Außenpolitik eine Konstante: den Hass auf Europa
Wer will das bei einem irrlichternden Präsidenten wie ihm vorhersagen? Eines aber ist schon lange klar, eine aus Trumps Widersprüchen herausragende Konstante: seine tief sitzende Abneigung gegenüber den Europäern und sein Desinteresse an der Erhaltung des atlantischen Bündnisses. Die angesichts von Trumps Vorgehen verständliche, aber bündnispolitisch nicht sehr kluge Entscheidung der Europäer, sich nicht an seinem undurchdachten Feldzug gegen Iran zu beteiligen, brachte Trumps wie in einer Magmakammer brodelnden Hass auf die „Feiglinge“ in Europa wieder zum Ausbruch.
Nun speien der Supervulkan und seine Nebenkegel nicht nur Sätze wie „Besorgt euch euer Öl selbst!“, was man nur als Ankündigung verstehen kann, sich nicht mehr für das von Trump angerichtete Schlamassel, das zur Blockade der Straße von Hormus führte, zuständig zu fühlen. Trumps Kriegsminister Hegseth und sogar Außenminister Rubio verstärkten in Zusammenhang mit ihrer Kritik an den Das-ist-nicht-unser-Krieg-Verbündeten die ohnehin schon großen Zweifel, dass das Trump-Amerika sich noch an die Beistandsverpflichtung aus dem NATO-Vertrag gebunden fühlt.
Eine verzweifelte Hoffnung in Berlin
Auch in Berlin klammert man sich an die schon verzweifelt wirkende Hoffnung, dass es bei den Republikanern noch genügend „Vernünftige“ gebe, die einen Abzug der Amerikaner aus Europa oder gar die formelle Aufkündigung des NATO-Vertrags verhindern werden. Doch darauf brauchte Putin nicht erst zu warten, wenn er das von Trump unterminierte Bündnis testen und endgültig sprengen wollte, etwa mit einem Überfall seiner „grünen Männchen“ auf das Baltikum.
Wer kann jetzt noch glauben, dass Trump wegen der aus seiner Sicht treu- und nutzlosen Europäer bereit wäre, die USA in einen Krieg mit Russland zu führen, der in einem nuklearen Schlagabtausch enden könnte? Das ist das zentrale Element der westlichen Abschreckungsstrategie – gewesen.
Denn Putin erwartet dank Trumps konstanter Distanzierung von den europäischen Verbündeten und der Ukraine wohl kaum noch, dass er bei dem Dealmaker im Weißen Haus, der lieber gute Geschäfte mit Moskau machen würde, mit dem Schlimmsten rechnen müsste. Europa ist in der Konfrontation mit dem großrussischen Imperialismus weitgehend auf sich selbst gestellt. Es muss das endlich begreifen und die Konsequenzen daraus ziehen, bis hin zur nuklearen Aufrüstung.
Source: faz.net