Ressentiments gegen einstige Partner beherrschen den Auftritt des US-Präsidenten beim Weltwirtschaftsforum. Man sollte sich nicht der Illusion hingeben, dass mögliche Verhandlungen über Grönland dessen bisherigen Status unberührt lassen
Mark Rutte nennt Donald Trump in Davos „Daddy“
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Donald Trump will sich nicht in seinem Gefühl beirren lassen, ein Glücksfall für die Welt zu sein. Für die Vereinigten Staaten sei er das bereits, findet der Präsident. Sie imponierten als Säule des Wachstums und der Prosperität wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wer das in Abrede stellt, den trifft der rhetorische Bannstrahl, wie das seinem Auftritt beim Weltwirtschaftsforum in Davos zu entnehmen ist.
Sich an den USA ein Beispiel nehmen oder der Drittklassigkeit verfallen
Die Hingabe an das Ressentiment und die Liebe zum Affront beherrschen so vieles von dem, was er sich regelrecht von der Seele zu reden scheint. Trump bescheinigt den bisherigen Partnern in Europa, den USA in allem – der Energiepolitik, der Migration, der Militärtechnologie und Aufrüstung, dem Vermögen ihrer Streitkräfte, dem Mut zur Stärke und zum Bruch aus seiner Sicht überholter Regeln – unterlegen zu sein. Eine Aufrechnung wird zur Abrechnung. Was daraus folgt? Die Zurückgebliebenen sollten sich ein Beispiel nehmen oder dem kümmerlichen Dasein der Drittklassigkeit hingeben.
Auf diesem verklärenden Selbst- und vernichtenden Fremdbild gründet der Glaube, womöglich die Gewissheit, dass eine neue Weltordnung durchsetzbar ist, in der die USA und deren Interessen maßgebend sind. Insofern sollte man sich nicht dem Irrglauben hingeben, in der Grönland-Frage zeichne sich nun eine Verständigung ab, die dänischer Souveränität Respekt zollt.
NATO-Generalsekretärs Mark Rutte, der den US-Präsidenten gelegentlich „Daddy“ nennt
„Ich bitte Sie nur um ein Stück Eis“ im Gegenzug für unseren Schutz der Welt, so Trump in Davos. Als wollte er sagen, wir wollen so wenig und ihr bekommt so viel. „Sie können ‚nein‘ sagen, dann würden wir das nicht vergessen.“ Natürlich wird nicht „nein“ gesagt, zumindest nicht durch die Person des NATO-Generalsekretärs Mark Rutte, der den US-Präsidenten gelegentlich „Daddy“ nennt. Was zwischen Kitsch und Kuscheln siedelt und mehr als nur peinlich ist, zeigt es der NATO doch an, wie es um ihr Standing und Personal gerade bestellt ist.
Jedenfalls, versichert „Mark“, wie ihn Donald Trump während seiner Rede herzte, gibt es nun Verhandlungen über den Status der Arktisinsel. An deren Ende könnte ein Agreement, notfalls ein Abkommen, über deren Status stehen. Das dürfte mit einiger Sicherheit darauf hinauslaufen, dass Grönland von den USA beherrscht und Dänemark entzogen sein wird, das formal Hoheitsrechte behalten mag, sie aber kaum noch wahrnehmen kann. Auch die NATO wird bestenfalls als Handlanger der USA gefragt sein, wenn überhaupt.
Donald Trump hat in Davos sein Projekt „Iron Dome for America“ erwähnt und auch damit den Anspruch auf Grönland begründet. Damit geht es, wie aus der Trump-Verfügung EO 14186 hervorgeht, um einen weltraumgestützten Abwehrschirm, der gegnerische Kernwaffen optimal abwehren soll und an Ronald Reagans „Strategische Verteidigungsinitiative“ (SDI) erinnert (die schließlich als undurchführbar aufgegeben werden musste).
Mit welchem Mandat hat Mark Rutte eigentlich über Grönland „verhandelt“
Trumps Vorbild dürfte Israels konventionelles Raketenabwehrsystem „Iron Dome“ sein, das mit Hilfe von US-Rüstungsfirmen entwickelt wurde. Deren Expertise soll jetzt dem Projekt „Iron Dome“ zugutekommen, das als globales System eine Steuerung braucht, die Territorien wie das Grönlands einschließt. Dabei handelt es sich ausdrücklich um ein US-Vorhaben, bei dem die NATO bisher ausgeklammert blieb.
Was nur ein Grund ist, um die Frage aufzuwerfen, mit welchem Mandat Mark Rutte eigentlich mit Donald Trump über Grönland „verhandelt“ hat. Wahrscheinlich hat eine Rolle gespielt, dass Rutte schon mehrfach bewiesen hat, „nur ein Stück Eis“ zu sein, das in den Händen von Trump zerschmilzt, wann immer es darauf ankommt, sich ganz aufzugeben.