Trumps Krieg gegen Iran: Ein langer Krieg stopft Russlands Haushaltslöcher

Aus Sicht des Kremls hat der amerikanisch-israelische Krieg gegen Iran zwei Seiten: eine gute, wirtschaftliche und eine schlechte, politische. Der Verlust eines weiteren verbündeten Regimes wäre ein Schlag für Wladimir Putin. Zumal Iran im Krieg gegen die Ukraine auch militärisch eine wichtige Rolle gespielt hat: Zu Beginn half Teheran mit der Lieferung der berüchtigten Shahed-Drohnen, als Moskau selbst kaum Drohnen besaß. Mittlerweile kann Russland diese zwar nach Meinung von Fachleuten selbst herstellen, doch deutet einiges darauf hin, dass beide Seiten die Waffe in enger Zusammenarbeit weiterentwickelten.

Wirtschaftlich dagegen könnte der neue Krieg eine Chance für Moskau sein. Denn Russland braucht dringend mehr Geld, um seine wachsenden Haushaltsprobleme unter Kontrolle zu bringen. Dabei könnten höhere Öl- und Gaspreise helfen – allerdings nur, wenn sie über längere Zeit auf hohem Niveau bleiben. Im vergangenen Jahr brachen Russlands Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport ein, weil die Ölpreise auf der Welt niedrig waren und neue US-Sanktionen sowie ein schärferes Vorgehen gegen die rus­sische Schattenflotte dazu führten, dass Russland sein Öl noch günstiger abgeben musste als andere Exporteure. Zeitweise kostete ein Fass der russischen Sorte Urals etwa 30 Dollar weniger als eines der Nordseesorte Brent. Auch der starke Rubel schmälerte die Einnahmen.

Indien hat auf Drängen Trumps seine Käufe in Russland reduziert

Im Januar lagen Moskaus Öl- und Gaseinnahmen dann noch einmal um 50 Prozent unter denen des Vorjahresmonats und waren damit so niedrig wie im Sommer 2020 während der Corona-Krise. Für Februar dürfte das Ergebnis ähnlich ausfallen. Dabei spielte auch eine Rolle, dass Indien auf Drängen Donald Trumps seine Käufe in Russland reduzierte und China als Großabnehmer deshalb noch größere Rabatte verlangen konnte.

Doch nun ist die Lage eine andere: Die Preise für Öl und Gas sind in Erwartung von Lieferverzögerungen und eines knapperen Angebots jäh angestiegen. Damit könnte Russland auch für Länder wie Indien wieder als größerer Lieferant infrage kommen. Dann würden sich die Abschläge auf russisches Öl verringern, möglicherweise sogar ganz verschwinden, und Russlands Einnahmen wieder steigen. Der Agentur Bloomberg zufolge dringen Beamte des indischen Ölminis­teriums schon bei ihrem Außenministerium darauf, sich von Washington Spielraum in dieser Frage zu verschaffen.

Allerdings sind sich Fachleute einig, dass der Konflikt lange andauern und mit sehr hohen Preisen einhergehen müsste, um Russlands Finanzlage spürbar zu verbessern. Sergej Wakulenko, Experte für Russlands Öl- und Gasmarkt bei der Denkfabrik Carnegie, sagte der F.A.Z., wenn man von einem Haushaltsdefizit in Höhe von umgerechnet rund 67 Milliarden Euro in diesem Jahr ausgehe, müsste russisches Urals-Öl rund neun Monate lang um die 100 Dollar je Fass kosten, um die Lücke auszugleichen. In den vergangenen Monaten lag der Preis für Urals durchschnittlich bei etwa 40 Dollar.

Flüssiggas bringt Russland viel weniger Geld als Öl

Offiziell plant die russische Regierung mit einem Defizit in Höhe von 3,8 Billionen Rubeln (rund 42 Milliarden Euro), doch gilt dies als viel zu optimistisch. Auch das exilrussische Wirtschaftsportal The Bell weist darauf hin, dass selbst im Szenario eines langwierigen Konflikts mit einem über längere Zeit um die 100 Dollar je Fass liegenden Ölpreis der „stark geschrumpfte Haushalt kaum aufgefüllt“ werde.

Theoretisch könnte Russland auch mehr Pipelinegas und Flüssiggas (LNG) exportieren. Allerdings bringt beides viel weniger Geld ein als das Öl: Laut Daten des Centre for Research on Energy and Clean Air verdiente Russland im Dezember mit dem Rohölexport gut dreimal so viel wie mit dem Verkauf von Pipelinegas und rund viermal so viel wie mit dem LNG-Export. Zwar hätte Russland insbesondere Kapazitäten, die Gasexporte per Pipeline zu steigern, da Moskau seit dem Verlust des europäischen Marktes deutlich weniger ans Ausland verkauft. Doch ist die einzige verfügbare Leitung nach China, Sila Sibiri 1, durch die laut Gazprom im Jahr 2025 knapp 40 Milliarden Kubikmeter Gas flossen, schon vollständig ausgelastet. Dass die EU wieder mehr Gas aus Russland bezieht, was theoretisch über verschiedene Leitungen, etwa das Netzwerk durch die Ukraine, möglich wäre, erscheint derzeit unrealistisch.

Was das Flüssiggas angeht, haben westliche, insbesondere amerikanische Sanktionen Russlands Förderung und Export zuletzt begrenzt. Das bisher nur teilweise in Betrieb genommene Projekt Arctic LNG 2 des privaten, aber kremlnahen Konzerns Novatek hat große Schwierigkeiten, sein Flüssiggas zu transportieren, da Russland wegen der Sanktionen nicht an die in Südkorea bestellten Tanker in Eisbrecherqualität kommt. Wakulenko zufolge könnte Arctic LNG 2 seine Produktion vermutlich ausbauen, aber wegen der stark vereisten arktischen Gewässer werde es im März und April schwierig sein, mehr Flüssiggas von dort zu verschiffen. Auch bei anderen, kleineren LNG-Projekten könnte Russland die Produktion ausweiten, aber nicht um bedeutende Mengen, so der Experte.

Dass die für Wirtschaft zuständigen Beamten der russischen Regierung offenbar nicht mit einem Angriff auf Iran und einem in der Folge steigenden Ölpreis gerechnet hatten, zeigte sich vergangene Woche. Am Mittwoch hatte Finanzminister Anton Siluanow in einem Interview angedeutet, dass der Staat gezwungen sein könnte zu sparen: Möglicherweise würden die „Kennzahlen“ des Haushalts „unter Berücksichtigung der äußeren Umstände leicht verschoben und leicht geändert“. Der Zeitpunkt dieser Äußerungen war überraschend. Üblicherweise werden Korrekturen am Haushaltsplan im Frühling bekannt gegeben. Offensichtlich schätzte Siluanow die Finanz­lage aber so ernst ein, dass er nicht so lange warten wollte.

Der Minister stellte zudem in Aussicht, die sogenannte Budgetregel zu ändern. Dabei wird von der Regierung ein Preis für ein Fass Urals-Öl festgelegt; für 2026 sind es bisher 59 Dollar je Fass. Wenn der Preis darüberliegt, wird das zusätzlich eingenommene Geld in Devisen im Nationalen Wohlfahrtsfonds (NWF) angelegt. Liegt der Preis darunter, werden aus dem NWF Devisen entnommen und mit ihnen Rubel gekauft, um die Differenz zu decken. Siluanow machte vergangene Woche klar, dass es geboten sei, die Preisgrenze zu senken. Damit würde mehr Geld in den eigentlich als Krisenpolster gedachten NWF und weniger in den Haushalt fließen. Je nachdem wie sich die Lage am Golf entwickelt, könnten solche Sparmaßnahmen nun aber gar nicht mehr nötig sein.

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