Trumps gefährliche DrohkulisseUSA entsenden Kampfjets, Iran gräbt Raketen ein
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Für US-Beobachter ist es die größte Streitkräfte-Konzentration im Nahen Osten seit dem Irak-Krieg. Präsident Trump nutzt den Militäraufmarsch wohl primär als Argument in den Verhandlungen mit dem Iran. Kommt es zum Krieg? Eine Übersicht in Karten und Satellitenbildern.
Bis Ende Februar will Donald Trump eigenen Aussagen zufolge über einen Angriff auf den Iran entscheiden. Doch warum würde der US-Präsident sein Militär gegen das iranische Atomwaffenprogramm in Stellung bringen, wenn die USA genau dieses Atomprogramm nach Trumps Aussage im vergangenen Sommer „vollkommen zerstört“ haben? Seine Sprecherin Karoline Leavitt erklärte dazu, es gebe viele Argumente für einen Angriff auf den Iran.
Das US-Militär habe die nuklearen Anlagen des Irans tatsächlich „vollständig zerstört“, bestätigte sie. Und das unter Trumps Führung, wie Leavitt betonte. Dennoch sei das bevorzugte Werkzeug des US-Präsidenten immer die Diplomatie. „Und der Iran wäre sehr klug, einen Deal zu schließen mit Präsident Trump„, verlieh Leavitt dem Wunsch ihres Chefs Nachdruck. Zu diesem Zweck haben die USA im Nahen Osten einen großen Teil ihrer Militärmacht versammelt. Mit Flugzeugträgern, Kampfjets und Bombern hat der US-Militärapparat eine Drohkulisse aufgebaut, die auch das Weiße Haus unter Druck setzt: Macht die Führung in Teheran keine substanziellen Zugeständnisse, die Trump als weiteren Geniestreich verkaufen kann, könnte er sich zum Losschlagen genötigt sehen.
Washington wäge derzeit die „Risiken einer Eskalation und die politischen und militärischen Folgen einer Zurückhaltung“ ab, berichtete der US-Sender CBS unter Berufung auf Quellen im Umfeld des Präsidenten. Dem Nachrichtensender CNN teilte das Weiße Haus unter der Hand mit, Trump sei „noch dieses Wochenende“ zu einem Militärschlag gegen den Iran bereit. Zahlreiche US-Medien untermauern die Bereitschaft Washingtons zum Angriff mit Karten, die eine imposante Auffächerung militärischer Fähigkeiten in der Region zeigen. Das „Wall Street Journal“ sprach von der größten Konzentration von US-Luftstreitkräften im Nahen Osten seit dem Irak-Krieg 2003.
Dazu kommen mehrere Trägerkampfgruppen und Dutzende Spezialschiffe der US-Marine. Nach Angaben des Nachrichtenportals „Axios“ brachte das US-Militär mit mehr als 150 Flügen leistungsstarker Transportmaschinen Waffen und Munition in den Nahen Osten. In den vergangenen 24 Stunden seien zudem weitere 50 Kampfflugzeuge in Richtung Golf-Region gestartet.
Am US-Militärstützpunkt Al-Udeid im Emirat Katar waren Mitte Januar auf Satellitenbildern bereits 16 Maschinen des US-Militärs zu sehen. Zwei Wochen später tauchten dort laut CNN mindestens sieben weitere Frachtflugzeuge vom Typ C-17 und mindestens 17 Tankflugzeuge vom Typ KC-135 auf. Die fliegenden Tanker werden in der Regel benötigt, um Kampfjets längere Einsatzzeiten im Luftraum zu ermöglichen. Außerdem belegen Satellitenbilder, dass im selben Zeitraum mehrere Patriot-Luftabwehrsysteme in Al-Udeid in Stellung gebracht wurden.
Satellitenaufnahmen von Anfang Februar zeigen auf der saudi-arabischen Militärbasis Al-Kharj südöstlich von Riad mindestens ein Dutzend Militärmaschinen, darunter mutmaßlich auch mindestens acht F-16-Kampfjets. Zudem sind zwei große Militärtransportflugzeuge zu sehen. Wie am Umriss und den Außenmaßen zu erkennen ist, handelt es sich dabei um eine C-17 und eine C-5 Galaxy der strategischen US-Lufttransporterflotte.
Militärbeobachter berichten zudem von mindestens zwei bis vier Spezialmaschinen vom Typ Boeing E-3 „Sentry“, die aus Nordamerika via Ramstein nach Al-Kharj verlegt worden seien. Weitere seien möglicherweise auf dem Weg nach Saudi-Arabien. Die zu fliegenden Kommandozentralen umgerüsteten AWACS-Flugzeuge sind zentral für die Koordination von US-Einsätzen.
Die vierstrahligen Langstreckenflieger sind mit einer rotierenden Radarkuppel ausgestattet. Damit kann die Besatzung Freund und Feind in bis zu 400 Kilometern Entfernung erkennen. Rechner, Funk und Navigation verdichten die Daten an Konsolen. Anhand dessen überwacht, führt und koordiniert die Besatzung der Flieger US-Einsätze. Dass die USA ein Drittel ihrer fliegenden Einsatzzentralen in den Nahen Osten verlegt hätten, sei für ihn das deutlichste Zeichen für den Ernst der Lage, schrieb der Militärexperte Matthew Hoh auf X.
Ist der Angriff auf den Iran unausweichlich? „Es hat sich im Laufe der Jahre gezeigt, dass es nicht einfach ist, ein sinnvolles Abkommen mit dem Iran zu schließen“, sagte Trump mit Blick auf die laufenden Verhandlungen in Genf. „Wir müssen ein sinnvolles Abkommen schließen, sonst passieren schlimme Dinge“, drohte der US-Präsident Teheran. Der Iran erklärte derweil US-Militärstützpunkte für den Fall eines Angriffs der USA zu „legitimen Zielen“.
Im US-Fernsehen werden als Grund für einen möglichen Angriff auch aktuelle Satellitenfotos iranischer Anlagen gezeigt: Der Iran, heißt es, befestige militärische und nukleare Anlagen. Die Militäranlage Parchin bei Teheran etwa wurde in den vergangenen Wochen offenbar einbetoniert und dann mit Erde bedeckt. Ähnliche Baumaßnahmen sind an weiteren iranischen Raketenbasen zu erkennen. Der israelische Thinktank Alma fasst diese Taktik als Vertiefung, Versiegelung und Tarnung zusammen.
Sollte es zum Krieg kommen, würden die USA laut „Axios“ und CNN erneut gemeinsam mit Israel vorgehen. US-Medien zitieren Stimmen aus „informierte Quellen“, die angeben, dass eine anstehende Militäraktion im Ernstfall umfangreicher ausfallen werde als der zwölftägige Krieg im Juni 2025.
Dutzende unterirdische Raketenbasen
Israels Angriff erfolgte damals einen Tag vor geplanten Gesprächen zwischen Washington und Teheran über Irans Atomprogramm. Knapp eine Woche später beteiligte sich das US-Militär und bombardierte demonstrativ iranische Atomanlagen. Auch verschiedene Raketenbasen im Land wurden bei den Angriffen beschädigt.
In einer Analyse zum Ausmaß dieses Schadens schreibt Alma, die iranischen Raketenbasen seien vor allem oberirdisch getroffen worden. Große Startanlagen für ballistische Raketen waren demnach nur vorübergehend unbrauchbar. Unterirdische Infrastruktur soll den 12-Tage-Krieg unbeschadet überstanden haben. Der israelische Thinktank macht an „großen, moderat bis stark getroffenen“ iranischen Basen „klare Wiederaufbau- und Betriebszeichen“ aus. Bei kleineren Anlagen sei nach dem Bombardement im Juni 2025 dagegen kaum Fortschritte zu erkennen.
Das iranische Arsenal an ballistischen Lang- und Mittelstreckenraketen sei durch den 12-tägigen Angriff mindestens halbiert worden, schätzen die Alma-Forscher. Die Zahl der mobilen Abschussrampen sank demnach auf ein Fünftel des Ausgangsbestands. Weil aber die unterirdischen Anlagen des Iran offenbar intakt blieben, sei ein Wiederaufbau möglich. Dabei aber habe Teheran ein „ernsthaftes technisch-logistisches Hindernis“ zu überwinden: Israel habe ein bis zwei Dutzend iranische Maschinen zur Herstellung von Raketentreibstoff zerstört. Der Iran versuche, Ersatz aus China zu beschaffen, während die USA solche Lieferungen zu stoppen versuchten.
In den internationalen Bemühungen, den Ausbruch eines Kriegs zu verhindern, scheinen die Fronten verhärtet: Die iranische Führung in Teheran verweigert Verhandlungen über sein Raketenprogramm, unter anderem weil die Fähigkeiten zum Distanzschlag den Kern der iranischen Abschreckungs- und Verteidigungsstrategie bilden. Innenpolitisch steht das Regime unter Druck: Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung ist groß, die jüngsten Proteste im Land ließen die Mullahs gewaltsam niederschlagen.
Vor diesem Hintergrund versucht das iranische Regime, ebenfalls Stärke zu demonstrieren. Nach Einschätzung eines US-Thinktanks bereitet sich das iranische Militär unterdessen auch an der Straße von Hormus auf eine Eskalation vor. Die Meerenge bildet den Eingang zum Persischen Golf und ist zentral für den Welthandel. Ein großer Teil der Erdöl- und Erdgas-Exporte der Region muss dieses Nadelöhr passieren. Eine Blockade könnte die Energiepreise weltweit in die Höhe treiben.
Die USA haben ihre Präsenz auf Militärflughäfen in Saudi-Arabien, Jordanien, im Oman und in Katar in großem Umfang verstärkt. Sie haben dort Luftabwehrsysteme aufgestockt und rund ein Dutzend Kriegsschiffe in die Region geschickt, darunter neben den Trägerkampfgruppen rund um die „USS Abraham Lincoln“ und die „USS Gerald R. Ford“ auch ein halbes Dutzend Zerstörer, mehrere Küstenkampfschiffe sowie spezialisierte Minenräumer.
Der aktuelle Aufmarsch dient vor den Augen der Weltöffentlichkeit womöglich nur als Drohkulisse: Als Trump im vergangenen Sommer den ersten großen Angriff auf den Iran befahl, kamen nicht nur die in der Region stationierten Maschinen zum Einsatz. Ein Geschwader von Tarnkappenbombern machte damals unerkannt den weiten Weg aus dem Mittleren Westen der USA in den Nahen Osten und attackierte die iranischen Atomanlagen mit schweren bunkerbrechenden Präzisionsbomben.
Dem gestaffelten Hightech-Angriff aus den USA hatte Teheran im vergangenen Sommer nicht viel entgegenzusetzen. Die iranische Luftabwehr war offenkundig überfordert, die US-Bomber kehrten nach der Attacke unbehelligt zurück. Ein weiterer Luftschlag wäre wohl deutlich riskanter: Das iranische Militär und die Revolutionsgarden hatten mehrere Monate Zeit sich vorzubereiten, die verbunkerten Anlagen im Untergrund zu schützen und ihr Raketenarsenal in Sicherheit zu bringen.
Das umfangreiche Aufgebot an militärischer Schlagkraft in der Region wirkt daher wie ein unmissverständliches Signal: Kommt es zu keiner Verhandlungslösung, könnte Trump jederzeit den Befehl zum Angriff geben – und die USA damit womöglich in einen größeren Krieg manövrieren.
Source: n-tv.de