Ein „neues goldenes Zeitalter“ in den Beziehungen zwischen den USA und Indonesien hat das Weiße Haus am Donnerstag ausgerufen, als es die Einigung auf ein Zollabkommen zwischen den beiden Ländern verkündete. Diese optimistische Einschätzung dürfte auch auf die politische Zusammenarbeit bezogen gewesen sein. Neben den vietnamesischen und kambodschanischen Machthabern To Lam und Hun Manet war der indonesische Präsident Prabowo Subianto am Donnerstag der einzige südostasiatische Regierungsvertreter, der an der ersten Sitzung von Donald Trumps „Friedensrat“ in Washington teilnahm.
Indonesiens Präsident bemüht sich schon seit einiger Zeit um die Gunst des amerikanischen Präsidenten. So hatte der ehemalige General in dem Treffen mit Trump noch einmal bekräftigt, dass sein Land 8000 Soldaten unter dem Gaza-Friedensplan in den Küstenstreifen entsenden könnte, „oder mehr, falls notwendig“. Indonesien wird zudem eine Führungsrolle in dem Einsatz übernehmen. „Ich habe Indonesien die Position des stellvertretenden Kommandanten der ISF angeboten, und Indonesien hat angenommen“, bestätigte Generalmajor Jasper Jeffers, der Chef der „International Stabilization Force“ (ISF), wie die Friedenstruppe genannt wird, ebenfalls am Donnerstag amerikanischer Zeit.
Es soll nur um einen „humanitären“ Einsatz gehen
Trump zufolge werden auch Marokko, Albanien, Kosovo und Kasachstan Soldaten nach Gaza schicken. Jedoch scheint das indonesische Engagement besonders konkret. So werden israelischen Medien zufolge im Süden des Gazastreifens bereits Quartiere für Tausende indonesische Soldaten eingerichtet. Der indonesischen Regierung zufolge geht es allein um einen „humanitären“ Einsatz und nicht um einen militärischen. Entsandt werden deshalb in erster Linie Ingenieure und Sanitäter. Für April sollen einem Armeesprecher zufolge 1000 Soldaten einsatzbereit sein, im Juni dann 8000 Soldaten.
Eine Beteiligung Indonesiens erscheint in gewisser Weise logisch. Das Land gehört zu den Ländern, die die meisten UN-Blauhelmsoldaten schicken, im Rahmen der UNIFIL-Mission im Libanon stellt es sogar das größte Kontingent. Jakarta engagiert sich auch schon länger in der humanitären Hilfe in Gaza. Unter anderem geschieht das durch die Finanzierung eines Krankenhauses im Gazastreifen, das mittlerweile jedoch stark zerstört wurde.
Der Einsatz im Rahmen einer von den Amerikanern angeführten Friedenstruppe ist für Jakarta politisch allerdings heikel. Das mit 280 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste mehrheitlich muslimische Land der Welt unterhält keine diplomatischen Beziehungen zu Israel. Die Solidarität mit den Palästinensern ist seit Langem ein zentraler Teil der indonesischen Außenpolitik. Prabowos Vorgänger Joko Widodo und dessen Außenministerin Retno Marsudi hatten Israels Reaktion auf den Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 scharf kritisiert. Auf den Straßen Jakartas kam es wiederholt zu Massenprotesten gegen Israels Vorgehen in Gaza. Zuletzt hatte Indonesien dem israelischen Team bei der Gymnastik-Weltmeisterschaft 2025 die Einreise verweigert.
Die indonesischen Kritiker des Einsatzes fürchten nun auch, dass unter amerikanischer Führung vor allem die Interessen Israels berücksichtigt werden und weniger die der Palästinenser. Doch Prabowo hat in dieser Sache deutlich mehr Flexibilität gezeigt als sein Vorgänger. So hatte er bei der UN-Generalversammlung im vergangenen Jahr erklärt, dass „echter“ Frieden nur möglich sei, wenn auch die Sicherheit Israels garantiert werde. Er hat zudem eine Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zu Israel in Aussicht gestellt, sofern Israel auch Palästina anerkenne. Wiederholt werden zudem Gerüchte über inoffizielle Gesprächskanäle mit der israelischen Regierung öffentlich.
Indonesien will sich keiner Großmacht anschließen
Mit dem Einsatz für Trumps Friedensbemühungen will der Präsident Fachleuten zufolge auch Indonesiens Rolle auf der Weltbühne stärken. Dafür ist Prabowo auch bereit, außenpolitische Grundsätze über Bord zu werfen. So weigerte sich Jakarta bisher, sich einer Großmacht oder einem Block anzuschließen, und verfolgte nach eigenem Bekunden eine „freie und aktive“ Außenpolitik. Doch nun ist in der amerikanischen Mitteilung zu dem Handelsabkommen sogar von einer „Allianz“ zwischen den USA und Indonesien die Rede. Auf der anderen Seite hat Prabowo seit Beginn seiner Amtszeit auch die Nähe zu China und Russland gesucht und den Beitritt Indonesiens in die BRICS eingefädelt.
Manche Kritiker vermuten, dass Prabowo schlicht nach einer „Abkürzung“ suche, um global an Einfluss zu gewinnen. Sie fürchten, dass sich Jakarta von den Launen Trumps und innenpolitischen Entwicklungen Amerikas abhängig macht. Indonesiens Außenminister Sugiono, der wie viele Indonesier nur einen Namen trägt, bemühte sich wiederholt um Relativierungen. Ihm zufolge sind die Aktivitäten nur Schritte auf dem Weg zu einer Unabhängigkeit Palästinas. Indonesien könne sogar aus dem Friedensrat wieder austreten, wenn er nicht dem Ziel einer palästinensischen Unabhängigkeit diene.
Fraglich ist, wie sich die Indonesier in ihrer zukünftigen Führungsrolle aus militärischen Operationen heraushalten sollen, wenn der Plan die Demilitarisierung des Gazastreifens und die Entwaffnung der Hamas vorsieht. Die Zeitung „The Jakarta Globe“ kritisiert die Ankündigungen deshalb als „diplomatisches Glücksspiel“. Indonesien riskiere, in einen der schwierigsten Konflikte der Welt hineingezogen zu werden, sagen die Kritiker. Und das, ohne dass es eine öffentliche Debatte darüber gegeben habe, und ohne starkes internationales Mandat. Hinzu komme die finanzielle Belastung, darunter die eine Milliarde Dollar, die Trump für eine permanente Mitgliedschaft im „Friedensrat“ verlangt.
Source: faz.net