Trumps Coup gegen Maduro: Was Russland in Venezuela verliert

Für Wladimir Putin begann das neue Jahr unerfreulich. Mit dem Sturz des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro hat Russland seinen wichtigsten Verbündeten in Südamerika verloren, aber vermutlich auch Milliarden Dollar, die Russland seit Putins erster Wahl zum Präsidenten im Jahr 2000 in die Partnerschaft mit Venezuela gesteckt hat. Um wie viel Geld es genau geht, ist nicht bekannt; die Nachrichtenagentur Reuters berechnete im Jahr 2017 eine Summe von 17 Milliarden Dollar, die Moskau Caracas zwischen 2006 und jenem Jahr in Form von Krediten bereitgestellt habe.

Für einen Teil des Geldes kaufte Venezuela russische Waffen, manche Kredite zahlte es in Form von Öllieferungen zurück. 2018 nannte Moskau die ausstehende Summe von rund drei Milliarden Dollar an Schulden aus einem 2011 gewährten Kredit für Waffenkäufe. Da Caracas das Geld nicht aufbringen konnte, wurde die Frist zur Rückzahlung immer wieder verschoben, aktuell auf 2027.

Putin ging es weniger um Venezuelas Öl

Doch erwartete wohl kaum jemand im Kreml, das Geld jemals wiederzusehen. Von Beginn an war klar, dass es Putin in Venezuela weniger um Wirtschaftsprojekte ging als um einen Vorposten im Kampf gegen den gemeinsamen Feind Amerika – einen „unsinkbaren Flugzeugträger“, wie es in Russland hieß. Als 2014 der Ölpreis einbrach, verlor auch die teure und aufwendige Förderung des schweren venezolanischen Öls ihren Reiz. In den Jahren zuvor, als ein Fass Öl etwa 100 Dollar kostete, schienen solche Investitionen noch eher vertretbar. 2012 begannen der vom Kreml kontrollierte Ölkonzern Rosneft und vier weitere russische Energiekonzerne im Rahmen eines Gemeinschaftsunternehmens mit Venezuelas staatlichem Ölkonzern PDVSA mit der gemeinsamen Förderung.

Freunde: Venezuelas früherer Präsident Hugo Chávez mit Enkelsohn Jorge und dem Putin-Vertrauten Igor Setschin (r.) 2008 in CaracasREUTERS

Für die Umsetzung verantwortlich war der damals für Energie zuständige erste stellvertretende Ministerpräsident und heutige Rosneft-Chef Igor Setschin, ein mächtiger Vertrauter Putins, der in den Neunzigerjahren dessen Sekretär war, Spanisch spricht, sich für die Revolutionäre Lateinamerikas begeistert und häufig zu Hugo Chávez reiste, der Venezuela von 1999 bis zu seinem Tod 2013 führte. Zu Chávez’ Ehren ließ Setschin eine kleine Seitenstraße einer der riesigen Verkehrsachsen am Rande des Moskauer Zentrums nach ihm benennen.

Die gemeinsamen Ölprojekte blieben immer unter den anvisierten Fördermengen zurück, teils wegen Misswirtschaft und Korruption auf venezolanischer Seite. Es sei aber ohnehin nie um wirtschaftliche Aspekte gegangen, sondern immer darum, den USA einen Schlag zu versetzen, sagten beteiligte Manager nun der Zeitung „Financial Times“. Die Förderung sei schon damals zu teuer gewesen.

Handel mit Venezuela kaum der Rede wert

Als die Vereinigten Staaten 2019 Sanktionen gegen den venezolanischen Ölsektor verhängten, zog sich Rosneft aus Venezuela zurück und veräußerte seine Aktiva, fünf wenig ertragreiche Projekte mit PDVSA an verschiedenen Förderstätten, an die neu gegründete Staatsfirma Rossarubeschneft, die sie bis heute hält. Auch im Vergleich mit anderen südamerikanischen Ländern spielt Venezuela wirtschaftlich für Russland kaum eine Rolle. Der Warenaustausch lag 2024 bei 200 Millionen Dollar und damit deutlich niedriger als mit Argentinien und um ein Vielfaches unter dem Handel mit Brasilien.

Doch könnte Trumps Coup Russland an anderer Stelle treffen. Wie das „Wall Street Journal“ berichtete, strebt Trump mithilfe der Wiederbelebung der venezolanischen Ölindustrie an, den Ölpreis langfristig auf die von ihm favorisierte Marke von 50 Dollar zu senken, was Russlands Haushaltsprobleme verschärfen würde. Im vergangenen Jahr sanken Russlands Einnahmen aus dem Öl- und Gasexport im Vergleich zu 2024 um 22 Prozent, was aber nicht nur an Sanktionen und niedrigen Preisen, sondern auch am starken Rubel lag.

Kreml muss wegen des Krieges Steuern erhöhen

Da die Ausgaben für den Krieg gegen die Ukraine auch in diesem Jahr ähnlich hoch bleiben wie 2025, muss der Kreml Steuern und Abgaben erhöhen, was zu hohen Inflationserwartungen in der Bevölkerung führt, die Zentralbank an einer schnellen Senkung des hohen Leitzinses hindert und auch die sich in Umfragen abzeichnende Kriegsmüdigkeit vieler Russen verstärken dürfte.

Allerdings halten Fachleute Trumps Plan für schwer zu realisieren. Um die venezolanische Förderung spürbar zu erhöhen, müssten zunächst über Jahre Milliarden Dollar investiert werden, schrieb der russische Energieexperte Sergej Wakulenko in einem Beitrag für die Denkfabrik Carnegie. Was das schwere Öl angehe, lohnten sich solche Projekte ohnehin nur bei einem höheren Ölpreis als derzeit, weshalb die großen Konzerne sich einen Einstieg genau überlegen würden. Selbst wenn irgendwann mehr Öl aus Venezuela kommen werde, seien die Mengen immer noch zu gering und zu teuer in der Produktion, um den Weltmarktpreis zu beeinflussen.

Bedrohlicher könnte es für Russland sein, wenn das amerikanische Militär weiterhin so entschieden gegen die „Schattenflotte“ der Tanker vorgeht, die venezolanisches Öl an Sanktionen vorbei transportieren. Fünf Schiffe hat die US-Küstenwache seit Dezember beschlagnahmt, darunter den Tanker Bella 1, der dann in Marinera umbenannt wurde. Die spontane Neuregistrierung unter russischer Flagge sollte offensichtlich dazu dienen, den Tanker abzuschirmen, sogar russische Kriegsschiffe wurden in den Nordatlantik geschickt. Doch auch das schreckte die Amerikaner nicht ab. Am vergangenen Freitag traf es zudem den Tanker Olina, der ebenfalls unter anderem Namen wegen des Transports von russischem Öl unter US-Sanktionen steht.

Da viele Schiffe, die für die russische „Schattenflotte“ im Einsatz sind, auch für andere sanktionierte Länder wie Venezuela und Iran Öl transportieren, treiben Vorfälle wie diese die Frachtkosten für Russland in die Höhe, und die Abschläge auf russisches Öl vergrößern sich. Nach Angaben des Branchendiensts Argus lag der Preis für Öl der russischen Sorte Urals im Dezember wegen der amerikanischen Sanktionen gegen die beiden größten Exporteure Rosneft und Lukoil bei nur noch etwa 34 Dollar pro Barrel – der Haushalt für dieses Jahr ist auf einen fast doppelt so hohen Preis von 59 Dollar pro Fass ausgelegt. Der Rabatt stieg demnach deutlich an, beim Verkauf an Indien war ein Fass russischen Öls im Durchschnitt um 7,5 Dollar billiger als andere Referenzsorten.

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