Sie erinnern sich richtig. Wir haben am Anfang kritisch auf die Regierung geschaut. Winfried Kretschmann und ich duzen uns gleichwohl seit einiger Zeit. Genauer gesagt, seit einer Veranstaltung in Berlin, auf der er mit einem Mittelstandspreis ausgezeichnet wurde und ich die Laudatorin war.
Wie bilanzieren Sie diese 15 Jahre heute? Was war gut, was war schlecht?
Also zunächst einmal gibt es Baden-Württemberg noch. Es existierte damals bei manchem die Befürchtung, dass das Land untergehen könnte. Das ist offensichtlich nicht erfolgt. Wir Schwaben sind eben doch recht widerständig. Ich finde, Winfried Kretschmann hat das Miteinander zwischen Bürgern und Politik positiv verändert. Fragen des Stils im Umgang mit den Wählern spielen eine größere Rolle, es wurden neue Formate der Bürgerbeteiligung eingeführt. Auch hat er sich oft mit Unternehmern getroffen. Das gab es vorher natürlich auch. Aber Kretschmann hörte gut zu und nahm viel auf. Am Anfang fielen ein paar Aussagen, die uns nicht gefallen konnten, wenn er zum Beispiel sagte, dass weniger Autos ein Gewinn seien. Das Zuhören, sich etwas wirklich erklären zu lassen und gleichzeitig seinen Standpunkt zu vertreten, das ist eine seiner Stärken. Er hat das Thema Vereinbarkeit von Ökonomie und Ökologie vorangebracht. Diesen Weg sollten wir abgewogen weiter gehen.
Handelt es sich am 8. März tatsächlich um eine Schicksalswahl, wie die CDU sagt?
Schicksalswahl ist ein großes Wort. Aber gut, Politiker müssen solche großen Worte wählen, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Ich finde es schon richtig, dass es eine Fokussierung auf den Wohlstandserhalt und alle Themen gibt, die dazu gehören. Das bedeutet ja nicht, dass man in einer möglichen Koalition, je nachdem, wie die Wahl ausgeht, mit den Grünen nicht auch an den ökologischen Themen weiterarbeiten kann.
Wer kann denn nun in diesen schwierigen Zeiten dieses Bundesland besser führen: der 37 Jahre alte Manuel Hagel von der CDU oder der 60 Jahre alte Cem Özdemir von den Grünen?
Jemandem seine Jugend vorzuwerfen, ist einfach. Man muss den Jüngeren auch etwas zutrauen. Andererseits zählt das Argument „zu alt“ für mich auch nicht. Erinnern Sie sich noch, wie Erwin Teufel als „zu alt“ weggeschrieben wurde? Das habe ich nie verstanden. Alter ist weder in die eine noch in die andere Richtung entscheidend. Hagel hat Erfahrung, er kommt, anders als viele Politiker in Berlin, aus dem Berufsleben. Er hat geräuschlos den Wechsel in der Fraktion hinbekommen. Ich traue Hagel das Amt zu.
Und Cem Özdemir trauen Sie das Amt auch zu?
Cem Özdemir ist nicht verkehrt, wie wir Schwaben sagen. Er gehört bekanntermaßen zum Realo-Flügel seiner Partei und beschäftigt sich viel mit wirtschaftlichen Fragen.
Wenn Sie sagen, Herr Özdemir sei „nicht verkehrt“, ist das ja das höchste Lob, das eine Schwäbin aussprechen kann.
Schon, aber das heißt noch lange nicht, dass ich will, dass er Ministerpräsident wird. Das entscheiden im Übrigen auch die Wähler. Ich möchte als Wählerin gern, dass die CDU das Land wieder führt, damit die wirtschaftlichen Themen eine größere Rolle spielen. Die Grünen können, je nach Wahlausgang, weiterhin wichtige Akzente setzen. Die anderen Parteien sind eigentlich eher schwach aufgestellt, zumal vom Bund wenig Rückenwind kommt.
Wen meinen Sie?
Vor allem die SPD.
Sie sind mit den jüngsten Vorschlägen der SPD zur Erbschaftsteuer oder zur Sozialpolitik – Krankenkassenbeiträge auf Kapitaleinkünfte zu erheben oder die Beamten in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen zu lassen – nicht einverstanden.
Die meisten Bürger wissen, dass sich in Deutschland einiges ändern muss und dass wir grundlegende Reformen brauchen. Es ist jetzt Sache der Politik, das gegen Widerstände durchzusetzen. Die einzige Idee, die die SPD hingegen hat, ist, Abgaben und Steuern zu erhöhen und neue Geldquellen zu erschließen. Der kleine Handwerker und der kleine Vermieter sollen die Krankenkassen retten, der Beamte die Rente. Und mit der Erbschaftsteuerdebatte setzt man gerade die inhabergeführten Unternehmen unter Druck. Ich gebe zu, dass es nicht gerecht ist, wenn der Neffe, der seine Patentante beerbt, hohe Steuern zahlen muss. Das müssen wir ändern. Aber wir dürfen doch deswegen nicht den Mittelstand in Gefahr bringen, der das Rückgrat der hiesigen Wirtschaft ist und für 90 Prozent der Ausbildungsplätze steht.
Es gibt die Ansicht, dass nur eine 100-prozentige Erbschaftsteuer gerecht ist, weil dann jede Generation bei null anfangen muss.
Dieser Gedanke ist mir fremd. Die Möglichkeit, dass ich Eigentum bilden und weitergeben kann, ist essenziell für die Selbstentfaltung und tragend für ein funktionierendes Gemeinwesen. Ich verstehe nicht, dass man den Wert des Eigentums so gering schätzt und es nicht erträgt, dass es vielleicht Erben gibt, die ihr Erbe verprassen. Das müssen wir im Sinne des großen Ganzen leider aushalten. Wenn eine Familie ein mittelständisches Unternehmen wie das unsere über Generationen erhält, weil sie in schlechten Zeiten nur sehr moderat aus der Firma entnimmt, ist das unter dem Strich viel mehr wert für die Gesellschaft, als wenn man uns hohe Erbschaftsteuern abknöpft und das Weiterbestehen des Unternehmens gefährdet.
Sie haben auch große Sorgen über den Aufstieg und die momentane Stärke der AfD. Wie groß ist der Zuspruch dieser in Teilen rechtsextremistischen Partei in den Betrieben?
Meine Sorge ist sehr groß, weil die AfD gerade in den Betrieben der Metallindustrie sehr geschickt vorgeht. Die haben geschulte Leute, die Halbwahrheiten verkünden und von der Angst und Beunruhigung der Belegschaften profitieren wollen. Bei uns in der Belegschaft spielt das bisher gottlob aber keine Rolle.
Warum ist das so?
Ich kann nur spekulieren, wir wissen zumindest von keinen entsprechenden Tendenzen durch den Betriebsrat. Vielleicht spielt eine Rolle, dass wir ein wertegeleitetes Familienunternehmen sind, dass wir sichtbar sind und ich mich als Unternehmerin klar äußere. Ich nutze meine Position immer wieder, um Schlagworte und Sachverhalte klarzustellen. Ich sage auch, dass man dieses Land ganz bestimmt nicht in Ordnung bringen kann, indem man sich gegen Bürger mit Migrationshintergrund stellt. Das kann ich als Privatunternehmerin klarer formulieren als ein Vorstandschef eines Dax-Unternehmens. Ich tue das in Reden und auch im direkten Gespräch.
Geistig-moralische Führung ist an der Spitze eines mittelständischen Unternehmens also nötig in diesen Zeiten?
Ja, das finde ich schon. Wir müssen trotz aller derzeitigen Unsicherheiten stets Perspektiven aufzeigen und dürfen den Menschen nicht verschweigen, dass es Härten gibt. Und warum wir auch bei Trumpf 1000 Stellen abbauen mussten im vergangenen Jahr, natürlich auch durch Fluktuation und Vorruhestandsregelungen.
Die Forderungen von Unternehmen an die neue Regierung liegen auf dem Tisch, Reform der Sozialsysteme, niedrigere Arbeits- und Energiekosten, weniger Bürokratie. Was kann da eine Landesregierung machen?
Beim Bürokratieabbau kann man schon etwas machen. Kretschmann hat es versucht. Und er bedauert ja heute, nicht weit genug gekommen zu sein. Eine dezidiert wirtschaftsnahe Partei erreicht da hoffentlich mehr. Das zweite Thema ist die Bildungs- und Schulpolitik. Damit beginnt alles. Wir müssen die Kinder besser auf die Schule vorbereiten. Jedes Kind muss Deutsch können, wenn es in die erste Klasse kommt.
Wer über Bildung spricht, muss auch über den Umgang mit sozialen Medien reden. Wie stehen Sie zu einem Social-Media-Verbot, wie es in Australien jetzt praktiziert wird?
Ich würde mir wünschen, dass wir den Weg der Australier und Kanadier gehen. Wir müssen, obwohl ich ansonsten gegen zu viel staatlichen Einfluss bin, Social Media für unter 16-Jährige einschränken.
Im Wahlkampf spielen die Wissenschaftspolitik und die technologische Zukunft Baden-Württembergs eine große Rolle. CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel verspricht den Aufbau einer zehnten Landesuniversität für Künstliche Intelligenz. Was fehlt einem Unternehmen wie Ihrem in der hiesigen Wissenschaftslandschaft?
Wir haben in Baden-Württemberg viele Anlaufstationen, mehr Spitzenuniversitäten als andere Länder. Wenn wir in der Firma eine forschungsbezogene Fragestellung haben, finden wir am KIT oder an der Universität Stuttgart fast immer die richtigen Fachleute – manchmal natürlich auch an der TU München oder der RWTH Aachen. Wir sollten vor allem dafür sorgen, dass die kleinen Unternehmen die Schwellenangst verlieren, damit sie von der universitären Forschung stärker profitieren. Und wir müssen die Universitäten endlich von Bürokratie und Dokumentationslast befreien, um mehr Kapazitäten für die Forschung zu schaffen. Ob wir noch einmal eine KI-Universität brauchen, ist vor dem Hintergrund bereits existierender Leuchttürme wie dem IPAI in Heilbronn zu diskutieren. Wichtiger scheint mir zu sein, den Austausch zwischen den Unternehmen und den universitären Forschungsinstituten zu intensivieren.
Was muss sich konkret verändern, damit die Grundlagenforschung in den Unternehmen ankommt und zur Basis neuer Geschäftsmodelle wird?
Wir haben als Nation viele Ideen, aber wir sind bei den Ausgründungen zu behäbig. Es ist alles bekannt: Wir müssen steuerliche Hürden beseitigen, Genehmigungen beschleunigen und Start-ups in der Gründungsphase besser unterstützen, wie wir es selbst erfolgreich mit der Firma Qant getan haben. Und wer etwas versucht, aber keinen Erfolg hat, darf nicht das „Gescheitert“-Etikett aufgedrückt bekommen.
Wenn wir jetzt über die klassischen Industrien wie die Autoindustrie und den Maschinenbau sprechen, die Baden-Württemberg groß gemacht haben, aber im globalen Wettbewerb gerade zurückfallen, wie können diese Unternehmen wieder erfolgreich werden?
Wenn ich von Trumpf ausgehe, dann entscheiden über den Erfolg Innovation und Geschwindigkeit. Wir müssen technisch vorn sein. Und da haben wir eine Menge zu bieten – sowohl in der Lasertechnik als auch im Werkzeugmaschinenbereich und in der Elektronik. Aber klar ist auch: China ist eine Riesenkonkurrenz geworden, hat Deutschland als Exportweltmeister abgelöst. Die Unternehmen dort sind sehr gut, sie arbeiten zeitlich deutlich mehr als wir – und es ist schon lange nicht mehr so, dass sie uns nur kopieren. China besetzt strategisch die wichtigen Themen und subventioniert seine Unternehmen. Das ist die Realität, der wir aber nur begegnen können, wenn wir technologisch vorn bleiben. Deshalb ist unsere Bildung, sind unsere Schulen und Universitäten so entscheidend.
Wenn die Unternehmen nur überleben, wenn sie technisch vorn bleiben, kann Baden-Württemberg dann seine industrielle Basis als Fundament für den Wohlstand halten?
Diese Hoffnung habe ich. Aber man kann schon besorgt sein angesichts der vielen Arbeitsplätze, die gerade abgebaut werden. Es ist ein brutaler Transformationsprozess, in dem wir uns alle befinden. Wir müssen die Bedingungen in unserem Land wie in der Republik deshalb schnell verändern, damit es der Industrie so leicht wie möglich gemacht wird. Die Bremsklötze, die wir entfernen können, müssen nun endlich weg.
Muss ich das noch sagen? Stichworte sind der ausufernde Staat und eine schlingpflanzengleiche Bürokratie, Dokumentationspflichten, Lohnnebenkosten, lange Genehmigungszeiten. Und wir brauchen endlich flexiblere Arbeitszeiten. Wie oft höre ich beispielsweise von arbeitenden Müttern, die mich fragen, ob ich mich in der Politik nicht dafür verwenden kann, dass sie abends länger arbeiten dürfen, wenn die Kinder im Bett sind. Ich denke aber auch an unsere Servicetechniker, die kurz vor Vollendung ihrer Tätigkeit beim Kunden aufhören müssen. Wir brauchen Regelungen, die die Wochen- oder Monatsarbeitszeit erfassen und über die Tagesarbeitszeit hinausgehen.
Was denken Sie über den Vorstoß der CDU-Mittelstandsvereinigung, das Recht auf Teilzeit abzuschaffen?
Wir brauchen Teilzeitregelungen, dafür habe ich schon früh gekämpft, wir haben bei uns zig verschiedene Arbeitszeitmodelle. Ich brauche sie für Männer und Frauen gleichermaßen, die Kinder haben oder Angehörige pflegen. Aber: Es geht der Mittelstandsvereinigung auch nicht um die Abschaffung von Teilzeit für diejenigen, die sie wirklich benötigen. Das Problem sind jene Mitarbeiter, die eigentlich voll arbeiten könnten, weil sie keine Kinder haben und keine Großmutter pflegen, ihren Rechtsanspruch auf Teilzeit aber jederzeit durchsetzen können. Auch wenn wir sie mit einem Vollzeitvertrag eingestellt haben.
Ein Argument ist auch, dass sich Mehrarbeit nicht immer lohnt, dass am Ende gar nicht viel mehr hängen bleibt.
Es kann nicht sein, dass Menschen nicht länger arbeiten wollen, weil der Mehrverdienst am Ende nicht spürbarer ausfällt. Das müssen wir ändern. Schnell. Leistung muss sich lohnen. Wir müssen die Vollzeit für die Menschen steuerlich attraktiver machen und positive Anreize schaffen. Ich bin der Mittelstandsvereinigung dankbar, dass sie da an uns Mittelständler denkt – auch wenn die Wortwahl nicht glücklich war.
Sie meinen den Begriff „Lifestyle-Teilzeit“?
Ja. Es ist allerdings auch erschreckend, wie schnell so ein Begriff in einer gereizten Gesellschaft zum Politikum wird, ohne die sachlichen Hintergründe der Debatte überhaupt näher zu beleuchten. Das war bei der Stadtbild-Äußerung von Kanzler Friedrich Merz ähnlich. Alle stürzen sich auf die Formulierung, greifen den Absender an, ohne zu fragen, was dahintersteckt und ob es einen bedenkenswerten Kern geben könnte. Oder in diesem Fall zu überlegen, was wir gemeinsam tun müssen, um unseren Wohlstand zu erhalten. Unser solidarisches System ist auf das Höchste gefährdet, wenn wir nicht wieder in eine Balance kommen zwischen sozialen Errungenschaften und florierender Wirtschaft.
Im Herbst stehen Tarifverhandlungen an. Was wäre eine angemessene Forderung der Arbeitnehmer, um die Wirtschaft wieder florieren zu lassen? Plädieren Sie für eine Nullrunde?
Ich plädiere für Weitblick und Besonnenheit angesichts der schwersten Wirtschaftskrise seit der Wiedervereinigung. Zumal die IG Metall bereits offen mit Streiks gedroht hat, sollten die Arbeitgeber mit einer Nullrunde ins Rennen gehen. Es ist noch etwas Zeit. Für mich steht aber im Vordergrund, dass wir statt polternder Rhetorik mit äußerster Sorgfalt und Kompromissbereitschaft vorgehen müssen, um die strauchelnden Betriebe nicht zusätzlich zu belasten. Es geht um nicht weniger als die Substanz unseres Landes.
Wie laufen die Geschäfte bei Trumpf , seit Sie bei Ihrem letzten Jahresabschluss im Sommer sinkende Umsätze und Gewinn gemeldet haben?
Unser Geschäft hat sich stabilisiert, es geht nicht weiter runter. Es gibt sogar einzelne Lichtblicke wie die Elektronik. Wir werden dieses Jahr ein ordentliches Ergebnis erwirtschaften. Der Umsatz steigt aller Voraussicht nach aber wohl nicht.
Reicht demnach das angekündigte Sparprogramm aus? Müssen Sie keine weiteren Stellen abbauen?
Ich kann nicht für alle Zeiten versprechen, dass es keine weiteren Sparrunden gibt. Aber Stand heute ist nichts geplant. Wenn Deutschland jedoch nicht umgehend Reformen in Angriff nimmt, wird es in der Industrie insgesamt weiter bergab gehen. Wir müssen dann genau prüfen, inwieweit wir hier in Deutschland noch investieren können.
Wie schlägt sich Ihre EUV-Lithographiesparte?
Das Halbleitergeschäft erholt sich schneller, als man erwartet hat. Das wird in den nächsten Monaten anziehen, sodass es schon 2027 zu mehr Bestellungen kommen wird. Chiphersteller auf der ganzen Welt brauchen die EUV-Systeme. Der Grund liegt im starken Ausbau von KI. Es könnte sogar wieder zu einem Chipmangel kommen.
In einer Partnerschaft, zu der Sie den Laser beisteuern, haben Sie gemeinsam mit dem Optikspezialisten Zeiss und dem niederländischen Maschinenhersteller ASML eine Lithographieanlage zur Chipherstellung auf EUV-Basis entwickelt, die bislang keiner kopieren konnte. Nun gibt es Berichte, dass chinesische Unternehmen die Maschinen nachgebaut haben. Ist Ihre Monopolstellung gefährdet?
Was wir da gemeinsam geschaffen haben, das ist schon hohe Kunst. Die Entwicklung hat Jahre gedauert, fast ein Jahrzehnt, das kann man nicht so einfach kopieren. Aber irgendwann werden die Chinesen eine ähnliche Technik besitzen, das steht für mich außer Frage. Wir haben allerdings schon noch ein paare Jahre Zeit. Diesen Vorsprung müssen wir nutzen.
Ist die Handelspolitik der USA, die die Lieferung von EUV-Anlagen nach China verhindert, in diesem Zusammenhang kontraproduktiv?
Natürlich ist sie das. Schon allein deshalb, weil die Chinesen die Technologie nicht kaufen können, entwickeln sie einen ungeheuren Elan, um sie doch irgendwie zu bekommen. Das ist wie bei Kindern: Wenn Sie die Regeln zu streng machen, finden Kinder Wege, um diese Regeln zu umgehen. Es ist blanker Unsinn, zu glauben, dass ein Land eine Technologie nicht bekommen wird, wenn man sie durch protektionistische Maßnahmen zu verhindern versucht.
Also gibt es keinen endgültigen Schutz?
Der beste Schutz ist der technologische Vorsprung. Deshalb arbeiten wir ja auch schon an der nächsten Generation der EUV-Lithographie. Das ist wie mit dem Hasen und dem Igel: Wenn die Konkurrenten so weit sind, sind wir schon wieder weiter.
Trumpf hat im November angekündigt, gemeinsam mit Rohde & Schwarz Verteidigungswaffen auf Laserbasis herzustellen. Was ist der Stand des Projekts?
Wir sind mit Hochdruck dabei, die Strukturen aufzubauen, Mitarbeiter zu finden und Prozesse einzurichten. Der Laser muss angepasst und für das landgestützte Gerät tauglich gemacht werden. Das ist alles noch im Projektstatus, aber die Zusammenarbeit mit unserem Partner läuft gut. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir dafür drei Jahre brauchen werden.
Will Trumpf mit der Laserwaffe Verantwortung im Rahmen der Zeitenwende übernehmen – oder geht es primär um das Erschließen neuer Umsätze?
Es geht ganz klar um die Sicherheit unseres Landes und unseres Kontinents. Wir erleben eine völlig veränderte Sicherheitslage und sehen eine geschändete Ukraine. Wir hätten Putin nur einmal zuhören müssen, denn er hat schon vor einigen Jahren gesagt, was er zu tun gedenkt. Wir müssen die Bundeswehr wiederaufbauen und uns als Europäer verteidigen können. Wir sehen unser Engagement als Firma darum als gesellschaftliche Verpflichtung. Das Projekt bringt uns auch erst einmal keinen Umsatz, sondern wir müssen investieren.
Ist dem Unternehmen der Schritt schwergefallen?
Wir haben lange diskutiert. Im Gesellschafterkreis, im Vorstand, in der Belegschaft. Es hat ein klares Commitment von allen Beteiligten gebraucht. Unter den Gesellschaftern haben wir Kinder, die zwischen 18 und 38 Jahre alt sind. Es wäre ja möglich gewesen, dass sie die Sache ganz anders sehen, was aber nicht der Fall war. Sehr wichtig war mir, dass auch die übergroße Mehrheit der Mitarbeiter dahintersteht.
War das auch eine Form der „Politik des Gehörtwerdens“?
Ja, so etwas gegen den Willen der Mitarbeiter zu machen, wäre viel schwieriger geworden.
Im November hat es sich zum 20. Mal gejährt, dass Sie den Vorstandsvorsitz bei Trumpf übernommen haben. Wie viele Jahren machen Sie noch weiter?
Ich bin fit, und ich habe in meinem Kopf einen klaren Plan. Aber wir müssen hier noch ein bisschen was tun. Mein Vater hat mit 75 Jahren aufgehört (zu spät!), und ich bin erst 66.