Die Attacke der israelischen Luftwaffe auf das Hamas-Treffen in Katar facht das Misstrauen gegenüber den USA an. Noch im Mai war Donald Trump bei einem Besuch mit einem Luxusjet beschenkt worden. Das Verhältnis ändert sich jetzt
Im Mai bekam Donald Trump von Katars Emir Tamim bin Hamad al-Thani noch ein 400-Millionen-Dollar-Luxusflugzeug geschenkt
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Nach Israels Angriff auf ein Treffen der Hamas in Katar bleibt die Frage offen, wie sich die USA zu diesem Luftschlag verhalten haben. Donald Trump sah sich gezwungen, das Bombardement zu verurteilen. Schließlich unterhalten die USA in Katar ihre wichtigste und größte Militärbasis im Nahen Osten. Der US-Präsident behauptete sogar, die Kataris gewarnt zu haben. Sollte das zutreffen, wäre es nicht weniger als recht und billig gewesen. Doha hatte vor Wochen auch iranische Warnungen vor dem Angriff auf eine US-Basis weitergegeben, sodass die dort stationierten Soldaten in Sicherheit gebracht werden konnten.
Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani erklärt nun allerdings unumwunden, dass Warnungen, es gäbe einen israelischen Angriff, erst kurz nach den Bombenabwürfen eintrafen. Allein, dass die Amerikaner die Attacke nicht verhindert haben, dürfte das Misstrauen gegen sie auf der Arabischen Halbinsel nur weiter steigern. Dabei hatte der Emir Trump noch im Mai bei dessen Besuch einen Luxusjet geschenkt.
Israels Angriff erfolgte zu einem Zeitpunkt, als dort wieder einmal über einen Waffenstillstand in Gaza und die Freilassung von Geiseln gesprochen werden sollte. Damit dürfte endgültig geklärt sein, dass die Regierung von Benjamin Netanjahu an keinerlei Abkommen mehr interessiert ist. Nur wäre das die einzige Option, um die noch lebenden Geiseln nach Hause zu bringen.
Getrieben wird Netanjahu vor allem von seinen rechtsextremen Ministern Itamar Ben-Gvir, Bezalel Smotrich und Israel Katz, die gegen jede Form von Verhandlungen sind, stattdessen verlangen, den Gazastreifen vollständig zu zerstören und dessen Bevölkerung zu eliminieren oder zu deportieren. Insofern war es auch kein Zufall, dass die Bombardierung in Katar an dem Tag erfolgte, an dem die Einwohner von Gaza-Stadt – mehr als eine Million Menschen –aufgefordert wurden, sich in eine „humanitäre Zone“ im Süden des Gazastreifens zu begeben. Für die gegenwärtige israelische Regierung gibt es keine andere Perspektive als die der radikalen militärischen Lösung.
Katar hat Israel nie bedroht, geschweige denn je gegen Israel Krieg geführt
Die internationale Öffentlichkeit, inklusive engster Verbündeten Tel Avivs, ist nach wie vor geschockt und zeigt das auch. Mit dem Angriff auf das Golfemirat ist die Souveränität eines Landes brutal missachtet worden, das keine Grenzkonflikte mit Israel hat und – im Unterschied zu Syrien und dem Libanon – gegen Israel noch nie Krieg geführt hat.
Im Gegenteil, die Bereitschaft Katars, als Vermittler im Konflikt mit den Palästinensern zu dienen, kündet von der Bereitschaft, den israelischen Staat in die Region zu integrieren. Offensichtlich hat nun der Verstoß gegen Katars Souveränität, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen endlich veranlasst, Zahlungen der EU an Israels Regierung sofort und bis auf Weiteres einzustellen.
Tatsache ist, dass die israelische Rechtsregierung ihren erneuten schweren Verstoß gegen Regeln des Völkerrechts diesmal nicht als Erfolg verbuchen kann. Die diplomatischen Kollateralschäden sind einfach zu groß und flächendeckend. Es sind zwar Mitglieder der Hamas-Verhandlungsdelegation getötet worden, nicht aber der Hamas-Führung.