Trump vs. Papst Leo XIV.: Wo Trump recht hat

Ein guter Rat vom amerikanischen Vizepräsidenten? J. D. Vance sprang seinem Präsidenten mit der Aufforderung an Papst Leo bei: „Beschränken Sie sich auf Themen, die das Geschehen in der katholischen Kirche betreffen!“ Damit begleitete Vance die Mahnung Trumps, die dieser – illustriert mit KI-generierten Andachtsbildchen seiner Person – auf Truth Social wie folgt rausgehauen hatte: „Leo sollte sich als Papst zusammenreißen, seinen gesunden Menschenverstand einsetzen, aufhören, der radikalen Linken nach dem Mund zu reden und sich darauf konzentrieren, ein großer Papst zu sein, kein Politiker.“

Suggestiv übersetzt: Schuster, bleib bei deinem Leisten! Das könnte Vance, das könnte Trump so passen! Wo doch der Leisten, um den es geht, anstößigerweise auch Ethosfragen universaler Art umfasst, nicht nur das Klein-klein von Kirchturmsspitzenpolitik.

Als schwebe er über den Wassern

So will es jedenfalls das theologische Judiz egal welcher Couleur, von links bis rechts. Wie der „Ostblock“ einst vor Johannes Paul II. zitterte, als der polnische Papst die Religionsfreiheit zum politischen Sprengsatz werden ließ, so zittert die MAGA-Spitze vor Leo XIV., der als amerikanischer Papst die Warnung vor Allmachtsphantasien zum wählerstimmenkostenden Friedenspolitikum ausgestaltet.

Tatsächlich gibt es keine jenseitige „Botschaft des Evangeliums“, die machtpolitisch harmlos wäre, auch wenn Leo situativ den Eindruck erweckte, er schwebe über den Wassern: „Die Dinge, die ich sage, sind mit Sicherheit nicht als Angriffe auf irgendjemanden gedacht. Die Botschaft des Evangeliums ist sehr deutlich: Selig sind die, die Frieden stiften.“

Möchte er es nicht mehr gewesen sein?

Nun hatte Leo – soll man sagen: Gott sein Dank? – sehr wohl die US-Regierung direkt angegriffen, etwa als Trump drohte, im Irankonflikt eine „ganze Zivilisation“ auszulöschen und der Papst dies als „wirklich inakzeptabel“ und verurteilte. Trumps Rüpelrede bestätigt nur, dass die päpstliche Kritik ankam. Warum möchte Leo das in einem Moment der defensiven Rhetorik nicht mehr gewesen sein? Und warum legt er eine Eindeutigkeit des Evangeliums nahe, die es in der politischen Anwendung eben gerade nicht gibt?

Ganz abgesehen davon, dass der Text der Evangelien bei aller in Anspruch genommenen Deutlichkeit nicht etwa frei von gewaltförmigen Metaphern wäre, sind dessen päpstliche Auslegungen keine privilegierten Erkenntnisse des Politischen. Man erinnert sich an politisch unbedarfte heilige Worte. Die Kapitalismuskritik mancher Lehräußerungen beispielsweise war keinesfalls immer auf der Höhe einer differenzierten Reflexion, um es freundlich zu sagen.

Auch wo die kirchliche Lehre zu Krieg und Frieden politisch auf eine pazifistische Position festgelegt wird, wie es bei Leo mitunter den Anschein hat, bleiben die kirchlich entwickelten Kriterien vom gerechten und ungerechten Krieg unerwähnt. Vielleicht ist das ja auch der Einfall hinter Trumps Ausfall.

Source: faz.net