Trump gegen Iran: Chaos pur statt Regimewechsel

Wir befinden uns nun in der sechsten Woche des Krieges gegen den Iran. Was als „präzise, überwältigende Militäraktion“ gedacht war, um eine „unmittelbare nukleare Bedrohung“ zu beseitigen und das iranische Volk dazu zu bewegen, die Macht zu „übernehmen“, ist mittlerweile alles andere als präzise oder überwältigend.

Die Golfstaaten sind mit iranischen Vergeltungsschlägen überzogen, die Straße von Hormus ist gesperrt, und es gibt keine Anzeichen für einen Zusammenbruch des Regimes – weder durch militärische Schwächung noch durch eine Machtübernahme durch das Volk. Die Rettung von zwei abgestürzten US-Flugzeugbesatzungen wird über die tatsächlichen Umstände hinaus gefeiert, weil sonst rein gar nichts nach Plan verläuft.

Der Fehler ist, wie immer, eine Kombination aus Hybris und Ignoranz. Diese Schwachstellen des US-politischen Führungsstils werden durch die Besonderheiten des iranischen Regimes noch verschärft.

Zu Beginn eines Krieges entsteht oft eine kognitive Verzögerung: Die Tatsache, dass gefährliche Konflikte nicht schnell eingedämmt werden können, wird oft erst viel später begriffen. Diese gedankliche Verlangsamung dauert sogar noch länger an, wenn die Vereinigten Staaten beteiligt sind. Für manche bleibt es unvorstellbar, dass eine überlegene Militärmacht ihre Ziele nicht rasch erreichen und eine unterlegene Macht nicht sofort nachgeben würde. Oder dass Verbündete nicht in Reih und Glied treten und sich hinter den USA versammeln. Unvorstellbar ist es auch, dass die Folgen einer Militäraktion nicht nur auf die angegriffenen Gebiete und Völker beschränkt bleiben.

Das Vertrauen in den amerikanischen Willen trübt die Sicht

Jedoch ist keines der vorhergesagten Szenarien eingetreten. Der Konflikt verunsichert die Energiemärkte. Prognosen sagen bereits eine „seltene globale Wirtschaftskrise“ für den Fall eines langwierigen Krieges voraus. US-Präsident Donald Trump ist es nicht gelungen, Verbündete aus Europa und der Golfregion für eine Beteiligung an der Offensive oder an den Bemühungen zur Wiederöffnung der Straße von Hormus zu gewinnen. Und das iranische Regime bleibt weiterhin unbesiegt und verursacht steigende Kosten für das US-Militär.

Diese Fehleinschätzungen beruhen auf einem übermäßigen Vertrauen in die Macht des amerikanischen Willens. Die Kriegsbefürworter waren von der berauschenden Begeisterung für eine US-amerikanisch geprägte Welt erfasst. Der Krieg sei ein „generationsübergreifender Schritt“, schrieb die New York Post. Das Wall Street Journal erklärte, der Krieg „birgt Risiken, wie alle Kriege, aber er hat auch das Potenzial, den Nahen Osten zum Besseren zu verändern und zu einer sichereren Welt zu führen“.

Diejenigen, die Vorbehalte äußerten, dass diese Überzeugungen fehl am Platz seien, wurden aufgefordert, sich zusammenzureißen. „Ich bin fassungslos angesichts des unerbittlichen Pessimismus, den ich in vielen Kommentaren sehe“, sagte der Kolumnist der New York Times, Bret Stephens. „Wir befinden uns seit weniger als zwei Wochen in einem Krieg, der mit ziemlicher Sicherheit bis Ende des Monats vorbei sein wird.“ Liebe Leserin, lieber Leser, das war es nicht.

Und nun, da die anfängliche Verwirrung vorbei ist und wir alle auf dem Laufenden sind, dreht sich die Diskussion um einen Sumpf, um mögliche Auswege und um Maßnahmen, mit denen Trump sein Gesicht wahren und sich ohne Demütigung aus der Affäre ziehen kann. Die Frage ist nun nicht mehr, wie schnell das alles vorbei sein wird, sondern jene, die General David Petraeus 2003 im Zusammenhang mit dem Irakkrieg stellte: „Sagt mir, wie das endet?“

Die Fehler der US-Führung im Iran-Krieg

Was sich jetzt abzeichnet, ist die Tatsache, dass der Iran eine komplexe, vielschichtige Dynamik aufweist, die sich nicht auf die vereinfachende Erzählung reduzieren lässt, auf der der Kriegsbeginn basierte – dass nämlich ein schlechtes Regime durch systemischen Verfall geschwächt wird und sein Volk es zu Fall bringt, sobald seine Fundamente zu knirschen beginnen.

Der erste Fehler bestand darin, den Willen und die Fähigkeit des Iran zur asymmetrischen Kriegsführung zu unterschätzen. Das Land muss nicht über überwältigende militärische Kapazitäten verfügen, um den Golf lahmzulegen und zu destabilisieren. Nicht auf eine Weise, die dramatische Verwüstungen anrichtet oder zahlreiche zivile Opfer fordert – sondern auf eine Weise, die das normale Leben zum Erliegen bringt, Energieinfrastrukturen gefährdet, Volkswirtschaften ausbluten lässt und die Kosten des Krieges für die Verbündeten der USA und die gesamte Weltwirtschaft in die Höhe treibt. Eine Flut billiger Drohnen, kombiniert mit Raketen, die über Tage und Wochen hinweg abgefeuert wurden, hat dieses Ziel erreicht.

Der zweite Fehler bestand in der seltsamen Erwartung, dass der Iran seine wertvollste Waffe nicht einsetzen würde, nämlich die Meerenge von Hormus zu sperren und damit noch höhere Kosten für den Krieg zu verursachen. Selbst während des 12-tägigen Krieges im letzten Jahr wurde intern die Möglichkeit einer Sperrung der Meerenge angesprochen, und in Gesprächen mit katarischen Beamten zu dieser Zeit war die Hauptsorge, die mir gegenüber geäußert wurde, nicht die Raketen, die der Iran in Richtung Katar abgefeuert hatte, sondern die Gefahr einer Sperrung der Meerenge.

Die langwierige Eskalation ist immer noch unvorstellbar

Und der dritte Punkt betraf die Erwartungen an einen Volksaufstand – etwas, das aufgrund verschiedener Umstände nicht eingetreten ist: Zu den offensichtlichsten zählt der Wahnsinn, unter Bombenangriffen auf die Straße zu gehen. Sowie die Reaktion einer Regierung zu provozieren, die erst vor wenigen Monaten Demonstranten getötet hat.

Dazu kommt die Polarisierung einer ohnehin schon komplexen und vielfältigen öffentlichen Meinung angesichts eines Angriffs von außen, der selbst iranische Zivilisten tötet und zivile Infrastruktur trifft.

Doch all diese Fehleinschätzungen entspringen einem einzigen grundlegenden Irrtum: dem Unverständnis dafür, dass das iranische Regime – bei aller Kritik, die man an ihm üben mag – über eine enorme Leidensfähigkeit verfügt und zu einer langwierigen Eskalation fähig ist. Ohne ein klares Szenario für einen militärischen Sieg gegen eine Supermacht zu haben. Für das amerikanische Regime ist dieser Umstand jedoch immer noch unvorstellbar.

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