Trump gegen Anthropic: Wenn Willkür Vorrang vor ernsthafter KI-Politik hat

Donald Trump hat in seiner zweiten Amtszeit als amerikanischer Präsident wiederholt deutlich gemacht, dass Unternehmen nach seiner Pfeife zu tanzen haben. Er hat dem Chipkonzern Intel eine Beteiligung abgerungen und ihn damit teilweise zwangsverstaatlicht.

Er hat Intels Wettbewerber Nvidia den Verkauf von Chips in China nur unter der Bedingung erlaubt, dass die US-Regierung ein Viertel der damit erzielten Umsätze als eine Art Exportzoll bekommt. Er hat klargemacht, dass die kartellrechtliche Freigabe im Übernahmerennen um den Unterhaltungskonzern Warner Bros. Discovery, das gerade zugunsten von Paramount Skydance ausgegangen ist, nicht an ihm vorbeiführt.

Trump erwartet von Unternehmen totale Unterwürfigkeit, und üblicherweise bekommt er sie auch. Manche Wirtschaftslenker wie Apple-Chef Tim Cook sind so weit gegangen, ihm im Weißen Haus Geschenke aus Gold zu überreichen.

Das wohl krasseste Beispiel für Trumps Machtpolitik

Der Streit um den KI-Spezialisten Anthropic ist nun das bislang wohl krasseste Beispiel für Trumps Machtpolitik im Umgang mit Unternehmen. Es ist auch einer der wenigen Fälle, in denen er auf Widerstand gestoßen ist.

Anthropic hat sich in Verhandlungen mit dem Verteidigungsministerium geweigert, Restriktionen für den Einsatz seiner KI-Modelle zu lockern, und das reichte, um Trumps donnernden Zorn zu provozieren. Der Präsident wies alle Bundesbehörden an, von sofort an die KI-Modelle des Unternehmens nicht mehr zu nutzen.

Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte Anthropic gar zum Risiko für die nationale Sicherheit, was ihm zufolge heißt, dass andere Vertragspartner des Pentagons in keinerlei Form mehr mit dem Unternehmen zusammenarbeiten dürfen.

Anthropic will gegen Einstufung als Sicherheitsrisiko vorgehen

Es ist eine Sanktion, die eine enorme Tragweite haben könnte. Sie könnte Anthropic reihenweise Geschäftsbeziehungen kosten.

Anthropic will diese Einstufung als Sicherheitsrisiko nicht kampflos hinnehmen und mit juristischen Mitteln dagegen vorgehen. Aber allein dass die Trump-Regierung bereit ist, das Unternehmen so hart zu bestrafen, ist schwer zu fassen.

Sie nimmt in Kauf, einen ihrer größten nationalen Champions auf dem wohl wichtigsten Gebiet unserer Zeit in den Ruin zu treiben, und verzichtet freiwillig auf KI-Systeme, die als branchenführend gelten. Das ist ein ziemlich verqueres Verständnis von „America First“.

Darf Nvidia also bald nicht mehr in Anthropic investieren

Und wofür all das? Anthropic besteht darauf, dass seine KI-Modelle nicht für die Massenüberwachung von Amerikanern oder die Entwicklung vollständig autonomer Waffensysteme eingesetzt werden. Für Letzteres seien sie noch nicht zuverlässig genug, sagt das Unternehmen.

Es lässt recht tief blicken und ist beunruhigend, dass dies der Regierung zu weit geht, gerade in einer Zeit, in der die Einwanderungsbehörde ICE bei ihren Einsätzen zunehmend Überwachungstechnologien nutzt.

Anthropic-CEO Dario AmodeiAFP

Und sollte Anthropics Strafe so umgesetzt werden wie von Hegseth gewünscht, hätte das geradezu absurde Konsequenzen.

Es würde zum Beispiel bedeuten, dass Nvidia zwar seine KI-Chips nach China verkaufen, aber nicht mehr wie geplant in Anthropic investieren darf.

Sam Altman schnappt sich Pentagon-Auftrag

Die Eskalation um Anthropic hat eine Vorgeschichte. Der Trump-Regierung ist das Unternehmen schon länger suspekt und zu „woke“, unter anderem weil es sich für einen strengeren Kurs in der Regulierung von Künstlicher Intelligenz einsetzt, als sie ihn verfolgt.

Der Rivale Open AI positioniert sich ideologisch näher am Weißen Haus. Insofern kommt es nicht ganz überraschend, dass Open AI nur wenige Stunden, nachdem Anthropic die Zusammenarbeit aufgekündigt wurde, ein Abkommen mit dem Pentagon präsentierte.

Sam Altman, der Vorstandschef von Open AI, beteuert, ihm sei es gelungen, Sicherheitsprinzipien vertraglich verankern zu lassen, die den von Anthropic geforderten Konditionen zu ähneln scheinen. Aber vieles deutet darauf hin, dass die Vereinbarung mit dem Unternehmen hinter ChatGPT der Regierung mehr Schlupflöcher gewährt.

Vor wenigen Monaten hat Trump per Dekret die nationale KI-Initiative „Genesis Mission“ angekündigt, deren Ziel es sein soll, die „technologische Dominanz“ des Landes zu festigen. Mit ihrem unverhältnismäßigen Vorgehen gegen Anthropic hat sich seine Regierung nun aber selbst entlarvt: Im Zweifel hat Willkür Vorrang vor ernsthafter KI-Politik.

Und die Regierung ist für die Industrie, die sie doch angeblich fördern will, ein unzuverlässiger Partner. Auch Unternehmen wie Open AI, die sich heute in Trumps Gunst wähnen, sollte das eine Warnung sein.

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