US-Außenminister Rubio würde nur allzu gern den letzten Stoß setzen, um Kuba endlich zu „Fall“ zu bringen. Für ihn ist der sozialistische Karibikstaat nichts weiter als ein „Unfall der Geschichte“, allerdings einer, der sich hinzieht
Donald Trump würde sich über einen künftigen kubanischen Präsidenten Marco Rubio freuen
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Das Gespenst der Intervention ging nach dem 3. Januar auf Kuba um, dem völkerrechtswidrigen US-Angriff auf Venezuela. Es war US-Präsident Donald Trump, der die Spekulationen mit gewohnt großer Geste bediente. „Sie bekommen ihre ganze Unterstützung von Venezuela. … Es sieht so aus, als würde es einfach fallen“, so Trump über Kuba, und legte in den vergangenen Tagen mehrfach nach. Es werde „kein weiteres Öl oder Geld für Kuba gehen“, schrieb Trump auf seiner Onlineplattform Truth Social und riet der kubanischen Regierung zu einem Deal.
Wie der aussehen könnte, sagte der Mann im Weißen Haus aber nicht. Havanna reagierte schnell und gewohnt kämpferisch. Präsident Miguel Díaz-Canel kündigte an, sein Land werde sich „bis zum letzten Tropfen Blut“ verteidigen. Ob seine Armee soweit intakt ist, um die Insel effektiv gegen eine Invasion oder eine chirurgische Militäroperation wie in Caracas verteidigen zu können, ist aber alles andere als klar angesichts einer das Existenzielle tangierenden Wirtschaftskrise. Die hat die Insel je nach Quelle seit 2018, spätestens seit 2020 im Griff.
Die Ökonomie der Karibikinsel ist 2025 erneut geschrumpft. Nur Haiti ist laut Wirtschaftsdaten der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) in einem noch desolateren ökonomischen Zustand als Kuba. Dort prägen Abwanderung, Verfall, ebenso die Zunahme von Kriminalität und das Auftauchen erster organisierter Banden die Realität.
Das Ende venezolanischer Erdöllieferungen, das die USA mit ihrer Militärpräsenz vor der Küste Venezuelas durchsetzen können, trifft die Insel hart. Fakt ist, dass Venezuela in Spitzenzeiten rund 100.000 Barrel Öl pro Tag aus Venezuela im Austausch für die Dienste von bis zu 30.000 kubanischen Helfern erhielt. Als solche kamen in Betracht: Mediziner, Lehrer, Ingenieure wie Militärberater und Sicherheitskräfte.
32 Militärs wurden bei der US-Militäraktion am 3. Januar getötet, wie in der kubanischen Tageszeitung Granma berichtet wurde. In Kuba hat das Trauer, Erstaunen und Kritik ausgelöst, denn offiziell hieß es immer, dass Militärs in Venezuela nicht zugegen seien, allenfalls als Berater. Dass Kubaner direkt für den Schutz des venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro und seiner Frau Cilia Flores verantwortlich waren, hat der Regierung in Havanna den Vorwurf mangelnder Transparenz eingebracht.
Kuba kann sich Ölimporte auf dem freien Markt kaum leisten
Das Ausbleiben von Öllieferungen aus Caracas verschärft die latente Energiekrise auf der Insel. „Auch wenn im Jahr 2025 die tägliche Liefermenge schon auf rund 10.000 Barrel gesunken ist“, so Omar Everleny Pérez, Sozialwissenschaftler und Analyst aus Havanna. Fehlendes Öl könnte die seit Monaten obligatorischen Stromsperren von wenigen Stunden in Havanna und bis zu 21 Stunden in Cárdenas, einer Hafenstadt nahe der Tourismus-Drehscheibe Varadero, weiter verlängern.
Der latente Strommangel sorgt auch für ein Absinken der ökonomischen Produktivität. Da die Insel international hoch verschuldet ist, kann sie sich Ölimporte auf dem freien Markt kaum leisten, skizziert Pérez die schwierige Situation. Zudem zeigten zuletzt selbst befreundete Nationen wie Mexiko, Russland, Iran, China oder Vietnam wenig Lust, die marode Inselökonomie zu stützen, die immer öfter „als Fass ohne Boden“ bezeichnet wird.
Rubio wird auf „Truth Social“ als kommender Präsident Kubas gehandelt
Angesichts der markigen Worte aus Washington könnte sich das allerdings ändern – aus Solidarität oder auch aus geostrategischen Überlegungen. „Hinzu kommt, dass Ärzte aus Kuba in Mexiko, aber auch in Brasilien im Einsatz sind. Beides mit Kuba befreundete Nationen, die den USA nicht Beifall klatschen und zumindest partiell in die Bresche springen könnten“, meint Pérez. Er rät freilich seit Jahren auch zu Reformen, um die schwindsüchtige Inselökonomie wieder anzukurbeln. Das ist alternativlos und ergibt angesichts der US-Haltung viel Sinn.
Für Donald Trump und Marco Rubio scheint beschlossene Sache, dass der kubanische Apfel wie 1823 von James Monroe prophezeit in den amerikanischen Schoß fallen muss. Dabei würden die USA wohl mit weiteren Sanktionen gegen die seit 1962 mit einem Handelsembargo belegte „rote Insel“ nachhelfen. Doch das Arsenal scheint ausgereizt. Die Daumenschrauben sind auf ein historisch beispielloses Maß angezogen, und mitverantwortlich dafür war Marco Rubio, Sohn kubanischer Migranten, die 1956 in die USA einwanderten. Der US-Außenminister bezeichnet die kubanische Revolution gern als „Unfall der Geschichte“.
Rubio wird auf dem Präsidenten-Kanal Truth Social bereits als kommender Präsident Kubas gehandelt. Trumps Kommentar dazu lautete: „Klingt gut für mich!“ Soweit muss es nicht kommen, aber dazu braucht es einen Sinneswandel in Havanna – die zentralisierte Planwirtschaft wird es nicht richten.