Trotz Ermittlungen – Gröner will weitere Bauprojekte umtopfen


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Stand: 12.03.2026 • 14:53 Uhr

In der Krise um die Firmengruppe des Immobilienunternehmers Gröner ermittelt die Staatsanwaltschaft Leipzig wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung – betroffen ist neben Gröner auch Kanzleramtschef Pofalla. Beide planen weitere Projekte.

Von Tom Fugmann und Marcel Siepmann, MDR

Dort, wo eine Baustelle in der Münchener Freischützstraße brach liegt, pulsierte einst das Leben. Der Gebäudekomplex sollte für Wohnungen, eine Arztpraxis und eine Stadtsparkasse saniert und modernisiert werden. Im September 2022 beginnen die Bauarbeiten unter der CG Johanniskirchen PropCo UG – eine der vielen Tochterfirmen der Gröner Group, geführt durch den Immobilienunternehmer Christoph Gröner.

Als Generalunternehmer wurde das Bauunternehmen Dobler beauftragt. Schon bei der ersten Abschlagsrechnung habe es jedoch Probleme gegeben, sagt Geschäftsführer Peter Leo Dobler. Auch die zweite und die dritte Rechnung seien nicht bezahlt worden. Nach viel Schriftverkehr kündigt er den Vertrag mit der Gröner-Firma im Februar 2023. Für geleistete Arbeiten und den entgangenen Gewinn schreibt Dobler eine Rechnung von 2,2 Millionen Euro.

Mehr als ein Jahr später, im April 2024, erkennt Gröner Schulden in Höhe von 1,7 Millionen Euro bei der Firma Dobler an. Das bestätigt er mit seiner Unterschrift bei einem Berliner Notar. Sein damaliger Co-Geschäftsführer unterschreibt ebenfalls. Dabei handelt es sich um Angela Merkels ehemaligen Kanzleramtschef Ronald Pofalla. Seine Unterschrift macht Eindruck auf Bauunternehmer Dobler: „Solche Unterschriften, da denkt man im ersten Moment, ja okay, dann hat es vielleicht eine Tragfähigkeit, weil die ja auch in dem Unternehmen Gröner beschäftigt waren.“ Seit 2022 ist Pofalla als Manager bei Gröners Immobilienunternehmen. Er begleitet Gröner zu wichtigen Terminen, arbeitet in der Geschäftsführung und im Vorstand.

Gröner und Pofalla im Visier der Staatsanwaltschaft

Trotz Pofallas und Gröners beglaubigter Zusage von April 2024, bleiben die Schulden bei Doblers Bauunternehmen unbeglichen. Mittel des Projektfinanzierers hätten gefehlt, schreibt uns der Anwalt von Christoph Gröner. Wieso kam selbst nach der Abgabe des Schuldanerkenntnisses kein Geld von der Gröner-Seite? Hierzu schreibt er: „Eine Zahlung konnte aufgrund der durch den Insolvenzfremdantrag des Emerald Fund ausgelösten Insolvenz der Gröner Group GmbH nicht mehr erfolgen.“ Der Antrag des Emerald Fund kam sechs Monate später, im Oktober 2024. Der Emerald Fund war mit über 83 Millionen Euro Investment einer der größten Geldgeber und verlangte damals Kredite zurück.

Im Mai 2025 eröffnet das Amtsgericht Leipzig das Insolvenzverfahren gegen die Gröner Group GmbH. Dem MDR liegt ein vertraulicher Bericht des Insolvenzverwalters vom August 2025 vor. Daraus geht hervor, dass Gläubiger Forderungen von insgesamt 996 Millionen Euro angemeldet hatten. Gröners Anwalt zweifelt diese Höhe an und verweist auf Bürgschaftsforderungen, die darin enthalten seien. Die Gröner Group hatte Bürgschaften für Tochterunternehmen übernommen.

Im Dezember 2024 hat die Staatsanwaltschaft Leipzig die Büroräume der Gröner Group wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und auf Veruntreuung von Arbeitsentgelt durchsuchen lassen. Pofalla war bis Juli 2024 Geschäftsführer. Auch gegen ihn wird wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung ermittelt. Pofalla äußert sich auf wiederholte Anfragen nicht. Gröners Anwalt schreibt, die Ermittlungen entbehren jeder Grundlage.

Ex-Politiker direkt beschäftigt

Pofalla ist nicht der erste Ex-Politiker, zu dem der umtriebige Bauunternehmer Gröner eine Geschäftsbeziehung aufbaut. 2021 stellt er den Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder als Berater ein. Doch der verliert seinen Posten schnell wieder, als er sich nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs nicht von Wladimir Putin distanzieren wollte. Daraufhin folgen der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident und EU-Kommissar Günther Oettinger mit einem Posten im Aufsichtsrat und eben Pofalla, der in der Geschäftsführung und im Vorstand arbeitet.

Der Wirtschaftswissenschaftler Leonhard Dobusch von der Universität Innsbruck analysiert seit der Finanzkrise 2008 die Immobilienbranche. Dobusch nennt für die Verpflichtungen von Politikern mögliche Gründe, die über eine rein berufliche Qualifikation hinausgehen. „Die haben noch ein Telefonbuch am Handy, die auch Kontakte spielen lassen können oder die auch einfach für Legitimation, für Glaubwürdigkeit sorgen.“ Als weiterer Kontakt in die Politik tritt dann auch Pofalla dem Unternehmen bei.

Firmenanteile wenige Monate vor Insolvenz abgestoßen

Wenige Monate vor der Insolvenz legte Pofalla den Posten als Geschäftsführer bei der Gröner Group nieder. Inzwischen sitzt er im Vorstand der CGRE AG und ecobuilding AG. Für letztere verbreitet Pofalla in einem Video im Mai 2025 auf LinkedIn Optimismus und berichtet von der Polis, einer Immobilienmesse in Nordrhein-Westfalen. „Wir haben neue Kontakte zu neuen Geschäftspartnern aufnehmen können und sind mit der Messe sehr zufrieden.“

Was es mit den neuen Firmen auf sich hat, erklärt Pofalla in einer E-Mail an den Karlsruher Oberbürgermeister im November 2024, die MDR Investigativ vorliegt: „Aus den umfangreichen Umstrukturierungsmaßnahmen, die in den vergangenen Monaten und Jahren bei der Gröner Group GmbH durchgeführt wurden, sind die ecobuilding AG und die CG Group GmbH hervorgegangen.“ Dadurch könne der Geschäftsbetrieb weiterlaufen.

Geschäfte Gröners laufen weiter

Aus dem vertraulichen Gutachten vom August 2025 geht hervor, dass der Insolvenzverwalter Teile der Umstrukturierungen kritisiert. Wenige Monate vor der Insolvenz hatte die Gröner Group wesentliche Anteile direkt oder indirekt auf die CG Group übertragen. Insgesamt 123 Gläubiger hatten über 996 Millionen Euro an Forderungen angemeldet. Es liege nahe, dass die Umstrukturierungen zu deren Nachteil geschehen sei, vermutet der Insolvenzverwalter in seinem Bericht.

Der Anwalt von Gröner sagt, die Umstrukturierung habe nichts mit der Insolvenz zu tun. Die Gläubiger seien durch Grundschulden abgesichert.

Gröner und Pofalla wollen weitere Bauprojekte umsetzen. Die Gröner-Firma CGRE AG soll mindestens 30 Millionen Euro von einem österreichischen Investor erhalten haben. Dass die Geschäfte Gröners weiterlaufen, während er weiterhin auf sein Geld wartet, erstaunt auch Bauunternehmer Peter Dobler. „Mich wundert es einfach nur stark, weil, auf der einen Seite ist der Herr Gröner nach wie vor unterwegs. Er baut ja eigentlich neue Firmenkonstrukte wieder auf. Das ist für mich schon die erste Frage, wie so was funktionieren kann.“ Doblers zweite Frage ist, wieso Gröner dabei die Unterstützung namhafter Personen wie Ronald Pofalla habe.

Mehr zum Thema sehen Sie in der ARD Mediathek: FAKT – Christoph Gröner und sein Immobilienimperium.

Source: tagesschau.de