Philipp Navratil räumt im Hause Nestlé weiter auf. Der Schweizer, der seit September an der Spitze des größten Lebensmittelkonzerns der Welt steht, hat angekündigt, das breite Portfolio der Gruppe frei von Sentimentalität anzuschauen und gegebenenfalls auszumisten. Zu dieser Ansage passt der Verkauf der amerikanischen Kaffeehauskette Blue Bottle Coffee, den Nestlé am Donnerstag bekannt gegeben hat. Käufer ist der Finanzinvestor Centurium Capital Partners, der auch bei der chinesischen Kaffeekette Luckin Coffee engagiert ist.
Unter der Führung von Navratils Vorvorgänger Ulf Mark Schneider wurde Blue Bottle im Jahr 2017 mehrheitlich übernommen. Der Kaufpreis für 68 Prozent der Firmenanteile betrug seinerzeit 425 Millionen Dollar. Doch die Hoffnungen, die mit diesem stolzen Preis verbunden waren, erfüllten sich nicht. Die auf teure Kaffeespezialitäten fokussierte Kette soll zuletzt mit einem Jahresumsatz von 250 Millionen Dollar defizitär gewesen sein, wird in der Branche kolportiert.
„Kaffee war der Star“
Mit der Entwicklung im sonstigen Kaffeegeschäft, das Nestlé mit seinen Hauptmarken Nescafé, Nespresso und Dolce Gusto betreibt, ist Navratil indessen hochzufrieden: „Kaffee war der Star“, sagte er mit Blick auf den Verlauf im ersten Quartal 2026. In dieser Zeit kletterte der Umsatz im Kaffeegeschäft organisch um 9,3 Prozent. Im gesamten Konzern betrug das organische Wachstum 3,5 Prozent. Dieses Plus kam zu zwei Dritteln durch höhere Preise und zu einem Drittel durch höhere Verkaufsmengen zustande. Weil das Wachstum höher war als von Analysten erwartet, kletterte der Nestlé-Aktienkurs im Verlauf des Donnerstags um sechs Prozent auf 80,10 Franken.
Die Erwartungen im Markt waren nicht zuletzt deshalb verhaltener, weil Nestlé im ersten Quartal den groß angelegten Rückruf von Babymilchprodukten zu verdauen hatte. Dieser war durch die Verarbeitung einer toxischen Zutat eines Lieferanten notwendig geworden. Der Vorfall verringerte den Umsatz um 0,9 Prozentpunkte. Etwa die Hälfte davon resultierte aus Rückgaben und vorübergehenden Lieferengpässen. Außerdem hielten sich die Verbraucher wegen der Schlagzeilen um die kontaminierten Produkte zurück. „Wir sehen jedoch bereits erste Anzeichen einer Verbesserung und erwarten eine vollständige Erholung bis zum Jahresende“, sagte die Finanzchefin Anna Manz.
Als Folge des starken Schweizer Frankens sank der ausgewiesene Konzernumsatz um 5,7 Prozent auf 21,3 Milliarden Franken. Trotz der Nahostkrise hält der Vorstand an der Prognose fest, den Umsatz in diesem Jahr organisch um drei bis vier Prozent zu erhöhen.