Die Zahl der Baugenehmigungen ist deutlich angestiegen. Doch die Folgen des Iran-Kriegs drohen die Trendumkehr auf dem Wohnungsmarkt abzuwürgen.
Der positive Trend bei den Baugenehmigungen hat sich zu Beginn des Jahres verstärkt: Laut dem Statistischen Bundesamt in Wiesbaden haben die Behörden im Januar und Februar grünes Licht für den Bau von 41.700 Wohnungen in Deutschland gegeben. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von rund 16 Prozent. Im Februar wurde mit 22.200 Wohnungen sogar fast ein Viertel mehr genehmigt als im Vorjahr.
Damit scheint sich ein Trend zu verstärken, der sich bereits 2025 abgezeichnet hat: Im vergangenen Jahr wurden erstmals seit drei Jahren wieder mehr neue Wohnungen genehmigt.
1,4 Millionen Wohnungen fehlen
Ein positives Signal, denn in Deutschland wird zusätzlicher Wohnraum dringend gebraucht: Nach einer Auswertung des privaten Forschungs- und Beratungsinstituts Pestel fehlen derzeit rund 1,4 Millionen Wohnungen in Deutschland. „Um das Wohnungsdefizit bis 2030 abzubauen, müssten gut 400.000 Wohnungen pro Jahr neu gebaut werden“, sagt der Studienleiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther.
Die Folgen der Corona-Pandemie und des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine hatten die Bauwirtschaft aufgrund von Materialmangel und massiv gestiegenen Baukosten belastet, die Baugenehmigungen brachen ein.
Nicht mehr als ein Hoffnungsschimmer
Etwas ähnliches könnte durch den Iran-Krieg drohen. Der Krieg und die Sperrung der für den Welthandel so wichtigen Meerenge vor der Küste des Irans, der Straße von Hormus, hat die Energiepreise rasant steigen lassen, was die Inflation nach oben treibt und erneut den Materialmangel verschärft.
Für den Spitzenverband der Immobilienwirtschaft ist die deutlich gestiegene Zahl der Baugenehmigungen denn auch nur ein vorsichtiger Hoffnungsschimmer: „Es bleibt die Frage, wie tragfähig der Aufschwung ist“, sagt die Hauptgeschäftsführerin des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA), Aygül Özkan.
Pessimismus nimmt zu
Das fragen sich offenbar viele in der Bauwirtschaft. Das Münchner ifo-Institut hat ermittelt, dass sich die Stimmung in der Wohnungsbau-Wirtschaft im März wieder verschlechtert hat – nach einer Aufhellung im Januar und im Februar dieses Jahres.
Zwar wurde die aktuelle Lage im März besser beurteilt, aber die Geschäftserwartungen seien merklich pessimistischer, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen: „Die Sorge vor wieder steigenden Zinsen belastet die Erwartungen im Wohnungsbau.“ Denn höhere Zinsen verteuern den Bau und den Kauf.
Preise steigen
Durch den Iran-Krieg und die wochenlange Blockade der Straße von Hormus könnten die Notenbanken gezwungen werden, die Leitzinsen zu erhöhen – um die Inflation zu bekämpfen. Erst gestern hatte etwa die europäische Statistikbehörde bekannt gegeben, dass die Inflation in der Eurozone im März sprunghaft angestiegen ist, auf 2,6 Prozent. Im Februar hatte sie noch bei 1,9 Prozent gelegen und damit sogar unter den zwei Prozent Inflation, die die Notenbanken anstreben.
Sollten Zinsen und Materialmangel die Bauambitionen hierzulande wieder bremsen, könnte das die Wohnungs-Wende gefährden. Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe, betont, selbst die deutlich gestiegene Zahl der Wohnungsgenehmigungen im Februar sei zu niedrig: „Es müssten mindestens 30.000 Genehmigungen im Monat sein.“ So sei die Wohnungskrise nicht zu lösen. Zumal auf die Genehmigung noch der Bau folgen muss.
Source: tagesschau.de