Transporte aufwärts Tiefstand: Binnenschiffe halten unsrige Wirtschaft jenseits Wasser

Auf deutschen Flüssen und Kanälen wurde im Jahr 2025 so wenig transportiert wie nie seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990. Binnenschiffe bewegten Güter mit einer Masse von 171,6 Millionen Tonnen, das waren 1,3 Prozent weniger als im Jahr davor. Geladen haben die Frachter vor allem Ölprodukte und Schüttgut. Diese schweren und volumenreichen Waren lassen sich am besten per Schiff transportieren und machen knapp die Hälfte des Transportaufkommens aus. Container dagegen haben nur einen Anteil von zehn Prozent an den Transporten.

Mit einer Menge von 27,8 Millionen Tonnen waren flüssige Mineralölerzeugnisse die größte Warengruppe. Dazu gehören Heizöl, Diesel oder Benzin. Weitere wichtige Warengruppen waren Steine und Erden, Eisenerze, sowie Kohle.

Das Statistische Bundesamt erfasst Beladungen und Entladungen von Schiffen mit einer Tragfähigkeit von mindestens 50 Tonnen, die einen deutschen Binnenhafen anlaufen oder an einem solchen starten. Die Statistiker führen den Rückgang der Transporte in erster Linie auf den gesunkenen Güterversand ins Ausland zurück.

Die exportierte Menge sank im Jahr 2025 um 4,8 Prozent auf etwas mehr als 41 Millionen Tonnen. Auch der Transitverkehr verringerte sich um mehr als fünf Prozent auf 10,7 Millionen Tonnen. Die Einfuhren per Binnenschiff sanken dagegen nur leicht auf 77 Millionen Tonnen. Stabil blieb der innerdeutsche Warenverkehr mit einer Masse von knapp 43 Millionen Tonnen.

Die meisten Transporte fahren unter niederländischer Flagge

Flüsse und Kanäle verbinden die deutsche Wirtschaft mit den Weltmärkten. Über die Wasserstraßen können Fabriken, Kraftwerke oder Tankstellen bis tief im Landesinneren mit Rohstoffen versorgt werden. Und für Exportunternehmen ermöglichen Binnenschiffe die Verbindung zu den Seehäfen. Besonders wichtig für Deutschlands internationale Anbindung ist der Verkehr mit den großen Seehäfen von Antwerpen, Rotterdam sowie Amsterdam. Logistiker bezeichnen diese als ARA-Häfen.

Europas größte Kanalbrücke bei Magdeburg wurde 2025 für eine turnusmäßige Wartung trocken gelegt.dpa

Auf diese drei Häfen entfielen mehr als 71 Prozent der gut 118 Millionen Tonnen im Binnenschiffsverkehr mit dem Ausland. Allein zwischen dem Hafen Rotterdam und Deutschland wurden über 57 Millionen Tonnen transportiert. Mehr als die Hälfte aller Transporte bewältigen die Binnenschiffe unter niederländischer Flagge. Schiffe unter deutscher Flagge hatten nur einen Anteil von knapp einem Drittel am Transportaufkommen.

Das dichte Netz der Wasserstraßen bildet unverzichtbare Lebensadern für Deutschlands Wirtschaft und Gesellschaft. Die historisch gewachsene Infrastruktur aus Häfen, Kanälen, Schleusen und Brücken ist ziemlich in die Jahre gekommen und anfällig für Störungen. Als ein mit Metallschrott für Luxemburger Stahlwerke beladener Frachter mit dem Tor einer Moselschleuse bei Müden kollidierte, kam der Schiffsverkehr auf dem ganzen Fluss zum Stillstand, weil die betroffene Schleuse nur eine Kammer hatte. Nach der Kollision im Dezember 2024 öffnete die Wasserstraße erst Anfang Februar 2025 wieder.

Die Havarie führte über den Sachschaden an der Schleuse hinaus zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden, da Binnenschiffe laut dem Jahresbericht der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) jährlich acht bis neun Millionen Tonnen Güter über die Mosel und Saar transportieren.

Neben Unfällen wie an der Mosel oder dem Einsturz einer Elbbrücke in Dresden beeinträchtigen auch Hochwasser und Niedrigwasser die Binnenschifffahrt. Wenn zum Beispiel der Rhein wegen Trockenheit zu wenig Wasser führt, können manchmal nur Spezialschiffe mit wenig Tiefgang fahren.

Zuweilen zwingen auch planmäßige Wartungen die Binnenschifffahrt zum vorübergehenden Stillstand. So musste laut WSV-Jahresbericht Europas größte Kanalbrücke bei Magdeburg vom 31. März bis 21. Mai 2025 für eine turnusmäßige Überprüfung trocken gelegt werden. Das beeindruckende Bauwerk führt den Mittellandkanal über die Elbe und wurde im Jahr 2003 in Betrieb genommen. Die letzte Trockenlegung fand im Jahr 2008 statt. Die Anlage gehört zum Wasserstraßenkreuz Magdeburg und ist ein zentrales Bindeglied für die Binnenschifffahrt.

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