Traditionsbetrieb ist Zahlungsunfähig: Zulieferer Erich Jaeger aus Friedberg stellt Insolvenzantrag

Wegen Zahlungsunfähigkeit hat die Erich Jaeger GmbH am 1. April einen Antrag auf Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens gestellt. Darüber informierte die Muttergesellschaft Ad Capital AG in einer Ad-hoc-Mitteilung vom gleichen Tag.

Grund für den Insolvenzantrag ist laut Ad Capital ein stark durch geopolitische Entwicklungen bedingter Umsatzrückgang. Die Geschäfte von Erich Jaeger würden vorerst fortgeführt, während ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt werde, um das weitere Vorgehen abzustimmen. Das Amtsgericht Friedberg hat den Rechtsanwalt Jan Markus Plathner von der Kanzlei Brinkmann & Partner zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

In einer nach Anfrage der F.A.Z. verschickten Pressemitteilung vom 14. April erklärt Plathner: „Unser Fokus liegt zunächst auf der Stabilisierung des Geschäftsbetriebs und der Lieferfähigkeit. Parallel schaffen wir Transparenz über die wirtschaftliche Situation und prüfen Sanierungsoptionen.“ Ziel sei es, im Rahmen eines strukturierten Prozesses zeitnah eine Investorenlösung für die Unternehmensgruppe oder Teile davon zu realisieren.

Der Geschäftsbetrieb von Erich Jaeger laufe an allen Standorten weiter. Erste Gespräche mit wesentlichen Kunden aus der Autoindustrie, Lieferanten und weiteren Stakeholdern seien aufgenommen worden, um die operative Stabilität des Unternehmens sicherzustellen. Zur Sicherung der Löhne und Gehälter hat der vorläufige Insolvenzverwalter eine Vorfinanzierung von Insolvenzgeld in die Wege geleitet.

Automotive-Zulieferer Erich Jaeger wurde umfangreich reorganisiert

Trotz intensiver Restrukturierungsbemühungen war es laut der Mitteilung von Ad Capital nicht gelungen, die Zahlungsunfähigkeit des Tochterunternehmens abzuwenden. Im November 2025 hatte Erich Jaeger über eine Reorganisation informiert, die zum 1. Januar 2026 in Kraft getreten war.

Das Unternehmen mit Sitz in Friedberg in der Wetterau ist stark internationalisiert und beschäftigt 1000 Mitarbeiter an elf Standorten auf der Welt, davon 200 in Deutschland. Zu den Kunden gehören große Automarken wie Audi, BMW, Daimler, Ford, Opel, Renault, Škoda, Volkswagen oder Volvo, aber auch Hersteller von Nutzfahrzeugen und Traktoren wie AGCO Fendt, Claas, John Deere, MAN, Same Deutz Fahr, Solaris oder Tatra. Auch das Rüstungsunternehmen Rheinmetall bestellt bei Erich Jaeger, denn Produkte für Verteidigungsfahrzeuge gehören ebenfalls zum Programm. Der Jahresumsatz betrug zuletzt 77 Millionen Euro.

Das nach seinem Gründer Erich Jaeger benannte Unternehmen blickt auf eine fast 100-jährige Firmengeschichte zurück, die 1927 mit der Produktion von elektrischem Installationsmaterial in Bad Homburg begann. In den Wirtschaftswunderjahren nach dem Zweiten Weltkrieg richtete sich Erich Jaeger auf die Produktion von elektrischem Zubehör für die expandierende Motorrad- und Autoindustrie aus.

Nach der Übernahme durch die Industrieholding Ad Capital im Jahr 1998 erfolgte eine starke Internationalisierung, etwa mit der Gründung eines Hongkonger Joint Ventures mit Produktion im chinesischen Shenzhen, einer Tochterniederlassung in der Tschechischen Republik oder der Eröffnung von Repräsentanzen und Vertriebsgesellschaften in Frankreich, Italien und Polen. Weitere Standorte entstanden in den USA und Mexiko.

Zur Industrieholding Ad Capital gehören neben Erich Jaeger der Elektronikproduzent BDT Bavaria Digital Technik aus Pfronten und der Werkzeughersteller Opus Formenbau aus Schönau. Der Aktienkurs der börsennotierten Ad Capital ist Anfang April nach dem Insolvenzantrag von Erich Jaeger eingebrochen. Für das Geschäftsjahr 2025 hatte Ad Capital im November die Prognose nach unten korrigiert und einen niedrigeren Umsatz von 154 bis 160 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Schon damals stand die Prognose unter dem Vorbehalt eines schwierigen geopolitischen Marktumfelds mit unvorhersehbaren Einflussfaktoren.

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