Tourismus: Der große Urlaub gehört z. Hd. die Deutschen zum Jahr dazu

Urlaub muss sein – so denken die Menschen in Deutschlandoffenbar über Reisen. 76 Prozent planen trotz eingetrübter Konjunktur sicher, in diesem Jahr für fünf oder mehr Tage wegzufahren, 43 Prozent haben das Ziel schon verbindlich festgelegt. Das haben die Wissenschaftler der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) ermittelt. Nur jeder Zehnte schließt einen größeren Urlaub für sich in diesem Jahr aus. Vor der Reisemesse ITB, die am kommenden Dienstag in Berlin eröffnet, geben die Urlaubsforscher für die Branche ein Zeichen der Entwarnung: „Die Urlaubsnachfrage scheint weitestgehend entkoppelt von der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland“, sagte FUR-Tourismusfachmann Ulf Sonntag am Freitag.

Im vergangenen Jahr hatten Urlauber 91,7 Milliarden Euro für Reisen mit mindestens fünf Tagen Dauer ausgegeben, dazu kamen 36,5 Milliarden Euro für Kurz- und Wochenendreisen. Für die Haupturlaube wurde damit ein Rekord erreicht. „Der lässt sich mit Preissteigerungen erklären, aber auch damit, dass es viele Bevölkerungsschichten gibt, die sich Urlaub leisten können und gern dafür Geld ausgeben“, sagte Sonntag.

Urlauber gäben etwas mehr als sieben Prozent ihres Haushaltsnettoeinkommens im Jahr für schöne Ferien aus. Das entspricht fast den Einkünften eines Monats. Diese Zahlungsbereitschaft für Reisen ist nach FUR-Daten seit mehr als 15 Jahren nahezu konstant – mit Ausnahme der Corona-Jahre, in denen erst viele Bürger daheimblieben und dann Reisen nachholten. „Es droht kein Ungemach, dass die Reisebranche einen Teil der Bevölkerung als Kunden verliert“, prognostizierte Sonntag.

Haupturlaub bleibt, gespart wird am Zusatzurlaub

Diese Sorge hatte mancher Manager von Reiseanbietern hinter den Kulissen schon formuliert, zumal Pauschalreisen in der Spitze 40 Prozent mehr kosten als vor der Pandemie. Im vergangenen Jahr hatten Anbieter eine regelrechte Schlacht mit Last-Minute-Aktionen angefacht, da nach einer starken Frühbucherphase das Geschäft lahmte. Letztlich wurde erfolgreich um Kurzentschlossene geworben, mancher vorherige Preisaufschlag der Reiseveranstalter wurde durch die Rabatte faktisch zurückgenommen, zumal auch Fluggesellschaften und Hotels zu Nachlässen bereit waren, um freie Sitze und Zimmer zu füllen.

Auch wenn auf den großen Urlaub im Jahr nicht verzichtet wird – die Preiserhöhungen vergangener Jahre und ein skeptischer Blick der Kunden auf die allgemeine Wirtschaftslage bleiben für Reiseanbieter nicht folgenlos. Die Zahl der Bürger, die mindestens eine längere Urlaubsreise antreten, liegt mit 57,1 Millionen so hoch wie nie zuvor. Die Zahl der Reisen über fünf oder mehr Tage bleibt mit 67,1 Millionen aber hinter Vor-Corona-Werten zurück. Damals waren mehr als 70 Millionen längere Urlaubstouren gezählt worden.

„Die Zahl der zusätzlichen Reisen geht zurück“, sagte Sonntag. Ein Teil der Bevölkerung spart sich somit einen zweiten großen Urlaub im Jahr, der einst noch gebucht wurde. Oder zusätzliche Reisen fallen kürzer aus, denn die Zahl der Kurz- und Wochenendtrips erreicht mit 91 Millionen den zweithöchsten je gemessenen Wert. „Da scheint sich etwas zu verschieben, von zusätzlichen großen Urlaubsreisen hin zu Kurzreisen“, sagte Sonntag.

Frühbucher entscheiden sich noch früher

Die deutsche Nummer zwei unter den Urlaubsanbietern, Dertour, sieht diverse Sparanstrengungen ihrer Kunden. Die Zahl der Urlauber, die die Monate Juli und August mit den höchsten Preisen meiden, steigt. „22 Prozent der Sommerurlaube finden jetzt im Spätsommer und Herbst statt. In diesem Jahr sehen wir zudem einen stark gebuchten Mai“, sagte Dertour-Chef Christoph Debus.

Zudem verfängt Werbung mit Rabatten stärker. Angebote rund um den „Black Friday“ Ende November haben dazu geführt, dass sich das Frühbuchergeschäft verschoben hat. „Statt des klassischen Buchungshochs im Januar könnten wir schon vor den Festtagen europaweit sehr hohe Buchungseingänge verzeichnen“, sagte Debus. Nach Angaben des Reisemarktforschers TDA blieben die Januarumsätze von Reisebüros und Onlineportalen sogar fünf Prozent hinter dem Vorjahresniveau zurück.

Da das Geschäft mit Sommerurlaubsbuchungen im November und Dezember aber frühere Werte übertroffen hatte, könne die Branche zum Auftakt der ITB ein Buchungsvolumen vorweisen, das die Vorjahressumme um sieben Prozent übertreffe. TDA-Marktforscherin Alexandra Weigand prognostiziert, dass Zuwächse um eine einstellige Prozentrate bis zum Ende der diesjährigen Sommersaison erhalten bleiben.

Die Länder rund um das Mittelmeer entwickeln derweil eine noch stärkere Anziehungskraft auf Urlauber aus Deutschland. Reiseforscher Sonntag sagte, er selbst habe in den Vor-Pandemie-Jahren, als 36 bis 38 Prozent aller Haupturlaube dorthin führten, nicht gedacht, dass sich dieser Anteil noch steigern lasse. Doch 2025 hätten 44 Prozent der Reisen in die Mittelmeeranrainerstaaten von Spanien über Griechenland und die Türkei bis Ägypten geführt. An Popularität eingebüßt haben hingegen Inlandsziele, zuletzt blieben nur noch 22 Prozent der Reisenden im Haupturlaub in Deutschland, einst waren es stets mehr als 25 Prozent.

Dieser Trend dürfte sich 2026 fortsetzen. Auf dem Pauschalreisemarkt belegt laut TDA-Zahlen zu schon eingegangenen Buchungen die Türkei Platz eins, vor Spanien und Griechenland. Türkei-Buchungen überstiegen den Vergleichswert aus dem Vorjahr um 12 Prozent. Gestiegen seien auch die Umsätze für Ägypten um 18 Prozent, für Tunesien um 19 Prozent und für Kreuzfahrten um 10 Prozent.

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