Tesla-Chef: Musks Parallelwelt

Tesla stellt Elektroautos her. Das könnte man manchmal vergessen. Wer Elon Musk jetzt bei der Vorlage von Geschäftszahlen zuhörte, konnte den Eindruck bekommen, sich in einer Parallelwelt zu befinden. Über die gegenwärtige Verfassung von Tesla war wenig zu hören, Musk sprach lieber über das, was er eine „epische Zukunft“ nannte. Und dabei soll Tesla natürlich eine große Rolle spielen.

Musk sagte, der humanoide Roboter Optimus, an dem Tesla gerade arbeitet, werde einmal so erfolgreich sein, dass er das amerikanische Bruttoinlandsprodukt anhebt. Und von dem Cybercab, einem Roboterauto ohne Pedale und Lenkrad, werde Tesla eines Tages mehr Exemplare verkaufen als von allen anderen Modellen zusammen.

Beide Produkte sind noch nicht einmal auf dem Markt. Musk verspricht, noch in diesem Jahr mit deren Produktion zu beginnen. Aber er hat solcherlei Prognosen zu oft nicht eingehalten, um sich darauf verlassen zu können.

Bislang ist er jedes Mal durchgekommen damit

Es ist schon bemerkenswert: Das Geschäft, mit dem Tesla noch immer den weit überwiegenden Teil seines Umsatzes erzielt, scheint Musk überhaupt nicht mehr zu interessieren. Und so ignoriert er auch weitgehend, wie schlecht sein Unternehmen im Moment dasteht.

Tesla blickt nach allen wesentlichen finanziellen Maßstäben auf ein miserables Jahr zurück. Die Verkaufszahlen sind zum zweiten Mal in Folge gesunken, in manchen Regionen wie der EU sind sie regelrecht abgestürzt. Auch der Gewinn ist dramatisch gefallen. Musk trägt dafür Mitverantwortung, mit seiner politischen Positionierung am rechten Rand hat er viele Kunden abgeschreckt.

Die Börse scheint ihm indessen nichts von alledem zu verübeln. Teslas Marktkapitalisierung von fast 1,4 Billionen Dollar steht in keinem Verhältnis zum derzeitigen Geschäft. Sie ist nur mit den Zukunftsphantasien zu erklären, über die Musk bei seinen Auftritten fabuliert.

Wie sehr ihm die Aktionäre und auch Teslas eigener Verwaltungsrat aus der Hand fressen, wurde erst unlängst deutlich, als ihm ein Gehaltspaket genehmigt wurde, das seinen Reichtum in ganz neue Dimensionen bringen könnte. Wem sonst außer Musk würde das inmitten eines katastrophalen Geschäftsquartals gelingen?

Es ist nur folgerichtig, dass Musk jetzt angekündigt hat, das Model S und das Model X einzustellen, die beiden derzeit ältesten Produkte von Tesla, die sich heute nur noch in geringen Stückzahlen verkaufen. Die Entscheidung hat reichlich Symbolik, sie ist wie ein Bruch mit der Vergangenheit.

Und genau das ist die Botschaft, die Musk auch zu verbreiten versucht. Auf die Vergangenheit und auch die trübe Gegenwart von Tesla kommt es nicht mehr an. Nur die „epische Zukunft“ zählt.

Dass sich Musks Vorhersagen ein ums andere Mal nicht bewahrheitet haben, lässt er unter den Tisch fallen – im Bewusstsein, dass er bislang noch jedes Mal damit durchgekommen ist.

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