Teheran sieht das andersVance: Waffenruhe mit Iran gilt nicht für Libanon
09.04.2026, 02:23 Uhr
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Kaum ist die Waffenruhe im Iran-Krieg verkündet, greift Israel im Libanon umso heftiger an. Teheran sieht das als Verstoß gegen die Abmachungen. US-Vizepräsident Vance spricht von einem Missverständnis.
US-Vizepräsident JD Vance warnt den Iran davor, die vereinbarte Waffenruhe wegen der israelischen Angriffe auf den Libanon scheitern zu lassen. Die USA hätten nie zugesagt, den Libanon in die Feuerpause einzubeziehen, sagte er zum Abschluss seiner Reise nach Budapest. Es habe in der Frage offenbar „ein Missverständnis“ gegeben.
„Ich glaube, die Iraner dachten, dass der Waffenstillstand den Libanon mit einschließt, und das war einfach nicht der Fall. Dieses Versprechen haben wir nie gegeben“, sagte Vance. Wenn die Iraner die Verhandlungen wegen dieser Frage scheitern ließen, sei es „letztlich ihre Entscheidung“, fügte er hinzu. Zugleich rief Vance den Iran auf, die Straße von Hormus wie zugesagt für Öltanker zu öffnen. Sollten die Iraner „ihren Teil der Abmachung brechen, dann werden sie ernsthafte Konsequenzen zu spüren bekommen“, drohte er.
Iran zweifelt am Sinn der Verhandlungen mit Washington
Vertreter der iranischen Führung sehen in den andauernden Angriffen Israels gegen die mit dem Iran verbündete Hisbollah-Miliz im Libanon einen Verstoß gegen die Vereinbarung mit den USA. Auch nach Angaben des Vermittlers Pakistan gilt die Feuerpause ausdrücklich auch für den Libanon.
Kurz vor den Äußerungen von Vance hatte der iranische Parlamentspräsident Mohammed-Bagher Ghalibaf die Sinnhaftigkeit der Verhandlungen mit den USA in Zweifel gezogen. Er warf Washington vor, noch vor Beginn der Verhandlungen ihre Zusagen gebrochen zu haben – dabei verwies er wieder auf den Libanon. Zudem beklagte er das Eindringen einer Drohne in den iranischen Luftraum, sowie dass dem Iran das Recht darauf verweigert werde, Uran anzureichern. „Daher machen Verhandlungen über eine bilaterale Waffenruhe auch keinen Sinn“, schrieb der ehemalige Militärkommandeur auf X. Er soll Berichten zufolge auch die Verhandlungen mit den USA in Islamabad führen. Für die USA soll Vance die Gespräche leiten.
Auch Irans Präsident Massud Peseschkian bezeichnete die israelischen Angriffe auf den Libanon als unvereinbar mit den Vereinbarungen zum Waffenstillstand. „Eine zentrale Bedingung war auch der Waffenstillstand im Libanon“, sagte er in einem Telefonat mit dem pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif. Er warnte, dass der Iran auf jeden Verstoß konsequent reagieren werde.
Bei massiven Luftangriffen Israels waren im Libanon nach Angaben des dortigen Gesundheitsministeriums am Mittwoch mindestens 180 Menschen ums Leben gekommen, Hunderte wurden verletzt. Vance sagte – mit der Einschränkung, dass er noch ausführlicher über die Lage unterrichtet werde – dass Israel seines Wissens angeboten habe, sich im Libanon „ein wenig zurückzuhalten“, weil sie sicherstellen wollten, dass die Verhandlungen erfolgreich verlaufen. Er führte nicht aus, wann Israel ein solches Angebot gemacht haben soll.
Source: n-tv.de