Donald Trump hat Tim Cook in dieser Woche ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk gemacht. Der US-Präsident hat in den Handelsgesprächen mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping vereinbart, dass die Importzölle, die bislang für Apple gelten, halbiert werden. Es handelt sich dabei um Zölle, die Trump verhängt hat, weil er China für die Fentanyl-Epidemie in den USA mitverantwortlich macht, sie sollen nun von zwanzig auf zehn Prozent reduziert werden.
Es ist eine willkommene Nachricht für den von Cook geführten Elektronikkonzern, der einen großen Teil seiner Geräte in China fertigen lässt. Die ohnehin verschmerzbare Belastung aus den gegenwärtigen Handelskonflikten könnte sich also noch weiter entschärfen. Auch andere Zölle, die Apple zeitweise drohten, wurden wieder ausgesetzt.
Somit kommt das Unternehmen bislang in Trumps zweiter Amtszeit recht glimpflich davon – wie auch schon in der ersten. Ähnlich wie damals hat Cook auch diesmal gewaltige Anstrengungen unternommen, um Trump milde zu stimmen. Er hat Investitionen von 600 Milliarden Dollar in den USA versprochen. Anfang August besuchte er den Präsidenten, der ihn in seiner ersten Amtszeit einmal “Tim Apple“ genannt hat, im Weißen Haus und brachte als Geschenk eine Glasplakette mit, die auf einem goldenen Sockel stand. Er sagte feierlich zu Trump, es handele sich um „24 Karat“.
Spekulationen um Nachfolgekandidaten
Am Samstag wird Tim Cook 65 Jahre alt. In einigen amerikanischen Unternehmen ist das die Grenze, bei deren Erreichen Vorstandschefs ihren Posten niederlegen. Bei Apple gibt es eine solche Vorschrift nicht. Gleichwohl wird in der Branche in jüngster Zeit verstärkt gefragt, wie lange Cook noch an der Apple-Spitze bleibt – und auch wer einmal sein Nachfolger wird. Cook ist zu einem Langzeitchef geworden, er führt das Unternehmen seit 2011. Er selbst hält sich mit Blick auf seine Pläne bedeckt, lässt aber keinerlei Amtsmüdigkeit erkennen.
2021, als er zehn Jahre im Amt war, sagte er in einem Podcast mit der Journalistin Kara Swisher, er sehe sich zwar keine weiteren zehn Jahre als Apple-Vorstandschef, aber sein Abschied sei noch nicht in Sicht. In einem Podcast mit Popstar Dua Lipa vor zwei Jahren sagte er, er werde noch „eine Weile“ bei Apple sein und könne sich sein Leben ohne Apple auch nicht vorstellen. Er fügte aber hinzu, es gebe einen „sehr detaillierten Nachfolgeplan“, etwa für den Fall, dass ihm etwas zustoße. Ihm sei es wichtig, eine unternehmensinterne Lösung zu finden, wenn er sich einmal verabschiede.
Es wird viel spekuliert, wer die besten Chancen haben könnte, Cook einmal zu beerben. Es gibt nicht allzu viele offensichtliche Nachfolger, zumal die meisten Manager in Apples Führungsriege schon um die 60 Jahre alt sind. Jeff Williams, der zwischenzeitlich als Kandidat galt und als Chief Operating Officer so etwas wie die Nummer zwei im Unternehmen war, hat seinen Posten im Juli niedergelegt.
Umso mehr richten sich daher die Blicke auf John Ternus, der als Senior Vice President für die Hardwareentwicklung und somit für alle elektronischen Geräte verantwortlich ist. Er ist erst 50 Jahre alt, und wie der gewöhnlich gut informierte Journalist Mark Gurman von der Nachrichtenagentur Bloomberg kürzlich schrieb, kristallisiert er sich mehr und mehr als Favorit heraus. Apple rückt ihn jedenfalls selbst zunehmend ins Rampenlicht. Bei der Vorstellung neuer iPhones im September hatte er einen prominenten Rednerplatz, und zum Verkaufsbeginn der Geräte einige Tage später zeigte er sich öffentlichkeitswirksam in einem Apple-Laden in London.
Ternus ist ein Apple-Veteran und seit 2001 im Unternehmen. Er war im Laufe der Jahre für die Produktentwicklung von Geräten wie dem iPad oder dem iPhone zuständig, 2013 übernahm er Verantwortung für das gesamte Hardwaregeschäft.
Kein traditioneller Ruhestand
Wann immer der Zeitpunkt für einen Führungswechsel kommt, muss das nicht bedeuten, dass Cook sich ganz von Apple verabschiedet. Im Podcast „Table Manners“ sagte er vor einigen Monaten, ihm schwebe kein Ruhestand nach der „traditionellen Definition“ vor, und er wolle in irgendeiner Form weiterarbeiten. Es wäre denkbar, dass er Apple als Vorsitzender des Verwaltungsrats verbunden bleibt. Arthur Levinson, der das Gremium bislang führt, ist 75 Jahre alt, und das ist nach internen Apple-Richtlinien die Höchstgrenze für alle Mitglieder des Verwaltungsrats.
Als Cook 2011 Vorstandschef wurde, trat er in enorm große Fußstapfen. Er wurde Nachfolger des legendären Apple-Mitgründers Steve Jobs, unter dem das Unternehmen bahnbrechende Produkte wie iPod, iPhone und iPad herausgebracht hatte. Cook ist seit 1998 bei Apple und wurde damals persönlich von Jobs angeworben. 2005 rückte er zum Chief Operating Officer auf, und bevor er dauerhaft Vorstandschef wurde, übernahm er diesen Posten schon mehrmals übergangsweise, während Jobs krankheitsbedingte Auszeiten nehmen musste. Cook hat oft erzählt, Jobs habe ihm mit auf den Weg gegeben, sich nicht ständig zu fragen: „Was würde Steve tun?“
Tatsächlich hat er dem Unternehmen seinen eigenen Stempel aufgedrückt. Gleichwohl wurde er an seinem Vorgänger gemessen und von der Frage verfolgt, ob es Apple unter ihm gelingen würde, ähnlich revolutionäre Produkte herauszubringen. In diesem Punkt ist seine Bilanz gemischt. Geräte wie die Digitaluhr Apple Watch und die Airpods-Kopfhörer verkaufen sich gut, ihre Umsätze kommen aber nicht an die erfolgreichsten Produkte aus der Jobs-Ära heran. Eine der jüngsten Neuheiten, die Computerbrille Vision Pro, stößt bislang auf schwache Resonanz, und zwischenzeitliche Pläne, ein Auto herauszubringen, wurden aufgegeben. Im Moment hat Apple auch auf der Softwareseite Schwierigkeiten. Geplante Anwendungen, bei denen Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt, haben sich verzögert.
Gleichwohl ist Cooks Amtszeit eine finanzielle Erfolgsgeschichte. Als er Vorstandschef wurde, hatte Apple einen Jahresumsatz von 108 Milliarden Dollar und wurde an der Börse mit rund 300 Milliarden Dollar bewertet. Für das gerade abgelaufene Geschäftsjahr hat der Konzern einen Umsatz von 416 Milliarden ausgewiesen, die Marktkapitalisierung hat vor wenigen Tagen die Schwelle von vier Billionen Dollar überschritten.
Neben der Hardware hat Cook eine Dienstleistungssparte mit Angeboten wie Apple Pay und Apple Music aufgebaut, die mittlerweile mehr als 100 Milliarden Dollar Umsatz bringt. Und das iPhone bleibt ein Verkaufsschlager. Zwischenzeitlich schrumpften die Umsätze mit dem Gerät zwar, aber die kürzlich herausgekommene neue Modellreihe scheint nun wieder einen kräftigen Wachstumsschub zu bringen. Was Cook in diesen Tagen freilich besonders wertvoll für Apple macht, ist sein diplomatisches Geschick im Umgang mit Trump. Allein das wäre ein stichhaltiger Grund, seinen Abschied noch etwas hinauszuzögern.