In Berlin haben mehrere Tausend Menschen ihre Solidarität mit den Opfern von sexualisierter digitaler Gewalt gezeigt. Anlass sind die Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen.
Tausende Menschen protestieren am Sonntagnachmittag in Berlin gegen digitale Gewalt.
Zur Demonstration „Gegen sexualisierte digitale Gewalt – Solidarität mit allen Opfern“ haben sich am Brandenburger Tor rund 2.500 Menschen versammelt, wie die Polizei und rbb-Reporter vor Ort berichten. Angemeldet waren 500 Teilnehmende.
Initiiert hat den Protest das nach eigenen Angaben neu gegründete Bündnis „Feminist Fight Club!“. Das Bündnis kritisiert „strukturelle Missstände und Gesetzeslücken im Kontext von digitaler und analoger sexualisierter Gewalt in Deutschland“. Es gehe um Solidarität mit allen Betroffenen von digitaler, aber auch analoger sexualisierter Gewalt. Auf Plakaten waren Slogans zu lesen wie „Mein Körper gehört mir – auch digital“. Als Rednerin angekündigt wurde auch die Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer.
Demonstrantinnen Plakat Brandenburger Tor
Demo in Solidarität mit Collien Fernandes
Die Kundgebung solle angesichts der aktuellen Debatte über digitale Gewalt in Solidarität mit der Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes stattfinden, hieß es. Auch Fernandes selbst hatte in den sozialen Netwerken zu der Demonstration aufgerufen.
Sie hatte in einem Bericht des „Spiegel“ schwere Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen, erhoben und wirft ihm vor, er habe von ihr Fake-Profile erstellt, von denen aus er pornografische Inhalte über sie verschickt haben soll.
Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt teilte mit, „die Berichterstattung ist (…) aus mehreren Gründen rechtswidrig.“ Es würden „unwahre Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung verbreitet.“
Politik fordert Konsequenzen
Der Brandenburger Innenminister Jan Redmann (CDU) forderte am Sonntag, geltendes Recht konsequent durchzusetzen. „Wir müssen dafür sorgen, dass Polizei und Sicherheitsbehörden Täter auch im Netz identifizieren, Straftaten verhindern und Betroffene wirksam schützen können“, sagte er laut einer Mitteilung seines Ministeriums. Deepfakes seien keine virtuelle Nebensache. „Digitale Gewalt ist reale Gewalt.“
Die Berliner Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) wies auf ein neu gestartetes Projekt in Berlin hin, das sich „gegen digitale geschlechtsspezifische Gewalt aus dem sozialen Umfeld“ richte. Mit Fortbildungen und technischer Beratung sollen Beratungsstellen und Schutzunterkünfte in Berlin gestärkt werden, damit betroffene Frauen schneller Hilfe bekommen.
Bundesjustizministerin hat Gesetzentwurf angekündigt
Bereits am Samstag forderte die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) ein wirksames digitales Gewaltschutzgesetz. „Wer Menschen im Netz jagt, bedroht oder entwürdigt, greift ihre Würde genauso an wie auf offener Straße“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.
Dagegen müsse der Staat konsequent, entschlossen und mit strafrechtlichen Konsequenzen reagieren, so Spranger weiter. „Ein wirksames digitales Gewaltschutzgesetz muss Lücken im Strafgesetz schließen.“ Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hatte angekündigt, zügig ein Gesetz zum besseren Schutz vor digitaler Gewalt vorzulegen.
Sendung: rbb24 Inforadio, 22.03.2026, 15 Uhr
Source: tagesschau.de