„Tatort“ aus Köln: Wenn welcher nette Onkel aus welcher „Sesamstraße“ wütend wird


Zur Merkliste hinzufügen

Der „Tatort“ aus Köln führt Ballauf und Schenk zur dunklen Seite eines beliebten Moderators im Kinderfernsehen, gespielt von Komiker Max Giermann.

  • 4 von 5 Punkten
  • kurzweilige Krimi-Komödie im quietschbunten Kinder-TV-Milieu

Worum geht’s in diesem „Tatort“?

Frank Anders (Max Giermann) ist ein Star. Generationen von Kindern sind mit seiner Fernsehshow „Sachen und Lachen“ aufgewachsen, die er zusammen mit seiner Frau Caro (Silvina Buchbauer) moderiert. Das Programm hat Kultstatus, und das Kernteam der Show ist seit Beginn gleichgeblieben. Doch nun wird der Kameramann Stefan Glück – genannt Happy (Niels Bormann) – ermordet im Kofferraum seines ausgebrannten Autos aufgefunden. Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) übernehmen die Ermittlungen. Schnell merken sie, dass es hinter den Kulissen der Kindersendung nicht so harmonisch zugeht wie auf dem Bildschirm. Im Gegenteil: Vor allem der bei Kindern so beliebte Frank Anders gibt im Studio sehr deutlich den Ton an. Immer wieder gerät er auch mit dem Puppenspieler Yassin Meret (Erkan Acar) aneinander. Könnte in diesem toxischen Arbeitsumfeld der Mörder sogar ein Mitglied des Teams sein?

Warum lohnt sich der Fall „Showtime“?

Den Komiker Max Giermann erwartet man für gewöhnlich nicht beim „Tatort“, er verleiht dieser Folge aus Köln eine überraschende Note. Als Star-Moderator Frank Anders agiert er fast in einer Doppelrolle: Vor der Kindersendungs-Kamera gibt er den ach-so-netten und lustigen TV-Onkel, während er sich hinter den Kulissen in einen cholerischen, großkotzigen TV-Fuzzi verwandelt. Eben hat er noch mit Schenk für Selfies posiert und ihm ein Stoffmaskottchen – einen Tapir – geschenkt, schon herrscht er die beiden Kommissare an: „Hören Sie mir auf mit Ihrem Beamten-Scheiß!“ Und er ätzt: „Ihre Beamten-Ärsche werden ja auch bis zu Ihrer Pension durchalimentiert.“ Allein für diesen auf Komik angelegten kurzen Monolog lohnt sich der Krimi.

Was stört?

Wer die Kindersendungs-Optik nicht mag, wird hier keinen Spaß haben. Die fiktive Show „Sachen und Lachen“ ist wie ein grotesker Mix aus „Sesamstraße“, „Sendung mit der Maus“ und den „Teletubbies“ und zieht sich durch den ganzen Krimi. An einigen Stellen wirkt der Film zu gewollt lustig, auch wenn viele Komikelemente funktionieren.

Die Ermittler?

Kommissar Schenk schwelgt in Erinnerungen und geht den Fall zunächst begeistert wie ein Fan-Boy an: Mit seiner Enkelin hat er früher regelmäßig die Sendung von Frank Anders geschaut. Ballauf hingegen grenzt sich deutlich ab: „Wir sind ja auch beruflich hier!“, versucht er den Enthusiasmus seines Kollegen zu bremsen. Als Schenk den miesepetrigen Charakter seines Idols erkennt, ist er enttäuscht, denn „Sachen und Lachen“ sei ein Stück heile Welt für ihn gewesen. „Man konnte dran glauben. Naiv, oder?“ gesteht er Ballauf.

Ein- oder ausschalten?

Einschalten, auch wenn dies kein klassischer „Tatort“ ist. Allein schon die zahlreichen optischen Spielereien, wie zum Beispiel die Split-Screens oder Effekte durch die bunten Kulissen des TV-Sets, sorgen für Abwechslung vom gewohnten Krimi-Look.

 „Tatort: Showtime“ läuft am Sonntag, 12. April, 20.15 Uhr im Ersten. 

Source: stern.de