Wegen eines neuen Dekrets der in Afghanistan regierenden Taliban sieht die Organisation UN Women Frauen im Land einem gestiegenen Risiko für Gewalt ausgesetzt. Der Gesetzestext sieht unter anderem vor, dass Frauen mögliche Misshandlungen vollverschleiert und unter Anwesenheit eines männlichen Begleiters selbst beweisen müssen. „UN Women ist zutiefst besorgt
über die Auswirkungen des Dekrets“, sagte die Beauftragte von UN Women
in Afghanistan, Susan Ferguson.
Das Dekret sieht außerdem vor, dass Frauen und deren Angehörige zu Gefängnisstrafen verurteilt werden können, wenn sie zu oft
ohne Einverständnis ihrer Ehemänner Familienmitglieder besuchen. In
Afghanistan gelten die Herkunftsfamilien von Frauen häufig als ein letzter Schutzraum
vor häuslicher Gewalt.
Gesetz ermöglicht laut Experten Willkür
Die Taliban regeln in dem neuen Gesetzestext, welche Strafen für Vergehen im Land gelten. Durch das Gesetz werden Strafen für Frauen und Männer unterschieden und die afghanische Gesellschaft in vier Klassen unterteilt. Nach Einschätzung von Experten enthalte das Schreiben an die Gerichte, das vom obersten Taliban-Führer Haibatullah Achundsada unterschrieben wurde, viele Graubereiche und ermögliche so Willkür.
Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan im Sommer 2021 angesichts des Abzugs westlicher Streitkräfte wurden Grundrechte und insbesondere Frauenrechte in dem Land stark eingegrenzt. So dürfen Frauen seit Dezember 2022 nicht mehr studieren, Mädchen dürfen nur bis zur sechsten Klasse die Schule besuchen. Im September 2025 beschlossen die Taliban außerdem, dass Frauen die Büros der Vereinten Nationen nicht mehr betreten dürfen.