Taliban: Kämpfe im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet dauern an

Nach der jüngsten Eskalation des Konflikts zwischen Pakistan und den afghanischen Taliban kommt es auch am Freitag weiter zu Gefechten. Wie das von den Taliban kontrollierte Informationsdirektorat der afghanischen Provinz Nangarhar mitteilte, seien die Kämpfe im Grenzgebiet am Morgen wieder aufgeflammt. Laut den Taliban soll pakistanischer Mörserbeschuss zivile Gebiete getroffen haben, darunter auch ein Flüchtlingslager, das über Nacht evakuiert worden sei. Auf den Beschuss reagiere man mit Angriffen auf pakistanische Militärposten entlang der gemeinsamen Grenze.

Eigenen Angaben zufolge gelang es den Taliban, für Angriffe auf militärische Ziele in Pakistan auch erfolgreich Drohnen einzusetzen. Das teilten das Verteidigungsministerium und ein Sprecher der Taliban mit. Der pakistanische Informationsminister Attaullah Tarar sagte hingegen, Talibankämpfer hätten versucht, Drohnen einzusetzen, diese seien jedoch abgefangen worden. Tarar zufolge kamen keine Menschen zu Schaden.

Ein Sprecher der Taliban drohte für den Fall erneuter pakistanischer Angriffe auf Afghanistan mit weiterer Gewalt. „Wenn sie den Krieg fortführen, haben wir die Kraft, die Einsätze weiterzuführen“, sagte Sabiullah Mudschahid. Pakistan habe bei seinen Angriffen Zivilisten getötet und damit gegen internationales Recht verstoßen.

Pakistan spricht von „offenem Krieg“ mit den Taliban

Der Konflikt war in der Nacht von Donnerstag auf Freitag weiter eskaliert. Am späten Donnerstagabend hatten die Taliban mit Angriffen auf sechs pakistanische Provinzen begonnen. Die islamistische Terrororganisation, die in Afghanistan de facto seit 2021 wieder an der Macht ist, bezeichnete die Angriffe als Vergeltung für pakistanische Luftangriffe auf afghanische Grenzregionen vergangene Woche.

Die pakistanische Armee reagierte wiederum in der Nacht mit erneuten Luftangriffen auf die afghanische Hauptstadt Kabul sowie auf Kandahar im Süden und die Provinz Paktia im Südosten des Landes. Jüngsten Angaben aus Pakistan zufolge wurden bei den Kämpfen seit Donnerstagabend mindestens 274 Taliban-Mitglieder sowie zwölf pakistanische Soldaten getötet. Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Asif sprach von einem „offenen Krieg“ mit Afghanistan. Sein Land wirft den Taliban vor, Terroristen zu schützen, die in Pakistan Anschläge verüben.

Konkret geht es dabei um die pakistanischen Taliban (TTP), die den afghanischen Taliban Beobachtern zufolge zwar nahestehen, jedoch unabhängig von diesen agieren. Die pakistanische Regierung wirft den Taliban vor, TTP-Terroristen in Afghanistan Zuflucht zu gewähren. Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid wies die Vorwürfe erneut zurück. Die TTP seien „Pakistans internes Sicherheitsproblem, das schon seit Jahren besteht und nichts mit Afghanistan zu tun hat“.

Iran und Russland fordern Deeskalation

Unterdessen bemühen mehrere Länder diplomatische Kanäle, um in dem Konflikt zu vermitteln. Die iranische Führung rief die Nachbarländer zur Deeskalation auf. Außenminister Abbas Araghtschi teilte mit, die Islamische Republik sei „zu jeder Art von Unterstützung bereit, um den Dialog zu erleichtern“.

Gerade im Ramadan, „dem Monat der Selbstbeherrschung und der Stärkung der Solidarität in der islamischen Welt“, sei es wichtig, dass die Nachbarländer ihre Differenzen „im Rahmen guter Nachbarschaft“ beilegen, sagte Araghtschi. Die iranische Regierung unterhält enge Kontakte zu Pakistan. Das Verhältnis zu den Taliban gilt als angespannt, aber pragmatisch

Auch Russland fordert eine Lösung des Konflikts durch Verhandlungen. Der russische Diplomat Samir Kabulow sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Nowosti, Russland rufe zu einem sofortigen Ende der Kämpfe und einer diplomatischen Lösung des Konflikts auf. Man ziehe in Betracht, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln, sollte man darum gebeten werden, sagte der Afghanistan-Sondergesandte des russischen Staatschefs Wladimir Putin.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Verweis auf eine diplomatische Quelle, der türkische Außenminister Hakan Fidan habe in separaten Telefonaten mit seinen Amtskollegen aus Pakistan, Afghanistan, Katar und Saudi-Arabien über den Konflikt zwischen Afghanistan und Pakistan gesprochen. Details aus den Telefonaten waren zunächst nicht bekannt.

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