Die Ermittler gehen nach dem Busbrand mit sechs Toten in Kerzers von der Tat eines psychisch instabilen Mannes aus. Augenzeugen schildern beklemmende Szenen.
Nach dem Brand eines Busses in der Schweiz mit sechs Toten gehen die Behörden von einer vorsätzlichen Tat eines „psychisch instabilen“ Mannes ohne ideologisches Motiv aus. Nach Angaben eines Zeugen habe sich ein Mann am Dienstagabend mit mehreren Tüten in den Linienbus des Busunternehmens Postauto begeben. Der Mann habe den Benzinkanister, den er in einer Tüte trug, ausgeschüttet und angezündet, sagte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft bei einer Pressekonferenz am Mittwoch.
Nichts deute auf einen terroristischen Akt hin, vielmehr weise die gegenwärtige Lage auf eine psychisch instabile Person hin. Der verstorbene Täter war demnach Schweizer und im Kanton Bern wohnhaft. Er werde als Person beschrieben, die „am Rande der Gesellschaft“ lebte und „psychische Probleme“ hatte. Der Mann soll ungefähr 60 Jahre alt gewesen sein.
Sechs Menschen kamen bei dem Brand in der Gemeinde Kerzers am Dienstagabend ums Leben, vier weitere und ein Sanitäter wurden verletzt. Die Opfer sollen alle aus der Region stammen. In sozialen Medien waren dramatische Bilder und Videos von dem brennenden Bus zu sehen. Das Gefährt stand lichterloh in Flammen und brannte völlig aus.
Der Kommandant der Kantonspolizei, Philippe Allain, sprach von einer „echten Tragödie“. Augenzeugen hätten Menschen beschrieben, „die in Flammen aus dem Bus gerannt sind“. Die Leichen seien der Forensik übergeben worden, die Identifizierung der Opfer dauere an.
Beklemmende Aussagen von Zeugen
„Alles ging so schnell – und dann stand binnen Augenblicken alles in Flammen“, sagte ein Zeuge, dessen Autowerkstatt unweit des Unglücksortes liegt, der Zeitung „Blick“. „Von der Hitze explodierten sogar die Reifen und flogen bis zu 200 Meter weit“, erzählte er.
Ein Rentner, der neben dem Brandort im Zentrum von Kerzers wohnt, schilderte gegenüber „Blick“, dass ein Mann mit einem Stein eine Scheibe des Busses eingeschlagen habe. Kurz darauf habe sich jemand aus dem Fahrzeug befreien können. „Das ist einfach nur schlimm und traurig“, sagte er.
Die Schweizer Politik reagierte entsetzt auf das Unglück. Im etwa 26 Kilometer entfernten Bern gedachten beide Kammern des Parlaments der Todesopfer, wie die Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtete. „Dieses tragische Ereignis erschüttert nicht nur eine Region, einen Kanton, sondern weit darüber hinaus“, sagte Nationalratspräsident Pierre-André Page.
lay/ll mit dpa
Source: welt.de