Szabolcs Panyi: „Eine Taktik direkt aus Putins Handbuch“

DIE ZEIT: Herr Panyi, vergangene Woche wurde öffentlich, dass gegen Sie Anklage wegen Spionage erhoben werden soll. Wie haben Sie von den Vorwürfen erfahren?

Szabolcs Panyi: Ich habe es in den Nachrichten gelesen. Bei einer Pressekonferenz hat der Stabschef von Viktor Orbán verkündet, dass ich ein „ukrainischer Spion“ sei. Und dass die Regierung Strafanzeige wegen des Verdachts auf Spionage gegen mich einreicht.

ZEIT: Eine ziemlich öffentlichkeitswirksame Aktion …

Panyi: Das ist alles politisches Theater! Es geht nicht nur darum, mich zu diskreditieren. Vor allem soll so meine Berichterstattung schon im Vorfeld diskreditiert werden. Zusätzlich wurde ein Ausschnitt aus einem Gespräch zwischen mir und einem Informanten veröffentlicht. Die Regierung hat mich offensichtlich überwacht und wusste, dass ich an einer explosiven Geschichte arbeite, die nahelegt, dass der ungarische Außenminister sich eher für die Belange Russlands als für die von Ungarn einsetzt. Bevor ich meine Recherchen veröffentlichen kann, wirft mir die Regierung also schnell vor, ein ukrainischer Spion zu sein – und stellt damit die Verschwörungstheorie auf, dass ein ukrainischer Spion eine Schmutzkampagne gegen die ungarische Regierung fahre.

AuslandBerichterstattungDie ZeitGeschichteInformantenPolitisches TheaterRegierungSpionSpionageTheaterUngarnViktorZeit