Die syrische Armee hat eigenen Angaben zufolge die Kontrolle über den früheren US-Militärstützpunkt Al-Tanf übernommen. Zuvor hatte das US-Militär den kleinen, aber strategisch wichtigen Stützpunkt im Dreiländereck mit Jordanien und dem Irak verlassen. Beide Seiten hätten die Übergabe der Kontrolle an syrische Regierungstruppen vereinbart, teilte das syrische Verteidigungsministerium in Damaskus mit. In der Folge hätten Regierungstruppen begonnen, sich entlang der syrisch-irakisch-jordanischen Grenze zu positionieren.
Aus syrischen Sicherheitskreisen hieß es bereits am Mittwochabend, die US-Truppen hätten sich auf jordanisches Gebiet bewegt. Zudem soll das US-Militär auch mit dem Abzug von zwei weiteren Stützpunkten in Dair as-Saur und Hassaka begonnen haben.
Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte ist unklar, ob es sich bei dem Schritt um eine vorübergehende Verlegung der US-Truppen handelt oder um einen dauerhaften Abzug. Auf anderen Militärbasen im Land ist die US-Armee demnach weiterhin stationiert. Eine offizielle Bestätigung des US-Militärs zu den Truppenbewegungen gab es zunächst nicht.
Drehkreuz für den Kampf gegen den IS
Der Stützpunkt Al-Tanf wurde 2014 im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aufgebaut. Damals kontrollierte der IS in Syrien und im Irak große Gebiete. Die Militärbasis liegt an der strategisch wichtigen Straße von Bagdad nach Damaskus und wurde während des syrischen Bürgerkriegs zentrales Drehkreuz für die Einsätze der internationalen Anti-IS-Koalition. Die Übergangsregierung in Damaskus hat sich nach dem Sturz des Diktators Baschar al-Assad offiziell dem US-Bündnis zum Kampf gegen den IS angeschlossen und unter anderem in Damaskus und Aleppo Einsätze gegen die Terrorgruppe durchgeführt.
US-Präsident Donald Trump hatte bereits während seiner ersten Amtszeit
2019 den Wunsch geäußert, die US-Truppen aus Syrien abzuziehen. Nach
Angaben des US-Verteidigungsministeriums vom Juli 2025 befanden sich
zuletzt rund 1.500 US-Soldaten in Syrien. Berichten zufolge waren rund
200 von ihnen in Al-Tanf stationiert.
Der Abzug der USA aus Al-Tanf folgt auf heftige Kämpfe zwischen kurdischen Kräften und syrischen Regierungstruppen im Norden und Osten Syriens. Ende Januar konnten die USA eine Vereinbarung zur Integration der kurdisch geführten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) in die staatlichen syrischen Institutionen vermitteln. Die US-Regierung bezeichnete die Vereinbarung als einen Meilenstein für die Einheit und Versöhnung in Syrien.