Immer wieder kommt es im Nordosten Syriens zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und kurdischen Einheiten. Nun droht die Lage zu eskalieren: Das Militär greift kurdische Viertel in Aleppo an. Viele Einwohner müssen fliehen.
Nach erneuten Zusammenstößen zwischen kurdischen Kräften und Regierungstruppen in der nordsyrischen Stadt Aleppo hat die Übergangsregierung dort eine „begrenzte Militäroperation“ angekündigt.
Ziel sei es, die Sicherheit wiederherzustellen und Zivilisten zu schützen. Es gehe um die gezielte Bekämpfung von bewaffneten Gruppen, nicht von Zivilisten, so die Übergangsregierung.
Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, beschoss die syrische Armee kurdisch kontrollierte Stadtviertel in der Metropole Aleppo mit Artillerie. Zuvor hatte die Armee Zivilisten aufgefordert, die Bezirke bis zum Nachmittag zu verlassen. Zahlreiche Menschen, darunter auch Familien mit Kindern, ergriffen daraufhin die Flucht.
Die Führung in Damaskus wirft den kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) vor, in Aleppo Wohngebiete, Verkehrsstraßen und Sicherheitskräfte anzugreifen. Die Operation erfolge auf Grundlage „einer lokalen Entscheidung sowie einer öffentlichen Forderung von Anwohnern“, hieß es in einer Erklärung.
Geplante Eingliederung der Kurden bisher nicht umgesetzt
Bereits am Montag und Dienstag war es in Aleppo zu Gefechten zwischen Truppen der Übergangsregierung und kurdischen Kämpfern gekommen. Allein am Dienstag gab es nach Berichten syrischer Staatsmedien neun Tote. Schulen, Hochschulen, Behörden und der Flughafen der zweitgrößten Stadt Syriens blieben geschlossen.
Im März vergangenen Jahres hatten sich die Kurden und die Übergangsregierung auf eine Eingliederung der bisher autonomen Institutionen in die staatlichen Strukturen geeinigt. Der Vereinbarung nach sollten auch die kurdischen Kämpfer in die Armee eingegliedert werden. Bis heute wurde die Vereinbarung nicht umgesetzt. Zum Jahresende 2025 lief eine Frist aus.
Unter den ethnischen Minderheiten in Syrien stellen Kurden die größte Gruppe. Sie leben vor allem im Nordosten in einem selbstverwalteten Gebiet. Dort liegen auch die meisten Öl- und Gasreserven des Landes.
Source: tagesschau.de