Sun Chenghao: „China sieht sich nicht als Ersatz für die USA“

DIE ZEIT: Herr Sun, die USA unter Donald Trump brechen mit der transatlantischen
Allianz. Marco Rubio hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz versucht, die
Europäer zu besänftigen, seine Rede ändert aber nichts an dem Bruch. Wie
blickt China auf die neue Weltunordnung?

Sun Chenghao: In China sprechen wir davon, dass gerade Veränderungen passieren, wie es
sie in hundert Jahren nicht gab. China hat sich nach seiner Öffnung 1978 in die
bestehende globale Weltordnung integriert, die eine von den USA und Europa
dominierte war. Die Regeln hat der Westen definiert. Unter dem Deckmantel
einer, wie wir finden, scheinheiligen Werterhetorik hat Amerika stets seine
eigenen Hegemonialinteressen verfolgt. Wenn Donald Trump Alliierten nun offen
droht oder den Präsidenten eines souveränen Staates wie Venezuela entführt, tun
die USA nur unverhohlener das, was sie schon immer getan haben.

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