Sumpf | Happy Crypto-Day, Mr. President: Wie Trump sich dank Krypto schamlos bereichert

Kryptowährungen, Bitcoins & Co. standen einmal für Staatsferne, für eine alternative und sogar progressive Finanzutopie. Jetzt benutzt US-Präsident Donald Trump die Branche aber einfach nur, um sich selbst schamlos zu bereichern


Protest gegen Trumps Kryptogeschäfte in Washington D.C.

Foto: Jemal Countess/Getty Images for Public Citizen



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Die 220 Gewinner eines Kryptowährungswettbewerbs wurden jüngst aufgefordert, auf eine E-Mail mit der „exklusivsten Einladung der Welt“ zu achten. Als Belohnung für den Einsatz immenser Geldbeträge – in einigen Fällen mehrere Millionen US-Dollar – hatten sie den Preis gewonnen, am 22. Mai an einer privaten Gala – einem „Crypto dinner“ – mit Donald Trump in dessen Golfclub in Washington D.C. teilzunehmen.

Die Gewährung von persönlichem Zugang zum Präsidenten als Gegenleistung für eine Investition in seine Kryptowährung stellt nur Trumps jüngsten Fall eines eklatanten Interessenkonflikts dar. Seine politische Laufbahn weist – nach seinen eigenen Worten – „viele solcher Fälle“ auf: Immobilienbesitz, ein Medienunternehmen, Merchandising-Geschäfte, die Fälschung von Geschäftsunterlagen und zuletzt das Geschenk eines 400-Millionen-Dollar-Flugzeugs aus Katar sind nur einige der unzähligen Verstrickungen, vor denen Antikorruptionsorganisationen schon seit einem Jahrzehnt warnen.

Trumps Einstieg in die Krypto-Welt vereint und verschärft all diese Interessenkonflikte: Er nutzt seine Präsidentschaft für seinen persönlichen Vorteil, öffnet ein Einfalltor für Einfluss aus dem Ausland und reguliert beziehungsweise dereguliert eine Branche, in der er selber aktiv ist. Daraus ist eine gefährliche Mischung aus Trumps Geschäftsgebaren und einer Branche entstanden, die für Betrug und Intransparenz bekannt ist. Es könnte das lukrativste Geschäft werden, an dem er je beteiligt war.

Investoren aus China und den Emiraten bezahlen Millionen Dollar. Wofür?

Die Regeln des „Dinner-Wettbewerbs“ sahen vor, dass die 220 besten Käufer von $TRUMP, die in einer öffentlichen Rangliste auf der Website der Kryptowährung aufgeführt waren, eine Einladung zu einem Abendessen mit dem Präsidenten erhalten würden. Die ersten 20 auf der Rangliste konnten bei dem VIP-Empfang Trump sogar noch persönlicher kennenlernen. Auf der Rangliste wurden nur die Benutzernamen und Codes der Krypto-Geldbörsen der Teilnehmer veröffentlicht, weitere Informationen zur Identifizierung gab es nicht. Laut der Website konnten die Gewinner einen beliebigen Namen auf die Einladung schreiben.

Eine der Hauptsorgen von Demokraten und Antikorruptionsorganisationen ist, dass sich ausländische Akteure durch die Investitionen in Trumps Kryptowährung Einfluss verschaffen könnten. Analysen der $TRUMP-Rangliste haben ergeben, dass ein großer Prozentsatz der Top-Käufer ausländische Krypto-Börsen nutzte, die US-Nutzern den Handel auf ihren Plattformen verbieten. Dies deutet darauf hin, dass die Gewinner möglicherweise im Ausland ansässig sind.

Trump war eigentlich Krypto-Gegner. Dann verstanden seine Söhne, wie sie damit krassen Reibach machen können

Der Einstieg der Trump-Familie in die Welt der Kryptowährungen ist eine relativ neue Entwicklung. Bereits während des Präsidentschaftswahlkampfs im vergangenen Jahr hat Trump intensiv um Krypto-Investoren geworben. Er war auch der erste Kandidat, der Krypto-Spenden annahm – und versprach auf einer Konferenz, die USA zur „Krypto-Hauptstadt des Planeten“ zu machen. Im September kündigte Trump die Gründung des Kryptounternehmens World Liberty Financial an, das von Trumps Familie kontrolliert wird.

Seitdem haben Kryptounternehmen, die mit Trump in Verbindung stehen, expandiert und unter anderem einen sogenannten „Stablecoin“ namens USD1 und einen börsengehandelten ETF-Fonds geschaffen. Berichten zufolge folgten hunderte Millionen schwere Investments aus China und den Emiraten. Kürzlich kündigte der Sohn des Präsidenten, Eric Trump, außerdem an, dass ein von der Familie kontrolliertes Bitcoin-Mining-Unternehmen an die Börse gehen werde.

Während die Trump-Familie ihre Geschäfte im Krypto-Bereich ausbaut, treibt die Trump-Administration auch die Deregulierung der Branche voran. Sie ernannte zum Beispiel einen kryptofreundlichen Leiter der Wertpapieraufsichtsbehörde. Im April schloss das Justizministerium dazu seine Einheit zur Untersuchung von Kryptowährungsbetrug. Die sich in den USA ausbreitenden Bitcoin-Mining-Anlagen verursachen derweil zunehmend Energie-, Umwelt- und Lärmprobleme – aber all diese Bereiche werden von Behörden reguliert, auf die Trump politischen Einfluss ausüben kann.

Insbesondere demokratische Politiker setzen sich gegen Trumps Pläne zur Wehr. Der Senator von Connecticut, Richard Blumenthal, kündigte eine Untersuchung der Krypto-Aktivitäten des Präsidenten an. Kritik äußerte auch die Senatorin von Massachusetts, Elizabeth Warren: „Es ist schockierend, wie Donald Trump mit halsbrecherischer Geschwindigkeit seine Position als Präsident ausnutzt, um Milliarden von US-Dollar für sich und seine Familie einzuheimsen“, sagte die Politikerin jüngst in einer Rede. „Wir erleben gerade den größten Korruptionsskandal der modernen Geschichte – doch kaum jemand schaut hin.“

Nick Robins-Early ist Journalist in New York. Er berichtet über Extremismus, Desinformation und Tech

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