Studie: Wenn KI nicht weniger, sondern mehr Arbeit macht

Stand: 21.02.2026 • 09:58 Uhr

Laut einer US-Studie entlastet Künstliche Intelligenz Arbeitnehmer nicht, sondern kann zu Mehrarbeit und nachlassender Effizienz führen. Ein deutscher Forscher macht ähnliche Beobachtungen.

Von Frank Bäumer, BR

Manch Unternehmer hatte gehofft, dass Künstliche Intelligenz die Effizienz der Angestellten steigern und sie gleichzeitig entlasten würde. Doch laut einer neuen Studie aus Kalifornien reduziert KI nicht die Arbeit – sie intensiviert sie.

Die beiden Wissenschaftlerinnen Aruna Ranganathan und Xinqi Maggi Ye von der Haas School of Business der Universität Berkeley haben acht Monate lang 200 Mitarbeiter einer US-Technologiefirma begleitet. Das Ergebnis: Nach Einführung der KI-Tools arbeiteten die Angestellten schneller und länger, teils in den Pausen und in ihrer Freizeit. Sie übernahmen auch neue Aufgabenfelder – und das nicht etwa, weil es von ihnen verlangt wurde.

Mehr Zeit dank KI – die mit mehr Arbeit gefüllt wird

Was die Wissenschaftlerinnen auch feststellten: Wenn entsprechende KI-Tools einfache Routine-Verwaltungsaufgaben übernehmen, bleibt den Mitarbeitern mehr Zeit für anspruchsvollere, kreative und damit „wertvollere“ Tätigkeiten. Zusammen mit der oft spielerisch einfachen Bedienung der KI-Instrumente kann sich jedoch rasch eine neue Eigendynamik am Arbeitsplatz entwickeln: Schnell noch eine neue Aufgabe an die KI schicken, während man sich gleichzeitig noch um etwas anderes kümmert. Die gefühlte gesteigerte Produktivität zieht sich so mehr und mehr in die Pausen oder in die Freizeit hinein.

Erschöpfung und Burnout als Folge

Dieses Muster führt allerdings langfristig nicht zu einer besseren Arbeitsleistung, sondern endet laut den Wissenschaftlerinnen oft in Zuständen geistiger Erschöpfung. Das wiederum schlägt sich in schlechteren Arbeitsergebnissen und sogar Erkrankungen der Arbeitnehmer bis hin zum Burnout nieder.

Diesen gefährlichen Prozess kennt auch der Arbeitspsychologe Florian Schweden vom Institut für Arbeitsgestaltung und Organisationsentwicklung in Hamburg. Er untersucht im Auftrag von Firmen die Auswirkungen von Veränderungen am Arbeitsplatz auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter. Seinen Beobachtungen nach setzen sich Mitarbeiter oft selbst unter Druck, wenn sie plötzlich mehr anspruchsvollere Aufgaben erledigen müssen. „Der Zeitanteil, den ich jetzt habe, um die schwierigen dicken Bretter als Mensch zu bohren, wird größer. Ich muss aber jetzt genauso viel leisten wie vorher, und das heißt, dass die Menschen anfangen, intensiver zu arbeiten, schneller zu arbeiten.“

Grenzen der eigenen Kompetenz überschritten

Laut der Berkeley-Studie verleiteten die KI-Werkzeuge einige Mitarbeiter auch zur Überschreitung der eigenen Kompetenzen. So haben die US-Forscherinnen festgestellt, dass etwa Manager und Produktdesigner anfingen, mithilfe von KI Computerprogramme zu erstellen, anstatt diese Arbeit den dafür zuständigen Fachkräften zu überlassen. Doch das führte nicht zu einer gesteigerten Effizienz: Am Ende mussten die Programmierer die durch ihre fachfremden Kollegen erstellten Programme mühsam überprüfen und korrigieren.

KI als Konkurrent

Doch die KI kann laut Florian Schweden auch dann Druck auf die Arbeitnehmer ausüben, wenn sie nicht als helfender Partner, sondern als Konkurrent wahrgenommen wird, die den eigenen Arbeitsplatz bedroht. In einer seiner Untersuchungen mündete die Angst der Mitarbeiter, durch KI ersetzt zu werden, sogar in einen Fall von „Robomobbing“: Angestellte eines Logistikunternehmens haben den selbstfahrenden Robotern Holzpaletten in den Weg gelegt, damit diese nicht so effizient arbeiten. So wollten sie zeigen, „dass der Mensch, der irgendwo drübersteigen kann, noch gebraucht wird“.

Aufgaben von Mensch und Maschine klar verteilen

Verteufeln möchte der Arbeitspsychologe Florian Schweden den KI-Einsatz allerdings nicht. Für ihn ist es wichtig, dass Unternehmen zusammen mit ihren Mitarbeitern vor der Einführung von KI-Tools klar die Rollen von Mensch und Maschine verteilen.

Die Wissenschaftlerinnen aus Berkley sprechen sich dafür aus, bei der Einführung von KI nicht die Kontrolle über die Folgen abzugeben: Unternehmen müssten sich fragen, ob sie selbst die Veränderungen durch KI gestalten wollen – oder diese Gestaltung stillschweigend der KI überlassen.

Source: tagesschau.de