Erst vor einer Woche hat sich der Kommandeur der Marine der iranischen Revolutionsgarde ein eigenes Konto auf der Plattform X zugelegt. Sein erster Post war Gott gewidmet, sein zweiter galt der Straße von Hormus. „Wir haben es zu Beginn des Krieges verkündet, und wir verkünden es erneut: Kein Schiff, das mit den Iran-Invasoren in Verbindung steht, hat das Recht, durch die Straße von Hormus zu fahren. Wenn Sie Zweifel haben, probieren Sie es aus“, schrieb Alireza Tangsiri. Damit machte der Flottillenadmiral klar, welche Strategie Iran in der Meerenge verfolgt: Teheran will entscheiden, wer durchfahren darf und wer nicht.
Auch Außenminister Abbas Araghchi beschrieb die Blockade am Montag als selektiv. Die Straße von Hormus sei „offen“, sagte er. „Sie ist nur für unsere Feinde geschlossen.“ Araghchi machte sich lustig über die Forderung Donald Trumps an China, Frankreich und andere Länder, dabei zu helfen, die Meerenge für den Schiffsverkehr zu sichern. Darunter seien „Länder, die sie bis gestern als Feinde betrachtet haben“, höhnte Araghchi, womit er wohl China meinte. Seine Äußerungen zeigen, dass Teheran in der Straße von Hormus eine Doppelstrategie verfolgt. Zum einen dienen Angriffe auf Tankschiffe dazu, die Energiepreise in die Höhe zu treiben und Amerikas Verbündeten am Golf zu schaden, um den politischen Preis des Krieges für Trump in die Höhe zu treiben. Zum anderen gewinnt Iran Verhandlungsmasse gegenüber Staaten, deren Schiffen es die Durchfahrt erlaubt.
Ein gewünschter Nebeneffekt: die Spaltung der vom amerikanischen Präsidenten beschworenen Allianz. Vielleicht setzt Teheran darauf, auf diese Weise auch einen Keil zwischen Amerika und die Golfstaaten zu treiben. Marinekommandeur Tangsiri schrieb jedenfalls auf seinem neuen X-Konto, die einzige Lösung für die Golfstaaten sei „die Vertreibung der Amerikaner aus der Region“. Zu den Ländern, denen Teheran bereits einzelne Durchfahrten erlaubt hat, zählen die Türkei und Indien. Auch Schiffe, die iranisches Öl nach China transportieren, konnten passieren. Laut dem Außenministerium werden die Genehmigungen für die Durchfahrt von den „Streitkräften“ vergeben, was einmal mehr zeigt, dass die Revolutionsgarde derzeit alle Hebel in der Hand hält.
Hat Iran auf dem Meeresboden Minen gelegt?
Sie hat sich seit Jahrzehnten auf ein solches Szenario vorbereitet, nachdem das Land in den Achtzigerjahren schon einmal in einen „Tankerkrieg“ mit dem Irak verwickelt war. Immer wieder hat Teheran damit gedroht, die Straße von Hormus zu blockieren. Noch während des Zwölftagekriegs im Juni hielten Beobachter dies aber für unwahrscheinlich, weil Iran, so die damalige Annahme, damit auch den eigenen Ölexport gefährden würde. Doch kurz vor Kriegsbeginn vor zwei Wochen hielt die Revolutionsgarde ein Manöver mit dem Titel „Smarte Kontrolle der Straße von Hormus“ ab. Schon das ließ erkennen, dass eine selektive Blockade geplant war.
Die Revolutionswächter besitzen eine hohe Zahl an Schnellbooten sowie Mini-U-Boote, mit denen sie Minen ausbringen können, auch wenn das Ziel nicht zu sein scheint, die Wasserstraße komplett unbefahrbar zu machen. Die Boote ankern in verzweigten Höhlenanlagen, um sie vor Angriffen zu schützen. Bevor die USA am Wochenende Minenlagerstätten auf der Insel Kharg bombardierten, wurde ihre Zahl auf mehr als 5000 geschätzt.
Fachleute gehen davon aus, dass Iran auf dem Meeresboden bereits einige Minen gelegt hat. Zudem haben die Revolutionswächter 18 Handelsschiffe angegriffen, unter anderem mit Drohnenbooten, um den Schiffsverkehr lahmzulegen. Die wirtschaftlichen Schockwirkungen weltweit scheinen die Hardliner in Teheran beflügelt zu haben. Manche sprechen schon davon, dass Iran auch künftig die Durchfahrt regulieren – oder gar Gebühren erheben sollte.
Außenminister Araghchi stellte klar, dass Teheran vorerst nicht an einem Waffenstillstand interessiert sei. Der Krieg müsse „diesmal in einer Weise enden, dass unsere Feinde nie wieder erwägen werden, solche Angriffe und Aggressionen zu wiederholen“. Iran sei bereit, den Krieg „so lange wie nötig“ fortzusetzen und ihn überall hinzutragen, „wohin er gehen muss“. Seine Botschaft: Um das Überleben des Regimes zu sichern, ist Teheran bereit, den Krieg weiter zu eskalieren. Passend dazu drohte Marinekommandeur Tangsiri, dass man einen neuen Hebel finden werde, um die Energiepreise noch mehr in die Höhe zu treiben, wenn Trump seine Drohung wahr machen und Irans Ölverladeanlagen auf der Insel Kharg angreifen lassen sollte.
Source: faz.net