Straße von Hormus: Ein paar Schiffe wagen die Durchfahrt

Der Iran blockiert seit Wochen eine der wichtigsten Seehandelsrouten der Welt. „Nicht feindliche“ Schiffe dürfen die schmale Passage an der Straße von Hormus durchfahren – wenn sie eine millionenhohe Maut bezahlen. Fragen und Antworten zum Nadelöhr am Persischen Golf.

Wie viele Schiffe liegen zurzeit im Persischen Golf?

Im gesamten Persischen Golf befinden sich zurzeit 2.000 Schiffe mit 20.000 Seeleuten an Bord. Mindestens 50 davon sind Schiffe deutscher Reedereien (die Hälfte davon Containerschiffe) mit insgesamt etwa 1.000 Seeleuten. Auch die beiden Kreuzfahrtschiffe Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5 befinden sich noch im Persischen Golf. Die Passagiere wurden ausgeflogen, eine kleine Besatzung gewährleistet die Versorgung der Schiffe. Carsten Duif vom Verband Deutscher Reeder (VDR) möchte aus Sicherheitsgründen nicht die genaue Position der Schiffe nennen. Zusätzlich etwa 500 Schiffe, die ursprünglich in den Golf einlaufen wollten, würden außerhalb der Straße von Hormus warten.

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Ist die Straße von Hormus gesperrt?

„Die Straße von Hormus ist gesperrt, aber nicht blockiert“, sagt Duif. Der Iran habe dort weder Kriegsschiffe liegen, die die Meerenge blockieren, noch gibt es bestätigte Hinweise auf Minen in der Fahrrinne, aber der Iran habe eine explizite Drohung ausgesprochen und damit die Durchfahrt durch die Straße von Hormus faktisch gesperrt. „Zwar gibt es bereits seit einiger Zeit vereinzelte Passagen ausländischer Schiffe, die von iranischer Seite als „nichtfeindlich“ eingestuft werden“, sagt Duif. „Der Begriff ’nichtfeindliche Schiffe‘ ist aber nicht eindeutig definiert. Auch bleibt unklar, wer diese Einstufung vornimmt. Nach Einschätzung der zuständigen Sicherheitsbehörden ist deshalb das Risiko einer Durchfahrt derzeit weiterhin extrem hoch.“

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Werden Schiffe, die die Passage wagen, beschossen?

Die United Kingdom Maritime Trade Operations (UKMTO) – das ist die offizielle Informations- und Koordinationsstelle der Royal Navy für Handelsschiffe – hat zwischen dem 28. Februar und dem 2. April 26 Meldungen über Vorfälle erhalten, die Schiffe im Arabischen Golf, in der Straße von Hormus und im Golf von Oman betrafen. „Insgesamt wurden 16 Angriffe und zehn verdächtige Aktivitäten gemeldet“, heißt es auf der Homepage der UKMTO. Der letzte Vorfall ereignete sich am 1. April, 17 Seemeilen nördlich von Ras Laffan (Katar): Ein Tanker wurde „an der Backbordseite von einem unbekannten Projektil getroffen, wodurch der Rumpf oberhalb der Wasserlinie beschädigt wurde. Die Besatzung ist wohlauf. Es bestehen keine Umweltauswirkungen“, heißt es in der UKMTO-Meldung.

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Durchfahren trotzdem Schiffe die Straße von Hormus?

Laut Daten von Lloyd’s List Intelligence, einer Fachpublikation für die globale Schifffahrts- und Logistikbranche, wurden seit dem 15. März keine Transits über die „normale“ Route mithilfe von AIS-Daten (Automatisches Identifizierungssystem) erfasst. Der eingeschränkte Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus finde derzeit ausschließlich über einen von den Islamischen Revolutionsgarden des Iran kontrollierten Korridor statt, der spezielle Freigabecodes und einen iranischen Begleitdienst erfordere, schreibt der Branchendienst. Seit dem 13. März hätten insgesamt 26 Schiffe die Meerenge auf einer Route durchfahren, die zuvor im Rahmen eines „Mautstellen“-Systems der Revolutionsgarden genehmigt wurde und „bei dem die Schiffsbetreiber einem Überprüfungsverfahren unterzogen werden müssen“.

Lloyd’s List meldet auch, dass „ein in chinesischem Besitz befindliches Zubringer-Containerschiff als erstes Schiff mit bestätigter chinesischer Eigentümerschaft Iran für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus bezahlt“ habe und den sogenannten „sicheren“ Schifffahrtskorridor in der Nähe der Insel Larak passiert habe.

Den Philippinen hat der Iran nach Angaben aus Manila eine sichere Passage ihrer Schiffe und Ölimporte durch die Straße von Hormus zugesichert, berichtete die Nachrichtenagentur AP.

Vor dem Krieg fuhren 100 bis 140 Schiffe täglich durch die Meerenge.

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Darf der Iran für die Durchfahrt eine Maut verlangen?

Die Straße von Hormus ist keine nationale Wasserstraße, sondern eine internationale Meerengenroute. Für solche Meerengen gilt nach dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS) das Prinzip der sogenannten Transitdurchfahrt. Das garantiert allen Schiffen das Recht auf freie und ungehinderte Passage. Ein Küstenstaat ist demnach nicht befugt, die Durchfahrt willkürlich einzuschränken, zu kontrollieren oder von der Zahlung von Gebühren abhängig zu machen. „Gebühren werden im internationalen Schiffsverkehr ausschließlich für die Nutzung künstlicher Wasserstraßen wie dem Panamakanal oder dem Suezkanal erhoben“, sagt Carsten Duif vom VDR. Berichten zufolge verlange der Iran aber bis zu zwei Millionen US-Dollar für eine Passage.

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Engagiert sich Deutschland für die maritime Sicherheit?

In einer gemeinsamen Erklärung mit Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Italien, den Niederlanden, Japan und Kanada wurden die Angriffe auf Handelsschiffe sowie die faktische Blockade der Straße von Hormus deutlich verurteilt. „Zugleich stellt sich die Frage, welchen Stellenwert Deutschland der Sicherung freier und sicherer Seehandelswege beimisst“, sagt Duif. „Über die diplomatischen Bemühungen hinaus wurden bislang keine konkreten Entscheidungen über mögliche Einsätze getroffen. Ein Handeln zum frühestmöglichen Zeitpunkt wäre wünschenswert.“ Immerhin zwei Drittel des deutschen Außenhandels wird über den Seeweg abgewickelt.

Der französische Präsident Emmanuel Macron hält nach Angaben der Nachrichtenagentur AP einen Militäreinsatz zur Wiederöffnung der Straße von Hormus für unrealistisch. „Es gibt Personen, die die Idee einer Wiederöffnung der Straße von Hormus durch Gewalt, durch einen Militäreinsatz, befürworten. Eine Position, die manchmal von den Vereinigten Staaten zum Ausdruck gebracht worden ist“, sagte Macron bei einem Besuch in Südkorea. „Das ist nie die Option gewesen, die wir gewählt haben, und wir betrachten sie als unrealistisch.“

Ein Militäreinsatz „würde unendlich viel Zeit in Anspruch nehmen und jeden, der durch die Straße fährt, Küstenbedrohungen durch die Revolutionsgarde (des Irans) aussetzen.“ Die Meerengen könnten „nur in Absprache mit dem Iran“ wieder geöffnet werden. Dazu wären Verhandlungen nötig, die nach einer Waffenruhe erfolgen würden.

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