Strafen zum Besten von Meta und Google: Schadensersatz wegen Social-Media-Sucht

Stand: 26.03.2026 • 03:48 Uhr

Es ging um das Suchtpotenzial von Social Media – und eine 20-jährige Klägerin hat Recht bekommen: Ein US-Gericht verurteilte die Konzerne Meta und Google zu Entschädigungen in Millionenhöhe. Das Urteil könnte wegweisend sein.

„Worüber wir hier sprechen, ist mehr als nur der Versuch, am meisten Geld rauszuholen, um der Klägerin zu helfen. Es geht um mehr“, sagt Mark Lanier vor dem Gerichtsgebäude in Los Angeles. Er ist einer der Anwälte der 20-jährigen Klägerin. Zum Schutz ihrer Privatsphäre wird im Prozess nicht ihr voller Name genannt – nur ihre Initialen K.G.M.

„Wir stehen für etwas, das sozial wichtig und verantwortungsvoll ist – und ich habe das Gefühl, wir haben einen großartigen Schritt nach vorne gemacht“, ergänzt der Anwalt.

Google und Meta müssen sechs Millionen Dollar zahlen

Google und Meta müssen insgesamt sechs Millionen Dollar bezahlen. Meta muss davon 4,8 Millionen übernehmen, Google den Rest. Die Klägerin soll drei Millionen Dollar Entschädigung bekommen.

Hinter Instagram steht der Meta-Konzern, zu dem auch WhatsApp oder Facebook gehören. YouTube gehört, wie Google, zum Alphabet-Konzern. Nach Auffassung der Geschworenen haben die Plattformen fahrlässig gehandelt und Nutzer nicht ausreichend über Risiken informiert.

Die Entscheidung sei der Beginn einer neuen Ära, sagt der Wissenschafts-und Tech-Journalist Jakob Ward bei CNN. „Wenn man darüber nachdenkt, wie soziale Medien auf Kinder wirken. Und über die Haftung, die die Unternehmen übernehmen müssen, wenn sie mit dem Verhalten von Kindern spielen – für Profit! Das war bisher völlig legal, jetzt ist das eine völlig neue Welt.“

Klägerin: Plattformen machen abhängig wie Zigaretten

Klägerin K.G.M hat mehrere Tech-Unternehmen verklagt. Deren Plattformen machten so abhängig wie Zigaretten oder Online-Casinos, so ihr Vorwurf.

Mit sechs Jahren habe sie nach eigenen Angaben angefangen, YouTube-Videos anzuschauen. Mit neun habe sie sich bei Instagram angemeldet. Bis zu 16 Stunden am Tag habe sie Social-Media-Apps genutzt, das habe bei ihr zu Depressionen und Angstzuständen geführt.

Als Belege nannte sie laut Gerichtsunterlagen Funktionen wie das sogenannte „infinite scrolling“, das endlose Scrollen. Ein Inhalt kommt nach dem nächsten und das unendlich lange.

Außerdem schneiden Plattformen die Feeds individuell zu. Algorithmen registrieren persönliche Interessen der einzelnen User und spielen entsprechende Beiträge aus. Je länger und häufiger User die Apps benutzen, desto mehr Geld verdienen die Betreiber durch den Verkauf von Werbeanzeigen.

Konzerne wollen in Berufung gehen

Google und Meta wiesen die Vorwürfe zurück und wollen in Berufung gehen. Google sagte, YouTube sei keine Social-Media-Plattform. Im Februar sagte Meta-Chef Mark Zuckerberg im Prozess aus. Eines seiner Argumente: Die Apps seien erst ab 13 Jahren.

Meta-Sprecherin Ashly Nikkole Davis erklärt: „Die mentale Gesundheit von Teenagern ist unglaublich komplex und kann nicht mit einer einzigen App in Verbindung gebracht werden. Wir werden uns weiter energisch verteidigen, weil jeder Fall unterschiedlich ist.“

„Prozess könnte Signalwirkung haben“

Es könnte Tausende weitere Fälle geben, in denen es ebenfalls um die Suchtgefahr von Plattformen wie Instagram, YouTube, TikTok und Snapchat geht. „Das macht den Ausgang des Prozesses in Los Angeles so wichtig – er könnte Signalwirkung auf folgende Fälle haben“, sagt June Grasso, die Rechtsexpertin des Senders Bloomberg.

Sie warnte allerdings davor, von der Entscheidung in Los Angeles auf alle anderen Fälle zu schließen. „Die Fälle werden mit denen der Tabakindustrie verglichen. Aber da hat es eine Weile gedauert, bis sich ein Muster herausgebildet hat. Ich denke, man muss mehr mehrere Prozesse durchlaufen, bevor man sieht, in welche Richtung die Geschworenen entscheiden.“

Für Meta ist es in dieser Woche schon die zweite Niederlage vor Gericht. Am Dienstag verurteilte ein Gericht im US-Bundesstaat New Mexico den Konzern zu einer Strafe von 375 Millionen Dollar. Nach Überzeugung der Jury hatte Meta wider besseres Wissen nicht genug zum Schutz junger User getan. Auch in diesem Fall will Meta in Berufung gehen.

Source: tagesschau.de