Neuer Mittelpunkt: Am Kassenstresen lässt sich nicht nur bezahlen, sondern auch an der Kaffeebar sitzen.
Zehn Jahre nach dem Start erfinden Max und Tobias Häßner ihren Fashion Store Textilium neu. In einem ehemaligen Getränkemarkt zeigen sie urbanen Retail.
Diesen einen Moment hat es für Max und Tobias Häßner nicht gegeben. Irgendwann wurde das Gefühl, etwas stimme nicht mit zwei ihrer insgesamt vier Geschäfte, so stark, dass sie etwas unternehmen wollten. „Vor anderthalb Jahren haben wir dann gesagt, wir müssen etwas ändern“, erinnert sich Max Häßner, der die Textilium Fashion Group gemeinsam mit seinem Mann vor fast zehn Jahren, am 1. Oktober 2015, mit der Eröffnung eines DOB- und HAKA-Stores in der Innenstadt von Nidda gestartet hat.
Store des Tages Herbst 2025: Textilium in Nidda
„Aus Boutique und Halle wollen wir ein stilvolles Modehaus entwickeln.“
Erkenntnisse für die weitere Ausrichtung ließen nicht lange auf sich warten: Kunden von dem einen in den anderen Store zu schicken, funktionierte nicht. Ihr Markenmix und ihre Beratungskompetenz ließen sich so nur bedingt ausspielen. Während das Textilium den einen Kundinnen und Kunden zu edel war, fremdelten andere mit dem Industriehallen-Look von The Place. „Im Sommer war es dort oft zu heiß und im Winter zu kalt, keine optimalen Shopping-Bedingungen“, sagt Tobias Häßner. Gleichzeitig bot der Standort gegenüber der Innenstadt aber mehrere Vorteile. Eine größere Fläche, die Nähe zu Nahversorgern wie dm, Lidl oder auch Deichmann und eine Vielzahl von Parkplätzen – direkt vor der Tür. „2027 ist hier in der Gegend die Landesgartenschau und zudem wird die Niddaer Innenstadt als Teil des Förderprogrammes Vitale Innenstädte umgebaut, wodurch noch einmal eine große Zahl an Parkplätzen wegfällt. Das bedeutet für unsere Kundinnen und Kunden perspektivisch weitere Einschränkungen.“
Umgebauter Standort, neues Logo
Als der Vermieter von The Place sich bereit erklärte, die Klima- und Heizungsanlage aufzurüsten, war die Entscheidung für Häßners klar. „Es war für uns und unser Team sehr emotional, uns von unserem ersten Textilium-Store zu verabschieden, es fühlt sich aber genau richtig an“, sagt Max Häßner. „Wir haben uns weiter entwickelt. Wenn das Textilium symbolisch die Zeit des Kindergartens war, dann war das TXzwei die Grundschule, The Place und die DOB-Stores in Nidda und Gedern die weiterführende Schule, mit dem neuen Store sind wir jetzt im Arbeitsleben angekommen.“ Dazu gehört auch, dass das Logo komplett überarbeitet wurde.
Nach vier Wochen Umbau eröffneten Tobias und Max Häßner im Kreise ihrer Mitarbeiterinnen das neue Textilium.
Bei der Planung der 800m² großen Fläche – durch die Umstellung der Klimaanlage konnten 250m² dazu gewonnen werden – waren für beide drei Punkte wichtig: „Es galt für uns ‚back to the roots‘. Wir wollten die Aufenthaltsqualität des früheren Textiliums wieder herstellen, einen Ort schaffen, an den man einfach auch mal kommt, um einen Kaffee an der Kaffeebar zu trinken. Zweitens wollten wir möglichst kostenbewusst und nachhaltig umbauen“, sagt Häßner. Gelungen ist das vor allem durch das Recycling des Ladenbaus aus den beiden bestehenden Stores. „Wir haben keinen neuen Ladenbau gekauft“, sagt Max Häßner. Dadurch war das dritte Ziel nochmal anspruchsvoller: „Aus Boutique und Halle wollen wir ein stilvolles Modehaus entwickeln.“
„Eine Kundin hat bei der Eröffnung zu mir gesagt, ihr seid ein XXXL-Concept-Store. Das trifft es perfekt.“
Decke und Boden waren schon vor dem Einzug 2022 runderneuert worden. Die Gestaltungsplanung übernahmen Häßners komplett selbst – inklusive der Neustrukturierung der Fläche. „Wir haben etwa eine Mittelwand eingezogen. Statt 20 Meter tiefen Flächen, haben wir jetzt 20 Meter Rückwand gewonnen und normaltiefe Flächen“, sagt Max Häßner. Dadurch habe sich auch ein anderes Problem gelöst. Die Fläche lade jetzt mehr zum Bummeln ein. „Früher haben Kunden dann an der Tür umgedreht, wenn sie gesehen haben, dass sie die einzigen im Laden sind.“ Den Umbau, für den der Laden vier Wochen komplett geschlossen war, haben Häßners auch genutzt, um mehr Raum für Wareninszenierungen zu schaffen.
Um Schaufenstergestaltung und Visual Merchandising kümmert sich vor allem Tobias Häßner. Der Fokus dabei: Trends klar herausstellen und inszenieren. Beim Termin Anfang September liegt der Fokus dabei ganz klar auf „Leo“. Die Modekompetenz sollen die Kundinnen und Kunden auch bei der Beratung erfahren. Dafür werden die Mitarbeiterinnen intensiv geschult. „Unser Ziel ist, dass die erste Jeans, die ein Kunde mit in die Kabine nimmt, passt“, formuliert Max Häßner den Anspruch und liefert damit auch die Erklärung, warum ein Online-Shop fürs Textilium nicht infrage kommt.
Store des Tages Frühjahr 2024
Neu und frisch: CBR X Textilium Fashion
Aller guten Dinge sind drei: Knapp zwei Jahre nach der letzten Eröffnun haben Maximilian und Tobias Häßner einen weiteren Store an den Start gebracht. Dieses Mal: einen Street One / Cecil Partner-Store. Es ist bereits der dritte Laden der Modehändler am hessischen Standort Nidda.
Im Zuge des Umbaus, in den Häßners einen mittleren fünfstelligen Betrag investierten, wurde auch das Entree umgestaltet. Fensterflächen nach draußen wurden geöffnet, der Kassenblock wanderte in die Mitte der Fläche. Wer dort an der Theke einen Kaffee trinkt, hat den Eingang im Blick und sitzt mitten im Geschehen. Die Accessoires-Fläche mit Taschen und kleinen Mitnahme-Artikeln wie Haargummis von Kknekki soll Lust aufs Stöbern und Entdecken machen.
Austarierung des Sortiments-Mix
Farblich dominieren Weiß-, Beige-, Schwarz- und Holztöne. Die Rückwände sind schlicht gehalten. Fenster geben den Blick nach draußen frei und lassen Tageslicht hinein. Auf Regalen und Warentischen findet sich eine Vielzahl von Pflanzen, die für Frische und einen grünen Farbtupfer sorgen. Prominent am Eingang sind zwei Shop-in-Shop-Flächen von Garcia positioniert, die sich in die Multilabel-Flächen farblich und stilistisch gut einfügen. Garcia ist im Textilium in DOB, HAKA und KOB vertreten, Häßners zeigen sich höchst zufrieden mit dem Anbieter. Von anderen Modemarken, etwa Opus und Someday, haben sie sich im Zuge der Neuausrichtung getrennt, andere wie The Shirt Project und Unknown Cotton Club aufgenommen. „Unser Sortiment ist ständig im Fluss“, sagt Max Häßner.
Beispiel Schuhe. Einige Saisons hat das Unternehmen die Sneakers von Hoff geführt, die Nachfrage sei aber zurückgegangen und es gab kein neues Label, das für die beiden ins Sortiment passt. So gibt es aktuell keine Schuhe im Store. Allerdings wird das nicht für immer so bleiben, sagt Max Häßner. „Wir warten auf Gelegenheiten und ergreifen sie dann.“
Rund 60% der Umsätze erzielt das Unternehmen am Standort mit DOB, 35% mit HAKA, 5% kommen von der KOB, die es erst seit 2022 beim Textilium gibt. „Wir wollen ein Family-Store sein, der alle Familienmitglieder bedienen kann“, sagt Tobias Häßner.
Maximilian Häßner, Inhaber des Textiliums in Nidda, im Gespräch
TW Podcast: Krise on repeat − So navigiert Max Häßner durch schwierige Zeiten
Diese Woche jährt sich der Beginn des ersten Corona-Lockdown zum zweiten Mal. TW-Redakteurin Aziza Freutel hat das zum Anlass genommen, um mit Maximilian Häßner, Inhaber des Multibrand-Stores Textilium in Nidda, die zwei außergewöhnlichen vergangenen Jahre Revue passieren zu lassen. Zusammen werfen sie auch einen Blick auf aktuelle Ereignisse. Stichwort Ukraine-Krieg.
Dazu gehöre auch, dass es im Textilium jetzt wieder mehr arrondierende Sortimente gibt. Etwa Popcorn von Knalle, Seifen von Wellmark, Lakritz von Bülow. „Wir haben jetzt wieder mehr Schnickschnack, was uns und den Kunden viel Spaß macht“, sagt Tobias Häßner. „Eine Kundin hat bei der Eröffnung zu mir gesagt, ihr seid ein XXXL-Concept-Store. Das trifft es perfekt.“