Das Bosch-Werk in Bamberg ist von den Sparplänen nicht direkt betroffen, doch auch hier geht die Angst um. Der Betriebsrat appelliert an die Politik, die IG Metall fürchtet einen „Kulturbruch“.
6 Uhr morgens in Deutschlands größtem Fertigungswerk der Bosch-Gruppe: Hunderte von Mitarbeitenden beginnen in Bamberg ihre Frühschicht. Der angekündigte Stellenabbau des Unternehmens löst auch hier Verunsicherung aus. „Ich bin 40 Jahre bei Bosch und ich muss sagen, ich habe das in der Form noch nicht erlebt“, sagt ein Mitarbeiter.
Insgesamt arbeiten etwa 6.000 Menschen bei Bosch in Bamberg. Bis 2027 soll es dort zwar erstmal keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Doch was passiert danach? „Auch wenn Bamberg von den jetzt verkündeten Maßnahmen nicht direkt betroffen ist, wachsen dadurch unsere Zukunftssorgen“, sagt Bosch-Betriebsrat Mario Gutmann.
Bosch verkleinert Standort Bamberg seit Jahren
„Der größte Autozulieferer der Welt verkündet den größten Arbeitsplatzabbau seiner Geschichte“, kommentiert Gutmann die Lage. Bis 2030 sollen deutschlandweit 22.000 Stellen abgebaut werden. „Nur weil wir jetzt im Moment nicht betroffen sind, heißt es nicht, dass es in ein, zwei oder drei Jahren nicht noch mal kommen kann“, befürchtet der Bosch-Mitarbeiter vor seiner Frühschicht.
Und die Vergangenheit hat es gezeigt: Bei Bosch in Bamberg, wo sie unter anderem Teile für Benzin- und Dieselmotoren herstellen, hat die Zahl der Beschäftigten merklich abgenommen. Vor mehr als zwanzig Jahren waren an dem oberfränkischen Standort noch 10.000 Menschen beschäftigt. Derzeit sind es etwa 6.000.
Bosch will fast jede dritte Stelle abbauen
Umso deutlicher klingen die Worte von Betriebsrat Gutmann. „Wenn der weltgrößte Automobilzulieferer ankündigt, 22.000 von insgesamt 68.000 Stellen zu streichen, dann muss doch die Politik hellhörig werden und aufwachen“, sagt er.
Erst habe Berlin die Elektromobilität ohne passende Infrastruktur mit Volldampf vorangetrieben, dann Wasserstoff als Zukunftstechnologie deklariert, nur um dann wieder eine Rolle rückwärts zu machen – und jetzt dann doch eine Zukunft darin zu sehen. So schaue keine vernünftige Wirtschaftspolitik aus.
„Das Verbrenner-Aus 2035 muss fallen, sonst gehen bei uns in Deutschland die Lichter schneller aus als wir denken“, sagt Gutmann. „Am Ende des Tages lebt dieser Sozialstaat von den Industriearbeitsplätzen.“ Er fordert unter anderem eine innovationsfreudige Regulierung, bezahlbare Energie und weniger Bürokratie.
Und der Betriebsrat wünscht sich auch, dass mehr im Bereich Wasserstoff getan wird. Das sei der Energieträger der Zukunft, aber momentan interessiere das in Berlin keinen, beklagt Gutmann.
IG Metall: „Konzern bricht mit seiner Kultur“
Und auch die IG Metall warnt vor einer Deindustrialisierung. „Das Schlimme ist, wir verlieren nicht nur die Stellen in der Produktion“, erklärt Martin Feder, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Bamberg. Mittlerweile seien auch die wichtigen Bereiche Forschung und Entwicklung betroffen. Laut IG Metall sind die Beschäftigten bei Bosch enttäuscht, dass das Unternehmen die bisherige Kultur der Sozialpartnerschaft faktisch aufgekündigt hat.
„Der Konzern bricht mit seiner Kultur und verkündet einseitig einen Kahlschlag. Damit geht Bosch bewusst in den Konflikt. Dieser Weg ist falsch und gefährlich“, warnt Bayerns IG Metall-Bezirksleiter Horst Ott. Er befürchtet, dass weitere Abbaupläne folgen könnten. Bosch müsse stattdessen gemeinsam mit der Arbeitnehmerseite zukunftsfähige Lösungen für die Standorte erarbeiten.
Source: tagesschau.de