Am 18. März wird in Deutschland erstmals der „Tag der Demokratiegeschichte“ gefeiert. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier appelliert an die Bürger, Freiheit und Demokratie durch persönlichen Einsatz zu verteidigen.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sieht Deutschlands Demokratie bedroht wie seit Jahrzehnten nicht mehr. „Unsere Art zu leben, unsere Freiheit und Demokratie sind heute so bedroht wie seit Langem nicht mehr – durch Verächter der Demokratie im Innern, durch imperiale Großmächte von außen“, schreibt Steinmeier in einem Gastbeitrag für das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Anlass ist der erste „Tag der Demokratiegeschichte“ an diesem Mittwoch. Mit ihm soll künftig an jedem 18. März an die Meilensteine und Wegbereiter der deutschen Demokratie erinnert werden.
Die heutige Bundesrepublik sei das Deutschland, von dem Generationen geträumt, dafür gekämpft und gelitten hätten, schreibt Steinmeier. „Dieses Deutschland dürfen wir nicht preisgeben“, mahnte er. Der Bundespräsident betonte: „Wenn Extremisten heute ‚Wir sind das Volk‘ skandieren oder schwarz-rot-goldene Fahnen schwenken, dann gilt: Lassen wir uns die Geschichte und die Symbole unserer Demokratie nicht von jenen stehlen, die kein Anrecht darauf haben. Schwarz-Rot-Gold sind die Farben der freiheitlichen Demokratie und der europäischen Völkerfreundschaft, nicht der Nationalisten und Autoritären; und in einer liberalen Demokratie darf die Bevölkerung vielfältig und ganz verschieden sein.“
„Selbstbehauptung ist das Gebot der Stunde“, erklärt Steinmeier
Nationalstolz und Patriotismus dürfe man nicht den Extremisten überlassen: „Souveräne Bürgerinnen und Bürger, die ihre demokratischen Traditionen mit Stolz pflegen und ihre Ideale selbstbewusst behaupten, sind ein starker Verfassungsschutz“, betont der Bundespräsident in seinem Text.
„Selbstbehauptung ist das Gebot der Stunde“, so Steinmeier weiter. „Dafür müssen wir wissen, was auf dem Spiel steht und mit Leidenschaft für die Werte eintreten, die uns wichtig sind.“ Dabei könnte der Blick in die Geschichte nicht nur eine Warnung sein, sondern auch Mut machen. „Unsere Identität speist sich auch aus den Demokratie- und Freiheitsbestrebungen, die es über Jahrhunderte hinweg gegeben hat“, betont der Bundespräsident. „Wir können stolz sein auf diese Traditionen, ohne den Blick auf den Abgrund der Shoah zu verdrängen.“
Demokratie in Deutschland sei „selten eine Selbstverständlichkeit“ gewesen, aber zu allen Zeiten hätten „mutige Frauen und Männer dafür gestritten und gekämpft“.
Der 18. März symbolisiere das durch die erste Republik-Ausrufung 1793, die März-Revolution 1848 und die erste freie Volkskammerwahl in der DDR. Damit zeige die Vergangenheit auch, „was Menschen mit ihrem Engagement bewegen können, welche Mauern sie zum Einsturz bringen können“, so Steinmeier.
dpa/krott
Source: welt.de