Isar Aerospace steht kurz vor dem zweiten Testflug seiner Spectrum-Rakete. Wie das Raumfahrt-Start-up aus München am Freitag mitteilte, soll der Start frühestens am 21. Januar von dem firmeneigenen Startkomplex auf dem Weltraumbahnhof Andøya Space in Norwegen erfolgen. Wann der zweite Testflug genau losgeht, hängt nach Unternehmensangaben von geeigneten Wetterbedingungen sowie der Sicherheits- und Startplatzfreigabe ab.
„Souveräner Zugang zum Weltraum“
Ende März 2025 hatte Isar Aerospace die erste Spectrum-Rakete von Norwegen aus gestartet. Nach einem 30-Sekunden-Flug war sie ins Meer abgestürzt. Trotzdem wertete Vorstandschef und Gründer Daniel Metzler dies als Erfolg, weil sein Unternehmen bewiesen habe, nicht nur Raketen bauen, sondern auch starten zu können.
Ob der zweite Testflug nun glückt und die Rakete den Weltraum erreicht, muss bezweifelt werden. Aber der Flug sollte dann doch länger dauern als 30 Sekunden beim ersten Raketenstart. Nur zehn Monate später schon für den zweiten Testflug bereit zu sein, betrachtet der Isar-Aerospace-Chef ohnehin als Erfolg. „Dieser Qualifikationsflug ist der nächste Schritt zu einem souveränen Zugang zum Weltraum für Europa“, ließ sich Metzler in der Pressemitteilung zitieren.
Unterstützung von der ESA
Europa benötige dringend Zugang zum Weltraum. Eine schnelle Weiterentwicklung entsprechender Fähigkeiten sei jetzt entscheidend, um Kapazitäten genau dann bereitzustellen, wenn sie benötigt würden, erklärte er. Dazu passt das politische Umfeld in Europa: Die 23 Mitgliedstaaten der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) beschlossen auf der Ministerkonferenz Anfang Dezember ein Rekordbudget. Die ESA erhält knapp 22,2 Milliarden Euro für die kommenden drei Jahre. Fast ein Drittel mehr als in der vorherigen Dreijahresperiode, die auch durch ein Rekordbudget gekennzeichnet war.
Zudem treibt Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius die Sicherheitsarchitektur im All voran und will bis zum Jahr 2030 eine Summe von 35 Milliarden Euro investieren, um unabhängiger von den USA zu werden und den Bedrohungen aus China oder Russland zu begegnen. Isar Aerospace wird von der ESA unterstützt. Der zweite Testflug steht im Zeichen der Mission „Onward and Upward“, mit der kritische Systeme der Trägerrakete Spectrum unter operativen Bedingungen validiert werden sollen.
Mit einer Milliarde Euro bewertet
Nach Angaben von Isar Aerospace ist es der erste Flug, bei dem Nutzlasten an Bord sind. Dabei handele es sich um fünf Kleinsatelliten und ein Experiment. Die Erkenntnisse, die Isar Aerospace mit dieser Mission gewinne, würden die Weltrauminfrastruktur Europas stärken, was für die Verteidigungsbereitschaft und die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit unerlässlich sei.
Isar Aerospace zählt zu seinen Investoren den Volkswagen-Großaktionär Porsche. Im Sommer wurde eine Finanzierungsrunde mit dem amerikanischen Tech-Investor Eldridge in Form einer Wandelanleihe in Höhe von 150 Millionen Euro vereinbart. Damit wird das 2018 gegründete Start-up mit einer Milliarde Euro bewertet. Das in der Nähe von München ansässige Unternehmen beschäftigt über 400 Mitarbeiter aus 50 Nationen. Mit den bereits in Produktion befindlichen Raketen drei bis sieben und einer neuen 40.000 Quadratmeter großen Anlage bei München sieht sich das Unternehmen gut positioniert, um der weltweit steigenden Nachfrage nach Zugang zum Weltraum zu begegnen.