Noch Ende Januar skizzierte Playmobil auf der größten Spielwarenmesse der Welt in Nürnberg den Weg aus der Krise und versuchte, Optimismus zu verbreiten. Davon ist nicht mehr viel übrig. Das Unternehmen gibt die Produktion der Spielfiguren in Deutschland auf. In Dietenhofen in Bayern sollen spätestens bis Ende Juni 2026 keine Playmobil-Artikel mehr vom Band gehen. Das hat jetzt die Horst Brandstätter Group (HBG) verkündet, die Unternehmensgruppe hinter Playmobil. „Der Zeitpunkt könnte nicht schlechter sein“, sagt Tabea Höllger, eine Unternehmensberaterin von Brandtrust. „Playmobil war gerade dabei, sein Markenimage wieder aufzupolieren.“
Was bedeutet der Rückzug für den Traditionshersteller, der jahrzehntelang zum Stammrepertoire deutscher Kinderzimmer gehörte? Insgesamt 350 Beschäftigte bangen nun um ihre Arbeitsplätze. Die Produktion der Pflanzengefäße der Marke Lechuza soll weiterhin in Dietenhofen stattfinden. An den Standorten der Logistik in Herrieden und der Verwaltung in Zirndorf einschließlich Marketing und Produktorganisation der Marke Playmobil seien vorerst keine Veränderungen geplant, heißt es. „Dietenhofen ist unser zentraler Produktionsstandort in Deutschland. Ergänzend dazu werden auch am Logistikstandort Herrieden weitere produktionstechnische Schritte vorgenommen“, teilte ein Sprecher von HBG mit.
Die Gewerkschaft IGBCE ist empört. Sie sieht „das Ende der Playmobil-Produktion in Deutschland“. Ein solcher Schritt sei gegenüber der Belegschaft und dem Betriebsrat im Umstrukturierungsprozess eigentlich ausgeschlossen worden. „Statt offenem Dialog haben wir über Monate hinweg ein Mauern erlebt“, kritisiert Gewerkschaftssekretär Maximilian Krippner. „Dass der Betriebsrat rund 20 Minuten vor der offiziellen Verkündung von der geplanten Standortschließung erfahren hat, obwohl zuvor noch positive Zukunftsbilder für den Standort gezeichnet wurden, ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten.“ So gehe man nicht mit Mitbestimmung um.
Welche Rollen spielen die Arbeitskosten?
Als Grund für die Entscheidung nennt die HBG gestiegene Produktionskosten in Deutschland. Das Unternehmen will die Herstellung der Playmobil-Artikel in Franken in andere Werke verlagern. Insgesamt beschäftigt die Gruppe rund 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Nach eigenen Angaben hat die Gruppe ihre größten Werke in Malta und der Tschechischen Republik.
Die Arbeitskosten sind in Deutschland höher als dort. Hierzulande kostete 2024 eine Arbeitsstunde 43,4 Euro, wie Daten des Statistischen Amts der EU (Eurostat) zeigen. Malta mit 19,1 Euro und die Tschechische Republik mit 18,2 Euro liegen deutlich darunter. Im EU-Durchschnitt betragen die Arbeitskosten 33,5 Euro.
Unternehmensberaterin Höllger kann den Schritt der HBG betriebswirtschaftlich nachvollziehen. Sie sagte aber zugleich: „In erster Linie kommen die Managementprobleme der vergangenen Jahre Playmobil teuer zu stehen – und nicht der Produktionsstandort.“
Im Gegensatz zu anderen Spielzeugmarken habe es Playmobil verpasst, einen Mehrwert zu bieten: Wie lassen sich über die Klassiker hinaus Begehrlichkeiten wecken? Was zeichnet die Marke wirklich aus? In anderen Worten: Playmobil hat es aus ihrer Sicht verpasst, Ideen zu entwickeln, die für steigende Umsätze sorgen. Das aktuelle Kostenproblem sei nicht der Kern der Krise. „Playmobil hat sich verloren“, sagt sie.
Unter dem langjährigen Chef Horst Brandstätter entwickelte Playmobil sich zu einer erfolgreichen Marke. Seit seinem Tod im Jahr 2015 war unklar, mit welcher Strategie und mit welchem Personal die Marke langfristig eine Zukunft hat. Unter anderem durch den Abbau von 700 Stellen wollte die Gruppe sich gesundschrumpfen. Im Geschäftsjahr 2023/2024 sank der Umsatz der HBG von 532 Millionen auf 449 Millionen Euro. Größter deutscher Spielwarenhersteller ist nicht mehr Playmobil, sondern Ravensburger.