Staatsschutz nimmt 17-Jährigen nachdem brutalen, mutmaßlich rechtsextremen Überfällen stramm

Mehrere Wohnungen in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern sind am Mittwochmorgen durchsucht worden. Im Zentrum der Ermittlungen steht ein 17 Jahre alter Deutscher, der mit Komplizen einen 19-Jährigen in dessen Jugendwohnung schwer misshandelt und beraubt haben soll und mit rechtsextremen Straftaten auffiel.

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Nach einer Serie schwerer Gewalttaten und mutmaßlich politisch motivierter Delikte hat die Hamburger Polizei am Mittwochmorgen mehrere Durchsuchungsbeschlüsse sowie einen Haftbefehl vollstreckt. Einsatzkräfte der Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamts durchsuchten nach Angaben der Polizei seit 6 Uhr morgens insgesamt sechs Wohnungen in Altona, Bergedorf, Billstedt und Lohbrügge sowie in der mecklenburg-vorpommerschen Stadt Lübtheen. In Lohbrügge nahmen die Beamten einen 17 Jahre alten Deutschen fest, der als Hauptverdächtiger gilt.

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Die Maßnahmen gehen auf Ermittlungen zurück, die nach Einschätzung von Polizei und Staatsanwaltschaft ein erhebliches Gewaltpotenzial offenbaren. Der Jugendliche steht unter anderem im Verdacht, gemeinsam mit mehreren weiteren Beteiligten einen 19-Jährigen zweimal in dessen Jugendwohnung überfallen, misshandelt und beraubt beziehungsweise räuberisch erpresst zu haben. Ein Richter hatte die Durchsuchungen und den Haftbefehl auf Antrag der Staatsanwaltschaft wegen der bisherigen Ermittlungsergebnisse erlassen, unter anderem wegen des Verdachts der versuchten räuberischen Erpressung.

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Kriminalpolizei soll sich der erste Angriff am 4. März ereignet haben. Demnach drang der 17-Jährige gemeinsam mit einem 16-jährigen Deutschen und einem 19-jährigen Mann mit usbekischer Staatsangehörigkeit in die Wohnung des 19 Jahre alten Geschädigten ein. Unter Vorhalt eines Messers sollen sie von ihm die Herausgabe eines vierstelligen Geldbetrags verlangt haben. Als der junge Mann sich weigerte, eskalierte die Situation offenbar massiv.

Laut Polizei traten die Angreifer so lange auf ihn ein, bis er zu Boden ging. Selbst dort sollen die Täter weiter auf ihn eingeschlagen und eingetreten haben. Besonders brutal wirkt in der Darstellung der Ermittler ein Detail: Die Angreifer sollen zur Tatzeit Springerstiefel getragen haben. Bevor die Gruppe flüchtete, nahm der 17-Jährige laut Polizei noch eine Trainingsjacke des Opfers an sich.

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Nur vier Tage später soll es zu einem weiteren Überfall gekommen sein – erneut in derselben Jugendwohnung. Diesmal sollen neben den drei bereits genannten Tatverdächtigen auch ein 16-jähriger Pole und ein 15 Jahre altes deutsches Mädchen beteiligt gewesen sein. Wieder habe die Gruppe Geld und Wertgegenstände gefordert. Wieder sei der 19-Jährige geschlagen und getreten worden, obwohl er bereits am Boden lag. Anschließend flohen die mutmaßlichen Täter.

Besonders brisant: Teile der Taten sollen gefilmt und später veröffentlicht worden sein. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand könnte eine Kontaktanbahnung des 19-Jährigen zu dem 15 Jahre alten Mädchen Auslöser der Angriffe gewesen sein.

Hitlergruß gezeigt

Der festgenommene 17-Jährige steht nach Polizeiangaben auch im Verdacht, bereits am 13. Februar gemeinsam mit einer gleichaltrigen Deutschen in Billstedt einen 39 Jahre alten Mann mit Migrationshintergrund mit einem Messer bedroht und rassistisch beleidigt zu haben. Eine weitere Tat mit politischer Dimension soll eine Woche später gefolgt sein: Im Bereich des U-Bahnhofs Kiwittsmoor in Langenhorn habe der Jugendliche ein Wahlplakat beschädigt und dabei den sogenannten Hitlergruß gezeigt.

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Bei den Durchsuchungen stellten die Einsatzkräfte nach Angaben der Polizei szenetypische Propagandamaterialien sowie weitere mögliche Beweismittel sicher. Diese werden nun ausgewertet. Der 17-Jährige wurde nach seiner Festnahme dem Untersuchungsgefängnis zugeführt. Dort sollte ihm ein Richter den Haftbefehl verkünden.

Die Ermittlungen des Landeskriminalamts und der Staatsanwaltschaft dauern an. Dabei geht es nicht nur um die genaue Rekonstruktion der bereits bekannten Taten, sondern auch um mögliche weitere Beteiligte. Der Fall zeigt in bedrückender Deutlichkeit, wie eng rohe Gewalt, Einschüchterung und mutmaßlich extremistische Symbolik in einzelnen Jugendmilieus ineinandergreifen können. Für die Ermittler dürfte nun entscheidend sein, ob sich der Verdacht auf ein weiterreichendes Tat- und Beziehungsgeflecht erhärtet.

Source: welt.de

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