Vielfahrer kennen das: Frühmorgens schießen die Preise für Benzin,
Diesel und andere Kraftstoffe nach oben, um im Tagesverlauf zickzackartig zu
fallen. Die Zahlen an der Preistafel blinken, springen und verändern sich
mehrfach, teilweise während man selbst in der Schlange zur Zapfsäule wartet.
Dass
dies nicht nur ein Gefühl ist, zeigt ein Bericht des Bundeskartellamts: Im Schnitt zählte die Behörde
18 Preisänderungen am Tag pro Tankstelle, bei manchen waren es sogar mehr als
50. Wer also zum falschen Zeitpunkt tankt, zahlt drauf.
Das Land Baden-Württemberg will dem ein Ende
setzen. In der heutigen
Sitzung des Bundesrats bringt die schwarz-grüne Landesregierung einen Entschließungsantrag ein, der die häufige
Änderung der Preise an den Tankstellen eindämmen soll. Preiserhöhungen sollten demnach nur noch einmal täglich möglich sein, Preissenkungen hingegen jederzeit. In dem
Antrag wird auf das österreichische Modell verwiesen. Dort sind Preisaufschläge
nur einmal pro Tag um zwölf Uhr mittags zulässig.
„Es ist lächerlich, einen Preis
bis zu 30-mal am Tag zu erhöhen, wenn sich die Ölpreise gar nicht geändert
haben“, sagt Herbert Rabl, Pressesprecher des Tankstellen-Interessenverbands, im Gespräch mit der ZEIT. Das aktuell herrschende Preisgeschäft
ziehe „den letzten Cent aus dem Markt“. Auf Kosten der Verbraucher nutzten die
Mineralölkonzerne die schwankenden Preise, um höhere Gewinne zu erzielen.
Das
geschehe auch zum Unwillen der Tankstellenpächter, sagt Rabl: „Unsere Mitglieder
kriegen den Ärger ab, weil Mineralgesellschaften diesen Preistanz
veranstalten.“ Die Pächter schauten selbst oft fragend auf die Preistafeln,
während sie den Ärger der Kunden ausbaden müssten.
Tankstellen, sagt Rabl, finanzierten sich längst
nicht mehr nur über den Spritverkauf. Besonders wichtig seien die Einnahmen
aus dem Shopgeschäft in der Tankstelle: „Ein Kunde, der sich wegen der
Tankpreise ärgert, kauft aber auch keinen Schokoriegel.“ Sein Verband
befürwortet eine tägliche Preisobergrenze.
Jürgen Ziegner, Geschäftsführer
des Zentralverbands des Tankstellengewerbes, hält den Vorstoß Baden-Württembergs für politisch
nachvollziehbar, aber falsch: „Weniger Wettbewerb führt
in einer Marktwirtschaft nur äußerst selten zu niedrigeren Preisen. Wer die
Preisbewegung einschränkt, schränkt auch den Wettbewerb ein.“ Die aktuelle Systematik sei die günstigste und damit
beste Option für Autofahrer, sagt Ziegner der ZEIT. „Die Preise der verschiedenen Tankstellen nähern sich aneinander an, und so bildet sich für den Verbraucher der beste Preis.“
Auch der Automobilverband ADAC
warnt auf seiner Website vor einer neuen Regelung: Wenn Konzerne die Preise nur einmal
täglich erhöhen dürften, kalkulierten sie die Erhöhung von vornherein höher. Wer
später nicht mehr erhöhen könne, würde den Preis gleich höher setzen. Dadurch könnten Tagesdurchschnittspreise steigen. Der Verband kritisiert das österreichische Modell: Dort sei der günstigste Tankzeitpunkt eben kurz vor 12 Uhr mittags statt abends wie in Deutschland. Der billigere Tankpreis in Österreich erkläre sich auch mit den niedrigeren Kraftstoffsteuern.
Die Erfahrungen aus Österreich
zeigen: Die Regelung schafft vor allem ruhigere Preistafeln, aber kaum
niedrigere Preise. Das Preisgeschehen wird berechenbarer, die Aufregung
kleiner. Das ist wohl auch die Idee hinter dem Vorschlag aus Baden-Württemberg.
Es geht weniger um günstigere Preise als um
Vorhersehbarkeit und Transparenz an der Zapfsäule. Einstweilen gilt für
Vielfahrer weiterhin: Möglichst abends
tanken.