Spritpreise: Tankstellen die Erlaubnis haben Preise nur noch einmal täglich potenzieren. Hilft dasjenige?


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Seit Beginn des Irankriegs sind die Spritpreise in die Höhe geklettert. Ein Modell aus Österreich soll nun gegensteuern. Wird das klappen? Und warum ist es hier überhaupt so teuer?

Wer in der vergangenen Woche tanken musste, griff deutlich tiefer in die Tasche als zuvor. Der Durchschnittspreis stieg für Super E10 zeitweise auf rund 2,04 Euro pro Liter, Diesel verteuerte sich auf rekordverdächtige 2,19 Euro.

Nun will Wirtschaftsministerin Katherina Reiche nur noch eine Spritpreiserhöhung pro Tag erlauben. Dadurch sollen die Preise weniger stark steigen. In Österreich ist das seit Jahren der Fall. Wie sind die Erfahrungen aus dem Nachbarland, was sagen Experten zum Vorschlag und ist er neu? 

Ist die Idee in Deutschland neu?

Nein, schon im vergangenen November hat der Bundesrat die Bundesregierung aufgerufen, das österreichische Modell zu prüfen. Damals ging es allerdings vor allem darum, auf die häufigen Änderungen im Tagesverlauf zu reagieren. Im ersten Halbjahr 2025 hatte das Bundeskartellamt im Schnitt 22 Preisänderungen pro Tankstelle und Tag gezählt. Mineralölkonzerne passen die Preise häufig an, um ihre Gewinne zu steigern. Sie reagieren mittels Algorithmen auf Nachfrage, Konkurrenzpreise und Rohölpreise. Kritiker sprechen jedoch von einem Verwirrspiel: Die Kunden verlieren bei den vielen Preisänderungen den Überblick und schaffen es meistens nicht, zum günstigsten Zeitpunkt zu tanken. 

Wie sind die Erfahrungen in Österreich? 

Die Regelung habe sich als zweckmäßig und zufriedenstellend erwiesen, hieß es im Herbst aus dem österreichischen Wirtschaftsministerium. Sie schaffe Vertrauen beim Verbraucher, der jetzt genau wisse, „dass die Preise am Abend oder am Vormittag billiger sind als kurz nach Mittag“. Das reduziere den Anreiz für Tankstellenbetreiber für dauernde Änderungen in beide Richtungen.

Die Regelung existiert in Österreich seit 2011. Ursprünglich war dabei der Zeitpunkt für die einmalige Preiserhöhung auf den Betriebsbeginn festgelegt worden. Das benachteiligte dem Ministerium zufolge allerdings Tankstellen, die an Pendlerstrecken stadteinwärts lagen – also zum Zeitpunkt der hohen Preise den meisten vorbeifahrenden Verkehr hatten. Um dies zu ändern, wurde der Zeitpunkt für Erhöhungen auf 12.00 Uhr geändert. 

Was sagen Experten?

Im Umfeld der Bundesratsinitiative im Herbst gab es auch kritische Stimmen. Kernpunkt war die Befürchtung, dass die Mineralölkonzerne ihre Preise bei der einen erlaubten Erhöhung auf Vorrat und damit besonders stark steigern könnten. 

Vor rund einem Jahr hatte sich auch das Bundeskartellamt zum deutschen Kraftstoffmarkt zur Regelung in Österreich geäußert – allerdings ohne klare Tendenz. So gebe es zwar eine Studie, der zufolge das dortige Modell zu Preissenkungen geführt haben könnte. Andere kritischere Betrachtungen teilten aber die Sorge des ADAC, dass die Preise zu Beginn zu hoch angesetzt werden könnten. 

Zudem sahen Experten die Regelung, den Preissprung mittags anzusetzen, kritisch. Aus ihr ergibt sich, dass Sprit oft kurz vor Mittag am billigsten wäre – zu einer Zeit, in der viele Menschen nicht tanken können. In Deutschland ist normalerweise der Abend der günstigste Zeitpunkt, um zu tanken. Kurz vor der Arbeit noch schnell zur Tankstelle zu fahren, ist dagegen meist die teuerste Option. Die Differenz zwischen Morgen und Abend liegt bei etwa 13 Cent pro Liter. 

Ist Tanken in Österreich teurer oder billiger als in Deutschland?

Sprit ist in Österreich deutlich billiger. Nach Daten der EU-Kommission waren es – Stand 2. März 2026 – bei Superbenzin der Sorte E5 rund 37 Cent pro Liter, bei Diesel etwa 25 Cent. Diese Zahlen stammen allerdings noch aus einer Zeit, als die massiven Preissteigerungen durch den Iran-Krieg erst anfingen. 

Deutschland gehört dagegen derzeit zu den teuersten Ländern Europas, wenn es um Sprit geht. Ein großer Teil des Preises sind Steuern und Abgaben. Nach Angaben des ADAC machen sie beim Benzin rund 64 Prozent aus, beim Diesel etwa 56 Prozent. Dazu zählen Energiesteuer, CO2-Abgabe und die Mehrwertsteuer von 19 Prozent.

Auch der Wettbewerb beeinflusst den Preis. In anderen Ländern gibt es mehr Tankstellen pro Einwohner. Das erhöht den Konkurrenzdruck. Preiserhöhungen werden dann oft langsamer an die Kunden weitergegeben.

Warum ist der Spritpreis in Deutschland nicht gesunken?

Obwohl die Rohölpreise zuletzt wieder gesunken sind, gehen die Spritpreise in Deutschland bislang kaum oder nur langsam zurück. Dahinter steckt ein bekanntes wirtschaftliches Phänomen: der Rakete-und-Feder-Effekt.

Steigen die Einkaufspreise, geben Unternehmen die höheren Kosten meist schnell weiter. Die Preise schnellen nach oben – wie eine Rakete. Sinkende Kosten kommen dagegen oft nur langsam bei den Kunden an. Die Preise gleiten dann nur allmählich nach unten – wie eine Feder.

Ein Grund: Unternehmen können ihre Margen so länger halten, vor allem, wenn auch die Konkurrenz ihre Preise nicht sofort senkt.

Außerdem wirken große Preisänderungen auf Kunden wie ein Signal, dass sich am Markt etwas verändert hat. Viele beginnen dann nachzudenken, ob sie vielleicht zu einer anderen Tankstelle oder Marke wechseln sollten. Genau das versuchen die Anbieter zu vermeiden.

Das Bundeskartellamt beobachtet das Verhalten der Mineralölkonzerne deshalb schon seit Längerem und hat inzwischen eine offizielle Untersuchung eingeleitet. Die Unternehmen verfolgen ähnliche Interessen und sind zudem über gemeinsame Beteiligungen an Raffinerien miteinander verflochten.

Wann war der Spritpreis das letzte Mal unter einem Euro?

Ende 2020, während der ersten Corona-Wellen, kostete ein Liter Super in vielen Teilen Deutschlands zeitweise weniger als einen Euro.

Grund war die stark gesunkene Nachfrage: Wegen der Pandemie waren deutlich weniger Menschen unterwegs, auch mit dem Auto. Der geringere Verbrauch drückte die Preise an den Tankstellen. So niedrig war der Preis zuvor zuletzt im Januar 2009, wie Daten des ADAC zeigen.

Warum ist Diesel, das sonst viel billiger ist als Super, plötzlich viel teurer?

Der Preis von Diesel hängt stärker von globalen Faktoren ab. Zum einen ist Diesel weltweit stark gefragt, vor allem von Industrie, Bau und Logistik. Geopolitische Spannungen oder Störungen im Handel wirken sich deshalb schneller auf den Preis aus. Zum anderen ist Diesel eng mit Heizöl verbunden. Beide Produkte entstehen in der Raffinerie aus ähnlichen Prozessen. Steigt im Winter die Nachfrage nach Heizöl, bleibt oft weniger Diesel übrig – der Preis steigt.

Hinzu kommt die Importabhängigkeit. Deutschland produziert Benzin weitgehend selbst, beim Diesel muss etwa ein Drittel importiert werden. Dadurch reagieren die Preise stärker auf Entwicklungen auf dem Weltmarkt. Auch politische Vorgaben treiben den Preis. Der steigende CO2-Preis und die Treibhausgasminderungsquote verteuern Diesel stärker als Benzin, weil bei seiner Verbrennung mehr CO2 entsteht. 

Gibt es regionale Unterschiede? 

Diesel ist in Ostdeutschland oft etwas teurer als im Westen, unter anderem wegen längerer Transportwege und weniger Raffinerien.

Aber auch bei den Benzinpreisen klafft aktuell zwischen den zehn größten Städten Deutschlands eine deutliche Lücke. Laut dem Mehr-Tanken-Index von auto motor und sport beträgt der Unterschied mehr als 21 Cent pro Liter.

Am günstigsten tanken Autofahrer im Durchschnitt in Leipzig. Dort kostet ein Liter Super E5 circa 1,78 Euro. Das sind rund 21,2 Cent weniger als in Frankfurt. In der Mainmetropole liegt der Durchschnittspreis bei etwa 1,99 Euro pro Liter. Wer den Tank füllt, zahlt in Frankfurt damit etwa 10,60 Euro mehr als in Leipzig.

Deutlich teurer ist es in anderen Regionen. In Konstanz wurden Durchschnittspreise von rund 2,07 Euro pro Liter gemessen, in Rheine etwa 2,05 Euro. In Hürth liegt der Durchschnitt bei rund 2,01 Euro. Auch in Passau kratzt der Durchschnittspreis mit etwa 1.995 Euro an der Zwei-Euro-Marke. Dahinter folgen Köln mit 1,97 Euro und Dresden mit 1,97 Euro pro Liter.

Es gibt derzeit auch Preisunterschiede zwischen Tankstellen in der gleichen Region. Apps wie „Clever tanken“, „ADAC-Spritpreise“ oder „Benzinpreis-Blitz“ helfen dabei, die günstigste in der Region zu finden. 

Darf man auf Homeoffice beharren, weil die Spritpreise so hoch sind?

Der Weg zur Arbeit gehört zum sogenannten Wegerisiko. Das bedeutet: Arbeitnehmer müssen selbst dafür sorgen, wie sie zur Arbeit kommen – ob zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit Bus und Bahn oder mit dem Auto.

Auch die Risiken auf diesem Weg tragen sie selbst. Dazu zählen etwa Unfälle, Zugausfälle oder steigende Spritpreise. Deshalb können Beschäftigte in der Regel nicht verlangen, ins Homeoffice zu wechseln, nur weil das Tanken teurer geworden ist.

Source: stern.de